3 Tage, 9 Bundesländer, 300 Veranstaltungen mit geballter Information zu Architektur und Baukultur, das bieten von 28. bis 30. Mai die österreichweit zum insgesamt 13. Mal stattfindenden Architekturtage 2026.
„Was uns verbindet – Infrastrukturen des Alltags“ so der diesjährige Themenschwerpunkt. Zahlreiche und unterschiedlichste Infrastrukturanlagen vom Burgenland bis nach Vorarlberg stehen dabei im Mittelpunkt. Architekturinteressierte Besucher:innen jeder Altersklasse sind eingeladen, spannende Vermittlungsformate wahrzunehmen und sich auf eine interessante Reise in die Geschichte, Gegenwart und in die Zukunft unterschiedlichster Infrastrukturprojekte zu begeben. Dabei sind üblicherweise nicht der Öffentlichkeit zugängliche Objekte zum Teil kostenlos zu besuchen.

Lebendiger Möglichkeitsraum
Ein Großteil jener Bauten und Anlagen, die für Zwecke der Infrastruktur entstanden, sind für viele fast unsichtbar, ihre architektonische Gestalt verdient jedoch durchaus mehr Wahrnehmung. Die Architekturtage legen das Augenmerk daher nicht nur auf den Bestand und auf gut ebenso wie schlecht gelöste Beispiele, sondern stellen Fragen, wie etwa jene nach den Notwendigkeiten der nahen Zukunft, nach neuen Brücken, Kraftwerken, Abwassersystemen, Strom- und Wasserversorgungssystemen, Bahnhöfen, Logistikzentren und vielen weiteren Strukturen, die einen reibungslosen Alltag überhaupt erst möglich machen, wobei sie von den meisten unter uns wenig Aufmerksamkeit erfahren – obwohl viele von ihnen nicht nur das Stadtbild sondern auch die Landschaft generell beeinflussen.
Die Architekturtage stellen Best-Practice Beispiele ebenso wie Projekte vor, die eher kontroversiell gesehen werden und machen außerdem die Dringlichkeit der Thematik deutlich, denn etwa 70 Prozent jener Anlagen, die wir im Jahre 2050 benötigen werden, sind heute noch nicht existent.
Exklusive Einblicke
Der direkte Austausch zwischen Fachleuten und der interessierten Öffentlichkeit wird dabei drei Tage lang im Mittelpunkt stehen. Mit einem reichen Angebot an durch Kurator:innen begleiteten Führungen und Stadtspaziergängen, Bauvisiten, Touren mit dem Fahrrad, Workshops, Ausstellungen, Podiumsdiskussionen und zahlreichen extra für die Jüngsten entwickelten Programmpunkten möchte man dem Publikum die vielfältigen Aspekte der Leistungen im Bereich von Architektur und Ingenieurwesen nahebringen. „Für mich ist Infrastruktur nicht nur ein technisches Gerüst, sondern ein lebendiger Möglichkeitsraum, in dem räumliche Qualität, soziale Teilhabe und kreative Prozesse ineinandergreifen“ sagt etwa die Künstlerin, Kuratorin und Spielexpertin Katharina Lackner.
Wie gewohnt werden auch zahlreiche Architektur- und Zivilingenieurbüros für die interessierte Öffentlichkeit zugänglich sein und exklusive Einblicke in ihre Arbeit gewähren.
Die Architekturhäuser Österreichs organisieren spezielle Veranstaltungen, laden zu geführten Touren, künstlerischen Workshops für die ganze Familie. Man kann städtebauliche Projekte der Innenstadtentwicklung ebenso kennenlernen wie üblicherweise unsichtbare Orte, die der Öffentlich verschlossen sind, besuchen. In den Bundesländern erlauben kuratierte Sonderführungen Einblicke in Verkehrs-, Wasser- und Energieanlagen und ermöglichen damit auch in Wind- und Solarparks oder wie etwa in Wien exklusiven Zutritt u.a. zu Schleusenanlagen oder KI-gesteuerte U-Bahnstationen.

Verantwortung wahrnehmen
Der 2026 gewählte Themenschwerpunkt mach auch bewusst, dass es immer dringlicher, wird, „bestehende Gebäude, Flächen und Infrastrukturen intelligent weiterzuentwickeln, statt neue Flächen zu versiegeln“, wie smartvoll Architekten betonen.
Die Organisator:innen der Architekturtage 2026 haben in einem Magazin auf der Website der Architekturtage eine Reihe von Protagonist:innen zum Thema Infrastruktur befragt und damit eine Vielzahl von Interpretationen und Bedeutungen zusammengetragen.
Zu Wort kommt darin u.a. etwa die Landschaftsarchitektin Carla Lo, die meint, dass attraktiv gestaltete Freiräume, wie begrünte und verkehrsberuhigte Straßenbereiche zu deutlich höherer Nutzungsfrequenz und längerer Aufenthaltsdauer führen würden sowie eine höhere Wahrscheinlichkeit vielfältiger sozialer Begegnungen mit sich brächten. „Gerade hierin liegt das Potenzial einer qualitätsvollen Infrastruktur: Sie ist nicht nur funktionales Rückgrat, sondern zugleich aktiver Träger urbanen Lebens“, meint Lo.
Die Architektin Eva Hierzer von NOW Architektur merkt an, dass unter dem Begriff Infrastruktur, oft etwas „Technisches“ verstanden würde, also „Leitungen, die Räume versorgen, in denen wir leben. Gebaute Wege wie Straßen, Schienen oder Brücken, die diese Räume miteinander verbinden. Infrastruktur ist aber viel mehr. Sie ist die Versorgung und Fürsorge unseres Alltags, indem sie es uns ermöglicht, nicht nur individuell von A nach B sondern vor allem kollektiv zusammenzukommen“.
Infrastruktur würde uns aber auch verbinden, indem sie die Art und Weise materialisiert, wie unsere Gesellschaft funktioniere, meint Architekt Wolfgang Timmer, konstruktiv Studio für Architektur. „Sie bildet damit ab, wie wir unseren Alltag organisieren, wie wir uns begegnen und bewegen“. Timmer sieht in Infrastrukturen insbesondere eine baukulturelle Leistung: „Sie beruhen auf Gewissheiten, die brüchig werden, sich verschieben und neu formuliert werden müssen. Gerade hier wird deutlich, dass räumliche Qualität bewusst ausgehandelt und gestaltet werden muss“.
Das Festivalthema sollte also durchaus neugierig machen und uns alle dazu einladen, sich von 28. bis 30. Juni zumindest ein paar der zahlreichen Angebote anzusehen oder aktiv daran teilzunehmen, um sich selbst ein Bild der baukulturellen Voraussetzungen zu machen und sich dessen bewusst zu werden, dass nur gemeinsam positive Veränderungen angestoßen werden können.
Veranstaler:innen des alle zwei Jahre stattfindenden Baukulturfestivals sind die Bundeskammer und Länderkammer der Ziviltechniker:innen sowie die Architekturstiftung Österreich unter Teilnahme aller zehn Architekturinstitutionen Österreichs, die allesamt ein reiches Veranstaltungsprogramm anbieten.
Feierlich eröffnet werden die Architekturtage 2026 am 20. Mai 2026 ab 17:30 im Architekturzentrum Wien.
Der Abschluss der Architekturtage am 10. Juni 2026 findet im Rahmen des New European Bauhaus Festivals, einer Initiative der Europäische Union statt.






