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Lina Lapelytė. We Make Years Out of Hours, Ausstellungsansicht Hamburger Bahnhof – Nationalgalerie der Gegenwart, Berlin, 2026 © Lina Lapelytė. VG Bild-Kunst, Bonn 2026. Foto: Staatliche Museen zu Berlin, Nationalgalerie / art/beats, Florian Mag

Lina Lapelytė. We Make Years Out of Hours, Ausstellungsansicht Hamburger Bahnhof – Nationalgalerie der Gegenwart, Berlin, 2026 © Lina Lapelytė. VG Bild-Kunst, Bonn 2026. Foto: Staatliche Museen zu Berlin, Nationalgalerie / art/beats, Florian Mag

in ausstellung

Achtsam durch die Welt

Redaktionvon Redaktion
2.09.2026

Bis 10. Jänner verwandelt die litauische Künstlerin Lina Lapelytė die historische Halle des Hamburger Bahnhof – Nationalgalerie der Gegenwart in Berlin in einen Ort des gemeinsamen Handelns und Singens.

In der historischen Halle entsteht eine sich stetig verändernde Landschaft aus 400.000 Holzwürfeln. Auf einer Fläche von 2.500 Quadratmetern verschwimmen die Grenzen zwischen Skulptur und Performance, einzelnem Individuum und Kollektiv. Besucher:innen und Performer:innen, sind eingeladen, die Bauklötze in die Hand zu nehmen und ganz nach eigenem Ermessen deren Position zu verändern, sie werden zu Stapeln aufgetürmt, zu Hügeln oder architektonische Strukturen. Es entstehen turmartige Gebilde auf Zeit, Mauern, Phantasiegebäude. Hierbei geht es um die aktive Einbeziehung des Publikums. 
„We Make Years Out of Hours“ (dt. wir machen Jahre aus Stunden) so der Titel der Performance wird zum lebendigen Monument für Zeit, Fürsorge und Koexistenz. Begleitet werden die Besucher:innen vom Gesang verschiedener Sänger:innen und Liedern nach Texten über Gemeinschaft, Entstehung, Liebe, Verlust und Hoffnung internationaler Autor:innen des frühen 20. Jahrhunderts bis in die Gegenwart wie Dichter Khalil Gibran, Schriftstellerin und Malerin Etel Adnan, Dichterin Layla Sarahat Rushani und weitere zeitgenössische Autor:innen. Lapelytė hat keine Interesse daran ein Spektakel in Szene zu setzen, sie schafft Situationen, „in denen das Publikum verweilen muss, um auf neue Art hören zu lernen und die eigene Wahrnehmung anzupassen“, beschreibt der Direktor der Nationalgalerie und Kurator dieser Ausstellung Sam Bardaouil die Intention der Künstlerin.
In Lapelytės Opernwerken, Installationen, ihren Arbeiten im öffentlichen Raum und in ihren partizipativen Performances entwickelt die Künstlerin eine eigene Sprache, in der die Stimme Beziehungen zu anderen eröffnet. Es geht ihr dabei nicht darum die Virtuosität ihrer Stimme zur Schau zu stellen, sondern in Beziehung zu anderen einzutreten und die Voraussetzungen dafür zu schaffen, in Gegenwart anderer zu sein. „In ihren Arbeiten wird deutlich, dass Zuhören kein passiver Rezeptionsakt ist, sondern vielmehr eine ethische Haltung – ein Weg, sich achtsam durch die Welt zu bewegen“, schreibt Bardaouil in seinem Katalogbeitrag.

Ausstellungsansicht Hamburger Bahnhof – Nationalgalerie der Gegenwart, Berlin, 2026
© Lina Lapelytė. VG Bild-Kunst, Bonn 2026. Foto: Staatliche Museen zu Berlin, Nationalgalerie / art/beats, Florian Mag

Zeit und Veränderung

Ausstellungsraum und Werk unterliegen einer ständigen Veränderung. Die 10 x 10 x 10 cm großen Bauklötze aus Fichten- und Kiefernholz gehen durch die Hände der Performer:innen und der Besucher:innen und wechseln dabei in der Halle stetig ihren Platz. Es entstehen Strukturen, die nach und nach auch wieder verschwinden und in andere verwandeln. Jede neue Form weicht der nächsten. Alles dreht sich um die Frage nach dem Bleibenden und dem Vergänglichen. Und es geht darum, wer entscheidet, was gebaut wird, was weichen muss und wessen Leben die Last dieser Veränderungen zu tragen hat. Der Titel „We Make Years Out of Hours” bezieht sich auf die Bedeutung des Teils für das Ganze, aus Stunden werden Jahre, aus Einzelnen wird eine Gemeinschaft.
„Lapelytės Werk indessen operiert in einem erweiterten gesellschaftlichen Feld, wo Sound, Formen der Arbeit, Architektur und die Gemeinschaft untrennbar miteinander verbunden sind. Ihr Beitrag besteht nicht in einer Neuerfindung der Partizipation, sondern in einer sorgsamen Neujustierung – in ihrer Betonung von Aspekten wie Zeit, Achtsamkeit und einer Wechselseitigkeit der Beziehungen“, so ein weiterer Auszug aus Bardouils Text. 

Ausstellungsansicht Hamburger Bahnhof – Nationalgalerie der Gegenwart, Berlin, 2026 
© Lina Lapelytė. VG Bild-Kunst, Bonn 2026. Foto: Staatliche Museen zu Berlin, Nationalgalerie / Laura Fiorio

Die 1984 geborene litauische Künstlerin und Komponistin Lina Lapelytė verankert ihre Arbeit in der Performance. Sie arbeitet zwischen Vilnius und London und entwickelt zusammen mit professionellen und nichtprofessionellen Performer:innen kollektive Gesangsaktionen, die Systeme des Zum-Schweigen-Bringens und zur Verletzlichkeit hinterfragen. „In einer von Zerrissenheit, Beschleunigung und Lärm geprägten Zeit begegnet uns in We Make Years Out of Hours eine alternative Methode, Wert zu messen – anhand der Zeit, die wir uns für andere nehmen, oder der Sorgfalt, mit der wir die Bedingungen erschaffen, um aufmerksam zuhören zu können“, fasst Bardouils die Intention von Lina Lapelytė zusammen.

Bis 10. Jänner 2027
www.smb.museum

Die Ausstellung wird kuratiert von Sam Bardaouil und Till Fellrath, Direktoren Hamburger Bahnhof – Nationalgalerie der Gegenwart und ist Teil des Jubiläumsprogramms 30 Jahre Hamburger Bahnhof. Die Performances finden während der Laufzeit der Ausstellung jeweils Dienstag, Donnerstag, Samstag und Sonntag von 14 bis 17 Uhr statt.

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