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Die Forderung der Bürger:inneninitiative Westbahnpark bleibt unverändert: ein durchgehend unverbauter, erdgebundener Landschaftspark entlang der gesamten Bahntrasse. Illustration: Blickwinkel 2040

Die Forderung der Bürger:inneninitiative Westbahnpark bleibt unverändert: ein durchgehend unverbauter, erdgebundener Landschaftspark entlang der gesamten Bahntrasse. Illustration: Blickwinkel 2040

in stadt

Chance für Grünraum?

Redaktionvon Redaktion
2.06.2026

In einem Newsletter informierte die Abteilung Stadtplanung Wien kürzlich über den aktuellen Stand zur Planung von „Mitte 15“, zur geplanten Wohnbebauung und Parkanlage auf jenem Areal, das sich hinter dem Westbahnhof entlang der Bahngeleise erstreckt. Um dessen unbebauten Erhalt engagiert sich die Aktionsplattform Westbahnpark seit Jahren mit großem Einsatz. Nun teilt die Stadt Wien in ihrer Aussendung mit: „Es geht weiter!“

Es gibt Neuigkeiten zum Projekt Mitte 15. In den vergangenen Jahren wurden von Stadt Wien, ÖBB und engagierten Bürger:innen die zentralen Rahmenbedingungen für die Zukunft des Gebiets zwischen Felberstraße und ÖBB-Gleisanlagen erarbeitet. Das Gebiet steht im Eigentum der ÖBB und soll im kommenden Jahrzehnt umgewandelt und mit neuen Nutzungen bestückt werden: Wo heute Asphalt und Lagerhallen dominieren, könnte in Zukunft wertvoller Raum für viel Begrünung, Bewegung und Begegnung entstehen, so die Stadt Wien, die in Ihrem aktuellen Newsletter auch feststellt: „Fest steht heute, dass es eine große zusammenhängende Grün- und Freifläche geben soll. Wohnraum oder Büros können nur punktuell entstehen. In einigen Bereichen könnte der Park angehoben werden, um eine barrierefreie Zugänglichkeit und darunter andere Nutzungen zu ermöglichen. Diese Chance für mehr Grünraum im 15. Bezirk soll genutzt werden“.

Wie geht es weiter?

Es würde in den kommenden Monaten im Rahmen eines städtebaulichen und freiraumplanerischen Wettbewerbs für das Areal eine detaillierte Ausgestaltung starten, heißt es weiter.
Als Grundlage dieses Verfahrens würden einige Fragen stehen: Wie kann der Park konkret aussehen und welche Funktionen soll er erfüllen? Welche Einrichtungen fehlen im Gebiet und können neu entstehen? Wie kann das Mikroklima verbessert werden?
Man wolle Planungsteams einladen, um für diese und viele weitere Fragen Antworten zu überlegen und vor allem auch Lösungsansätze für das Areal auszuarbeiten. Darauf aufbauend würde dann ein sogenanntes städtebauliches Leitbild erarbeitet.

Mitgestalten erwünscht?

Noch vor dem Start des Wettbewerbs würde die Stadt Wien über den Stand der Dinge informieren, und hierzu im Herbst eine Dialogveranstaltung anberaumen, in deren Rahmen Bürger:innen ihre Ideen, Anregungen und Perspektiven einbringen könnten. Diese würden als wichtige Grundlage in die Wettbewerbsausschreibung einfließen, schreibt man weiter. Zeitgerecht werde die Einladung versendet, per Newsletter oder an die unmittelbaren Anrainer:innen per Post. Und unter www.mitte15.at würden in Zukunft aktuelle Informationen zur Verfügung stehen. Derzeit allerdings würde man die Seite überarbeiten, Fragen könnten aber an mitreden@ma21.wien.gv.at unter dem Betreff „Mitte 15“ gestellt werden.

Ein Blick von oben auf das weitläufige Areal hinter dem Wiener Westbahnhof, auf dem ein unverbauter Park entstehen könnte. Foto: Benedikt Safer


Einige Antworten zu Mitte 15

Einige brennende Fragen zur zukünftigen Gestaltung des weitläufigen Areals sind im Newsletter angeführt und werden von der die Stadt Wien möglichst verständlich beantwortet:

Wird das Areal großflächig verbaut?
Nein. Mehr als zwei Drittel der Fläche werden Grün- und Freiraum. Die Bebauung erfolgt punktuell und auf bereits versiegelten Flächen.

Entsteht ein echter Park?
Ja. Geplant ist ein zusammenhängender Landschaftspark mit etwa 5 Hektar. Teile werden angehoben, um eine klare Trennung zum Bahnverkehr sicherzustellen sowie eine barrierefreie Nutzung zu ermöglichen – mit ausreichend Erdschicht für Bäume und Begrünung.

Wie wirkt sich das auf das Mikroklima aus?
Das Mikroklima wird gegenüber dem heutigen Zustand verbessert. Um Auswirkungen auf das Stadtklima wie unter anderem die Kaltluftabflussbahn zu vermeiden, fließen Klimaanalysen und Simulationen in die Planung ein. 

Wie wird die Bevölkerung eingebunden?
Seit 2022 erfolgt die Beteiligung der Bevölkerung in Dialogformaten mit mehreren hundert Teilnehmenden. Weitere Beteiligungsangebote sind fest eingeplant.

Wie wird über den Fortschritt informiert?
Alle wesentlichen Unterlagen werden öffentlich bereitgestellt. Zusätzlich erfolgen regelmäßige Updates über Infobriefe, die Website und den digitalen Newsletter.

Wie kann man sich einbringen?
Auch in den kommenden Projektphasen wird es Möglichkeiten geben, sich einzubringen – etwa bei Veranstaltungen, Ausstellungen oder Online-Formaten. Alle Termine werden rechtzeitig bekannt gegeben.

Scheinlösung statt echter Grünraum

Eine kritische Reaktion der Initiative Westbahnpark ließ nicht lange auf sich warten. Am 28. Mai kritisiert die Bürger:inneninitiative die aktuellen Pläne der Stadt Wien zum Projekt „Mitte 15“ scharf.
Während ein „Landschaftspark“ angekündigt wird, würden die vorliegenden Planungen eine weitreichende bauliche Nutzung zentraler Flächen zeigen. Aus Sicht der Initiative blieben damit zentrale Fragen offen – und wesentliche Anliegen der Bevölkerung unberücksichtigt.
Die Stadt Wien spricht von einer großen zusammenhängenden Grünfläche. Gleichzeitig zeigen die vorliegenden Planungen, dass das Areal in zentralen Bereichen verbaut werden soll – etwa durch bis zu 60 Meter hohe Gebäude oder angehobene Konstruktionen mit darunterliegenden Nutzungen.
Auch zentrale Angaben – etwa zur tatsächlichen Größe des Grünraums – seien widersprüchlich und bislang nicht nachvollziehbar.
Die vorliegenden Planungen würden etwa deutlich machen: „Ein Park, der auf Beton errichtet wird, kann seine klimatische und ökologische Funktion nur eingeschränkt erfüllen. Die Forderung bleibt daher unverändert: ein durchgehend unverbauter, erdgebundener Landschaftspark entlang der gesamten Bahntrasse“.

Entscheidender Faktor: Die Kaltluftschneise

Im Zentrum der Kritik steht die klimatische Bedeutung des Areals:
Die Bahntrasse fungiere bereits heute als wichtige Kaltluftschneise, die in den Nachtstunden kühlere Luft aus dem Wienerwald in dicht verbaute Stadtteile leite.
Gerade in Zeiten zunehmender Hitzebelastung sei diese Funktion von zentraler Bedeutung für die Lebensqualität – insbesondere für ältere Menschen, Kinder und gesundheitlich belastete Personen, stellt die Initiative klar.
Ein Antrag zur konkreten Vermessung dieser Kaltluftströme im Planungsgebiet sei jedoch in der 12. Sitzung des Wiener Gemeinderats von SPÖ und NEOS abgelehnt worden. Eine belastbare Grundlage für die Bewertung der klimatischen Auswirkungen des Projekts würde damit weiterhin fehlen.
„Wir sprechen hier nicht über ein Detail, sondern über eine der wichtigsten Kaltluftschneise der Stadt“, betont Suzana Stojanović-Joham. Und Gerhard Zatlokal ergänzt: „Gerade in einem der am dichtesten bebauten Bezirke Wiens brauchen die Menschen echten Boden unter den Füßen – und spürbare Abkühlung in der Nacht“.

Bauliche Eingriffe und großflächige Überdeckelungen würden – so die Vertreter:innen der Initiative Westbahnpark – ein ein sensibles lokales Klimasystem eingreifen und könnten die Luftzirkulation beeinträchtigen. Grafik: Stadt Wien


Klimawirkung nicht ausreichend geklärt

Kritisiert wird außerdem, dass die Stadt Wien von einer Verbesserung des Mikroklimas ausgehe, eine belastbare Datengrundlage aber nach wie vor fehle – insbesondere nach der Ablehnung konkreter Messungen im Gemeinderat.
Ein erdgebundener, durchgängiger Grünraum trage nach Stand der Fachplanung dazu bei:
* Hitzeinseln zu reduzieren
* die Versickerung von Regenwasser zu verbessern
* und die nächtliche Abkühlung zu unterstützen
Bauliche Eingriffe und großflächige Überdeckelungen würden hingegen in ein sensibles lokales Klimasystem eingreifen und könnten die Luftzirkulation beeinträchtigen.
„Wer hier ohne belastbare Grundlagen plant, riskiert langfristige Schäden für das Stadtklima, die sich nicht mehr korrigieren lassen“ betont Suzana Stojanović-Joham.
Auch würde die Forderung nach einem unverbauten Landschaftspark von vielen Menschen im Bezirk getragen und mehr als 12.300 Unterstützer:innen hätten die Petition der Initiative Westbahnpark bereits unterzeichnet. Die Initiative sieht darin  ein deutliches Signal für den Wunsch nach einem durchgehenden, erdgebundenen Grünraum.

Forderung: Grüne Länge statt dichter Enge

Die Initiative Westbahnpark sieht im Areal eine der letzten großen innerstädtischen Entwicklungsmöglichkeiten für einen klimawirksamen Grünraum.
Unter dem Leitmotiv „Grüne Länge statt dichter Enge“ fordert die Initiative:
* einen durchgehend unverbauten, erdgebundenen Landschaftspark
* den konsequenten Erhalt und die Stärkung der Kaltluftschneise
* echte Entsiegelung statt zusätzliche Überbauung
* einen frei zugänglichen, sozial gerechten Freiraum für alle
Der ehemalige Bezirksvorsteher Gerhard Zatlokal warnt vor langfristigen Folgen: „Das Westbahnareal ist eine der letzten großen innerstädtischen Freiflächen. Wenn hier nicht konsequent ein unverbauter Park entsteht, verspielen wir eine Jahrhundertchance. Diese Chance kommt nicht wieder.“
Der Kampf der Initiative Westbahnpark geht in die nächste Runde und formuliert neuerlich eine klare Botschaft an die Stadt Wien: „Ein erdgebundener Landschaftspark, der zur Kühlung der Stadt beiträgt, dringend benötigten konsumfreien Raum schafft und die bestehende Biodiversität bewahrt, ist keine Option, sondern eine Notwendigkeit“, betonen Suzana Stojanović-Joham und Gerhard Zatlokal.

Die Initiative WESTBAHNPARK ist ein Zusammenschluss engagierter Bürger:innen aus dem 15. Bezirk und Umgebung, die sich für einen unverbauten, erdgebundenen Landschaftspark einsetzen.

https://westbahnpark.jetzt/

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