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„Lassen, was da ist und mit heutigen Mitteln nachvollziehbar ergänzen, was fehlt. Mit Gespür fürs Detail und das alte Haus“, so das Motto der sanften Sanierung dieses bayrischen Bauernhauses. Foto: Elena Henrich

„Lassen, was da ist und mit heutigen Mitteln nachvollziehbar ergänzen, was fehlt. Mit Gespür fürs Detail und das alte Haus“, so das Motto der sanften Sanierung dieses bayrischen Bauernhauses. Foto: Elena Henrich

in Unterwegs zuhause

Beglückendes Wohnen auf Zeit

Redaktionvon Redaktion
10.05.2026

In seiner heutigen Erscheinungsform geht das Bauernhaus in Burggen im Ostallgäu auf das Jahr 1848 zurück. Seine heutige Bezeichnung „Pankraz Burggen“ lässt sich vom Namen des letzten Bewohners des einstigen Bauernhofs ableiten: Pankraz Gast. Wie seine Vorgänger, die das Anwesen bereits im Jahr 1470 gegründet hatten, war auch er Fassbinder. Die heutigen Besitzer hatten das bereits stark verfallene Haus in der bayrischen Denkmalbörse entdeckt, es erworben und mit großem Engagement saniert.

Das Haus mit eindrucksvoll dimensioniertem Satteldach, dezenter Putzgliederung und sternförmig gestalteten Holztüren war die letzten 50 Jahre unbewohnt geblieben. Die heutigen Eigentümer Petra und Björn Manns haben bei der Rettung der historischen Substanz mit viel Elan zu einem großen Teil selbst Hand angelegt. Nun kann man in einer Ferienwohnung im ersten Stock des recht imposanten zweigeschoßigen Baus die gelungene Intervention erleben.
Um hier auch ein wohnliches Ambiente zu schaffen, setzen die beiden vor allem auf Einfachheit und Natürlichkeit. Die gelungene rücksichtsvolle Sanierung prägt der Erhalt bestehender Materialien und die möglichste Wiederverwendung von Bauteilen. „Lassen, was da ist und mit heutigen Mitteln nachvollziehbar ergänzen, was fehlt. Mit Gespür fürs Detail und das alte Haus“, lautete ihr Motto. Das Ergebnis ist eine schlichte Ästhetik, mit der es gelingt, die Geschichte des Hauses auf subtile Weise, besonders einfühlsam weiterzuerzählen.

In seiner heutigen Erscheinungsform geht das Bauernhaus in Burggen im Ostallgäu auf das Jahr 1848 zurück. Foto: Elena Henrich

Liebeserklärung an die Vergangenheit

Der Beibehaltung der originalen Raumstruktur, inklusive der einst üblichen Schwellen, verdankt das Haus heute einen Großteil seines stimmigen Gesamterscheinungsbildes, dessen besonderer Charme im spürbaren und doch sanften Gegensatz zwischen Alt und Neu begründet ist. Die beiden nun im einstigen Bauernhaus eingerichteten Ferienwohnungen sind unabhängig voneinander, jeweils über einen eigenen Eingang zu betreten. Der Haupteingang in das historische Gebäude erfolgt an der Füssener Straße, von hier aus gelangt man über eine hölzerne Stiege in die Ferienwohnung im ersten Stock. In deren großzügiger Stube lädt ein großer Esstisch mit Sitzbank zum geselligen Verweilen ein, ein bequem anmutendes Schlafsofa und ein Holzofen sind hier die einzigen weiteren Einrichtungsgegenstände. Die geräumige Küche ist für alle, die gerne kochen großzügig gestaltet und ausgestattet. Und das Schlafzimmer mit Doppelbett verfügt über einen direkten Zugang zum Bad.
Die zweite Ferienwohnung im Erdgeschoß wird aktuell von den Eigentümern selbst genutzt und ist derzeit nicht zu mieten.

Erhalt und Wiederverwendung vorhandener Materialien und Bauteile hatten bei der Sanieung höchste Priorität. Foto: Elena Henrich
Putze wurden größtenteils erhalten, Böden, Fenster, Türen instandgesetzt und nicht durch neue Bauteile ersetzt. Foto: Elena Henrich

Bereit zur Umsetzung

Noch vor dem Kauf des Objekts wurde anhand eines denkmalpflegerischen Vorprojekts der Zustand des Gebäudes überprüft, ebenso wie die erforderlichen Sanierungsmaßnahmen, mögliche Nutzungsszenarien und etwaige Möglichkeiten einer Förderung. Von Beginn an wurde nicht nur eine denkmalgerechte Instandsetzung, sondern auch die energetische Sanierung sowie die Unterteilung in zwei Wohneinheiten geplant. Fördermittel des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege, der Bayerischen Landesstiftung und des Bezirks Oberbayern standen schließlich für die Umsetzung zur Verfügung. Als Effizienzhaus Denkmal – ein Begriff, den die Kreditanstalt für Wiederaufbau in Deutschland eingeführt hat – wurde die Sanierung von der Kreditanstalt für Wiederaufbau gefördert. Effizienzhäuser sind Gebäude, die sich durch eine besonders energieeffiziente Bauweise und Gebäudetechnik auszeichnen und eine höhere Energieeffizienz erreichen als vom Gesetzgeber vorgeschrieben. Für die Adaptierung des Baudenkmals war außerdem die steuerliche Abschreibung der Sanierungskosten im Rahmen der Denkmal AfA (Absetzung für Abnutzung) möglich, die bei Denkmalimmobilien besonders hoch ist, weil der Staat die Sanierung alter Gebäude fördern möchte.

Wie alle Räume ist auch die großzügiger Stube im ersten Stock mit großem Esstisch mit Sitzbank, einem Schlafsofa und dem Holzofen sehr reduziert eingerichtet. Foto: Elena Henrich

Sanft saniert

Die im Bereich des Giebels erhaltene Steintafel mit Inschrift gibt einen Hinweis auf die Baugeschichte des Hauses: „Am 21. Mai 1848 vom Blitz entzündet, brannte nieder, mein Leben lang bewohntes Haus ganz von Grunde aus aber durch Gottes Hilfe und Menschen Hand kam dieses neue Haus zu Stand – Erbaut von Franz Maul“.
Um das Erscheinungsbild des Baus nicht zu verändern und das zu beheizende Volumen auf das nötige Maß zu reduzieren, musste das Dach kalt bleiben. Zur Reduzierung des Energiebedarfs trugen allerdings einzelne, gezielte Verbesserungen von Bauteilen, wie etwa die Wärmedämmung des Erdgeschoßfußbodens, der obersten Geschoßdecke sowie die energetische Verbesserung der teils noch aus der Entstehungszeit stammenden Fenster bei. Eine Luft-Wärmepumpe sorgt nunmehr für die nötige Wärmerzeugung und Heizung des Hauses. Die Gewährleistung der nötigen Grundtemperierung wird durch eine Wandheizung im Erdgeschoß erreicht, in den Obergeschoßen erfolgt dies über Heizkörper, für das nötige Warmwasser sorgen elektrische Durchlauferhitzer.

Der Beibehaltung der originalen Raumstruktur, inklusive der einst üblichen Schwellen, verdankt das Haus heute einen Großteil seines stimmigen Gesamterscheinungsbildes. Foto: Elena Henrich

Viel Wert bei der Wahl der Baustoffe wurde auf die Verwendung einfacher, natürlicher Materialien gelegt. Der Mörtel zur Errichtung und zum Verputzen der Mauern wurde von den Eigentümern selbst mit Kalk und Sand hergestellt, Wand- und Deckenflächen sowie Fassaden wurde mit Sumpfkalk gestrichen. Dennoch hatten Erhalt und Wiederverwendung vorhandener Materialien und Bauteile höchste Priorität. So wurden Putze größtenteils erhalten, Böden, Fenster, Türen instand gesetzt und nicht durch neue Bauteile ersetzt.
Auch die historischen Dielenböden wurden eigenhändig aufwendig ausgebaut, bearbeitet und wiederverwendet. Die Innentüren reparierte man ebenso wie die Fenster und strich sie mit Leinölfarbe. Petra und Björn Manns legten großen Wert darauf, Altes wo es möglich war, zu erhalten, und im klaren Kontrast dazu mit neuen Bauteilen gut erkennbar als zeitgenössische Elemente zu ergänzen.
Die bestehenden Fundamente wurden zur besseren Lastverteilung verbreitert, um neuerliche Setzungen zu vermeiden. Für die zu erneuernden Bodenaufbauten im Erdgeschoß wurde wärmedämmender, kapillarbrechender Glasschaumschotter verwendet und darüber in den Nassbereichen Küche und Bad ein Nutzestrich mit natürlich hydraulischem Kalk als Bindemittel, ohne Einsatz von Folien aufgetragen. Auch neue Rohre und Leitungen wurden zum Teil aufputz verlegt.

Die historischen Dielenböden wurden eigenhändig aufwendig ausgebaut, bearbeitet und wiederverwendet. Innentüren und Fenster reparierte man und strich sie mit Leinölfarbe. Foto: Elena Henrich
Großen Wert legte man darauf, Altes möglichst zu erhalten, und im klaren Kontrast dazu mit neuen Bauteilen sichtbar zu ergänzen. Foto: Elena Henrich

Ausspannen leicht gemacht

Das direkt am Naturschutzgebiet Litzauer Schleife gelegene Burggen gehört mit seinen 1.700 Einwohnern administrativ zu Oberbayern. Im Ort sind alle Lebensmittel für den täglichen Bedarf verfügbar, für die gesundheitliche Versorgung stehen ein Arzt und eine Apotheke zur Verfügung. Die nächstgelegenen größeren Orte sind Schongau und Lechbruck. Ammersee, Starnberger See, Wörthsee, Pilsensee und Weßlinger See sind nördlich gelegen mit dem Auto gut erreichbar.
Die Klöster Andechs, Benediktbeuern, Ettal oder Wessobrunn sowie die rund 160 Kirchen des Pfaffenwinkels, wie die Wallfahrtskirche zum Gegeißelten Heiland auf der Wies, sind ideale kulturelle Ausflugsziele ebenso wie die relativ nahen Königsschlösser Linderhof und Neuschwanstein.
Burggen scheint aber der ideale Ort auch für jene zu sein, die ihren Urlaub lieber fern der gut besuchten touristischen Routen verbringen möchten, denn sie können die nähere Umgebung zu Fuß oder per Rad erleben – oder einfach nur entspannt die üppig grüne Landschaft genießen.

www.urlaubsarchitektur.de

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