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Der vier mal vier Meter, an der höchsten Stelle acht Meter messende, der Schutzmantelmadonna geweihte Andachtsraum in Freising besticht durch formale Klarheit und harmonisch wiederverwendetes Baumaterial. Foto: commons.wikimedia.org/Vuxi

Der vier mal vier Meter, an der höchsten Stelle acht Meter messende, der Schutzmantelmadonna geweihte Andachtsraum in Freising besticht durch formale Klarheit und harmonisch wiederverwendetes Baumaterial. Foto: commons.wikimedia.org/Vuxi

in nachhaltigkeit

Gesamtkunstwerk der Stille

Christine Müllervon Christine Müller
23.02.2026

Die amerikanische Künstlerin Kiki Smith und das deutsche Architekturbüro Brückner & Brückner, die auch für den Umbau des Diözesanmuseum verantwortlich zeichnen, schufen mit der Freisinger Chapel of Mary’s Mantle ein eindrucksvolles Kleinod.

Die der Schutzmantelmadonna gewidmete Kapelle steht räumlich in Bezug zum nahen Museumsgebäude, dem ehemaligen Erzbischöflichen Knabenseminar. Auch wurde der kleine Zentralbau so positioniert, dass er von vielen Standorten aus in Freising, Weihenstephan und der Umgebung sichtbar ist.
Der gerade einmal vier mal vier Meter, an der höchsten Stelle acht Meter messende Andachtsraum in unmittelbarer Nähe des Diözesanmuseums Freising, wurde im Herbst 2023 fertiggestellt und besticht nicht nur durch seine, bescheidene formale Klarheit, sondern auch durch das genial eingesetzte, zweckentfremdete und dennoch äußerst harmonisch verwendete Baumaterial.
Sowohl Außen- und Innenwände, Boden sowie Nischen und das elliptisch geformte Gewölbe bestehen aus dunkel engobierten Biberschwanzziegeln. Engobe, eine dünnflüssige Tonmineralmasse wird so in den Ziegel eingebrannt, dass anders als bei der Glasur, kein harter Überzug, sondern nur ein Farbauftrag entsteht, durch den die Offenporigkeit der Tonziegel erhalten bleibt. Zuvor bedeckten die wiederverwendeten Biberschwanzziegel jahrzehntelang das Dach der Pfarrkirche St. Georg in Ruhpolding. In der Kapelle wurden sie neu gefügt und von Hand so präzise aufeinandergeschichtet, dass die einzelnen Ziegel jeweils leicht herausragen. Entstanden ist damit ein klar konfigurierter, minimaler Baukörper mit lebendiger Oberflächenstruktur und präziser, scharfkantiger Grundform.
Als eindrucksvolles Beispiel eines überraschend stimmigen Re-Use zeigt sich hier, wie einfach und unkompliziert es mit der entsprechenden Fantasie gelingen kann, alte Baustoffe einem kraftvollen zweiten Leben zuzuführen. Die Dachziegel der Pfarrkirche St. Georg in Rupolding, die man im Laufe der Kirchensanierung ersetzen wollte, fanden in der Freisinger Kapelle ihre geniale neue Bestimmung.

Die amerikanische Künstlerin Kiki Smith und das deutsche Architekturbüro Brückner & Brückner schufen mit der Freisinger Chapel of Mary’s Mantle ein eindrucksvolles Kleinod.
Die am nordwestlichen Giebel tronende und nach Westen ausgerichtete, vergoldete Taube ist der einzige nach außen sichtbare Schmuck. Fotos: Dözesanmuseum Freising

Stimmiges Re-Use

Sowohl das Dach mit dem Kreuzgiebel als auch der Eingang sind als Kragbogen bzw. Kraggewölbe errichtet. Der weisen Entscheidung, den Baukörper nicht zu verputzen, verdankt dieser außerdem seine ganz besondere in sich ruhende archaische Anmutung. Den der Schutzmantelmadonna gewidmeten minimalistischen Sakralraum kennzeichnen, neben seiner eindrucksvollen räumlichen Präsenz, nur wenige Ausstattungsstücke. Neben der weithin sichtbaren, am nordwestlichen Giebel angebrachten und nach Westen ausgerichteten, vergoldeten Taube, als einziger nach außen sichtbarer Schmuck hat Kiki Smith auch ein elliptisches Glasfenster mit einer Darstellung des Mondes in blauer Glasmalerei, gestaltet. Effektvoll fällt von hier aus Licht von außen auf die über der Eingangstür aus Eichenholz gegenüber dem Fenster platzierte, und ebenfalls von ihr geschaffene handvergoldete Bronzeskulptur des Heiligen Geistes, eine Taube mit ausgebreiteten Flügeln. Unter dem Fenster findet sich in einer Nische ein Sternen-Geflecht aus weißer Bronze und eine Schale für Kerzen. Gleich daneben hängt an einem Haken ein aus Wolle, Baumwolle und Leinen gewebter Mantel, eben der Mantel Marias. Ganz im Sinne der äußerst minimalistischen Gestaltung, dienen zwei einfache Sitzbänke aus Holz, in den beiden flachen Nischen der Seitenwände, als Sitzgelegenheit.

Mit dieser der Schutzmantelmadonna gewidmeten Kapelle ist ein kleines Gesamtkunstwerk gelungen, das zur weltabgewandten Kontemplation einlädt.
Unter dem Fenster findet sich in einer Nische ein Sternen-Geflecht aus weißer Bronze und eine Schale für Kerzen. Fotos: commons.wikimedia.org/Vuxi

Mit dieser der Schutzmantelmadonna gewidmeten Kapelle auf dem Freisinger Domberg ist ein kleines Gesamtkunstwerk gelungen, das zur weltabgewandten Kontemplation einlädt.
Der atmosphärisch aufgeladene kompakte Sakralraum mit seinen hohen Gewölben und der minimalistisch anmutenden Gestaltung und zurückgenommener Einrichtung verwandelt sich selbst in einen begehbaren Schutzmantel. Als Besucher, kann man sich setzen, sich in Staunen und Schauen verlieren und berührt sein, dass für Marias Mantel ein solch überwältigender Raum geschaffen wurde.

Kiki Smith gestaltete das elliptische Glasfenster mit einer Darstellung des Mondes in blauer Glasmalerei. Fotos: commons.wikimedia.org/Vuxi
Dem Fenster gegenüber platziert und ebenfalls von ihr geschaffene schwebt eine Bronzeskulptur des Heiligen Geistes, eine Taube mit ausgebreiteten Flügeln.

Kiki Smith 1954 in Nürnberg geboren als Tochter der amerikanischen Schauspielerin und Opernsängerin Jane Lawrence und des Architekten und Bildhauers Tony Smith, ein bedeutender Vertreter des abstrakten Expressionismus und wichtiger Wegbereiter des Minimalismus.
1955 übersiedelte die Familie in die USA. Kiki Smiths Kindheit und Jugend sind geprägt vom intellektuell-künstlerischen Milieu ihres Elternhauses. Ende der 1970er-Jahre zog sie nach New York. Dort arbeitete sie an Grafiken von Alltagsobjekten und Siebdrucken zur Anatomie des menschlichen Körpers. Schritt für Schritt eignete sich Kiki Smith verschiedene Techniken an, erlernte die Glasmalerei und arbeitete mit Druckereien und Gießereien zusammen. Ihre erste Einzelausstellung fand 1988 in der New Yorker Fawbush Gallery statt, zahlreiche Ausstellungen, vor allem in den USA, folgten.
Ihre Arbeiten finden sich weltweit in Sammlungen wichtiger Museen, zudem wurde sie mit zahlreichen internationalen Auszeichnungen und Preisen bedacht. Kiki Smith ist außerordentliche Professorin an der New York University und der Columbia University. Sie lebt und arbeitet in New York City und Upstate New York.

Die Architekten Peter und Christian Brückner gestalten ganz besondere Sakralräume. Die Brüder und ihre Teams nehmen dabei stets Bezug auf den jeweiligen Ort, auf die Materialität des Umfelds, auf die Geschichte, vor allem aber auch auf den Menschen, denn wie die Architekten meinen, „Räume, die Menschen berühren, sollten mit ehrlichen Materialien gebaut sein“. Räume wie die in der Christuskirche oder in den Kapellen in den Waldnaabauen im Oberpfälzer Wald und in Freising sind somit auch als Räume der Geborgenheit konzipiert. Und beim Betreten der Freisinger „Mary’s Mantle Chapel“, so Peter Brückner, verändere sich sogar der Klang im Raum.

Diözesanmuseum Freising

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