Mitte August wurde im Rahmen der World Design Capital Frankfurt RheinMain 2026 (WDC) an der Konstablerwache in Frankfurt am Main ein außergewöhnliches Kunstwerk gefeiert, das nun in den Sommermonaten den Platz überspannen soll.
Die beeindruckende Netzskulptur „A Sky Full of Hope – Earthtime 1.78 Frankfurt“ der US-amerikanischen Künstlerin Janet Echelman schwebt über dem weitläufigen Platz Konstablerwache in luftiger Höhe und wird nachts eindrucksvoll beleuchtet. Bei den Eröffnungsfeierlichkeiten erweckte eine eigens entwickelte Lichtpartitur das Gewebe in der Dunkelheit zum Leben. Ein von Echelman eigens kuratiertes Lichtspiel setzte das Kunstwerk zusätzlich eindrucksvoll in Szene, mit Lichtwellen und atmosphärischen Klängen entfaltete die in über sieben Meter Höhe schwebende Installation ihre Wirkung am sommerlichen Frankfurter Nachthimmel.

In seiner Eröffnungsrede betonte der Frankfurter Oberbürgermeister Mike Josef, der die Skulptur gemeinsam mit der Künstlerin offiziell an die Stadtgesellschaft übergab: „In Zeiten globaler Krisen, von Missständen an jeder Ecke und Polarisierung kann man sich schon fragen: Wer braucht da noch Kunst? Friedrich Schiller hatte eine simple aber sehr einleuchtende Antwort dazu: `Die Kunst ist eine Tochter der Freiheit`.“
Denn, so Josef, die Kunst dokumentiere Geschichte, kritisiere Missstände, zeige Werte und Normen auf, ermögliche Selbstreflexion und entwerfe Zukunftsvisionen. Durch ihre Vielfalt und Ausdrucksstärke bleibe Kunst ein unverzichtbarer Spiegel der Gesellschaft. „Man kann sicherlich über die Bedeutung einzelner Kunstwerke diskutieren. Man kann aber nicht darauf verzichten, denn Kunst spielt eine wichtige Rolle im Kampf gegen Intoleranz gegenüber anderen Kulturen und Meinungen, Rassismus und anderen Formen gesellschaftlicher Abgrenzung“, betonte er.


Ein Ort der Begegnung
Das Kunstwerk besteht aus einer tragenden, beweglichen Netzstruktur aus hochfesten Polymerfasern, wie sie auch in der Raumfahrttechnik eingesetzt werden. Daran sind farbige, bis zu 4,5 Meter lange Netzsegmente befestigt, die in traditioneller Fischernetztechnik geknüpft wurden. Für das Objekt wurden insgesamt etwa 103 Kilometer Garn verarbeitet.
Die Frankfurter Arbeit ist Teil von Echelmans Earthtime-Serie und die Zahl im Titel steht für die Mikrosekunden, um die sich der Tag auf der Erde durch die Beschleunigung der Erdrotation aufgrund eines einzelnen geologischen Ereignisses verkürzt hat. Earthtime 1.78 bezieht sich auf das schwere Tōhoku-Seebeben, das im März 2011 vor der Ostküste Japans stattfand und den verheerenden Tsunami sowie die Havarie des Atomkraftwerks in Fukushima auslöste – ein lokales Ereignis mit globaler Tragweite. Die physikalischen Messdaten der pazifischen Wellenbewegungen während dieses Bebens dienten Echelman als direkte Vorlage für die geschwungene Form der Skulptur.
Unter dem Einfluss von Wind, Wetter und Licht verändert sich die Arbeit fortwährend. Im Sinne des WDC-Leitthemas „Design for Democracy“ verweist das Netz darauf, dass wir Teil komplexer ökologischer und sozialer Systeme gegenseitiger Abhängigkeiten sind. Es steht sinnbildlich für den gesellschaftlichen Zusammenhalt: Erst die Verbindung der Knoten schafft Stabilität – ein Bild für die Menschen aus 178 Nationen, die in Frankfurt beheimatet sind.

Verbindendes Netz
Die Installation stellt einen langfristig angelegten Versuch dar, dem schmucklosen eher rauen Ort in einen lebendigen Raum der Begegnung und Teilhabe zu verwandeln. „Echelmans poetische Netzskulptur versinnbildlicht unser gesellschaftliches Miteinander: Wir sind Teil komplexer Systeme gegenseitiger Abhängigkeiten – ökologisch, räumlich, sozial. Jeder Knoten zählt, jede Verbindung trägt zur Stabilität des Ganzen bei. Genau das spiegelt das WDC-Leitthema `Design for Democracy. Atmospheres for a better life´ wider“, freut sich Carolina Romahn, CEO World Design Capital Frankfurt RheinMain 2026.
An internationalen Vorbildern aus Metropolen wie London, Sydney oder Vancouver ist zu erkennen, welche verbindende Kraft von Janet Echelmans Installationen ausgeht, denn dort eigneten sich die Menschen den Raum unter dem schwebenden Gewebe für vielfältige kulturelle, sportliche und gemeinschaftliche Aktivitäten an.
Solche Bespielungen des Platzes sind auch in Frankfurt angedacht. Erwünscht wäre etwa, dass in Kombination mit etablierten Institutionen wie dem wöchentlichen Erzeugermarkt unter dem Netz ein zentraler, pulsierender Ort des Miteinanders heranwächst, der Frankfurts gelebte Vielfalt eindrucksvoll unterstreichen könnte.
„Ich freue mich, dass `A Sky Full of Hope‘ nun zu Frankfurt gehört und wünsche mir, dass die Menschen dieses Werk offen und neugierig annehmen und miteinander ins Gespräch kommen“, hofft der Frankfurter Oberbürgermeister. Vorerst hat man nun dazu drei Jahre lang in den Sommermonaten Gelegenheit, denn so lange soll die Skulptur über dem Platz schweben.
Mehr Informationen unter WDO.org






