Die kommenden beiden Führungen von architectural tours vienna am 6. und 10. März begeben sich auf Entdeckungsreise in das Sonnwendviertel Ost und zum Quartier Neues Landgut hinter dem Wiener Hauptbahnhof.
Der Titel des Stadtspaziergangs „Noch mehr Neues beim Hauptbahnhof: Sonnwendviertel Ost und Neues Landgut“ verrät, wo die fachkundig begleitete Tour hinführt. So etwa geht es zu jenem Areal der letzten noch verfügbaren Entwicklungsgebiete Wiens mit stolzen neun Hektar am Columbusplatz, in fußläufiger Distanz zum Wiener Hauptbahnhof gelegen, und dort zum 2024 fertiggestellten Willi Resetarits Hof. Von Pichler & Traupmann Architekten und DND Landschaftsplanern geplant ist der Gemeindebau mit 165 Wohnungen ein Aushängeschild leistbaren und qualitätsvollen und grünen Wohnens im Bezirk Favoriten.

Alle Gemeindewohnungen verfügen über private Freiflächen wie Loggien, Balkone oder Terrassen. Moderne Grundrisse sorgen für eine gute Anpassbarkeit der Räume an individuelle Wohnbedürfnisse. Mit Niedrigstenergiestandard, Photovoltaik und Fernwärme wird eine nachhaltige Energieversorgung gewährleistet. Der begrünte Innenhof mit Kleinkinderspielplatz ist mit versickerungsfähigen Oberflächen und Baumpflanzungen klimagerecht gestaltet. Ergänzt wird das Raumangebot durch Gemeinschaftsräume mit Küchen oder Werkstätten, ein Outdoor-Spielplatz im 5. Obergeschoß, Kinder- und Jugendspielräume, Fahrradabstellflächen und großzügige Dachterrassen. Unmittelbar neben dem neuen Bildungscampus und der früheren Gösserhalle heute WaterDrop gelegen, bildet der Willi-Resetarits-Hof den Hochpunkt als neue Quartiersmitte.

An den Namensgeber des Baus Willi Resetarits (1948–2022) erinnert auch „Be a Mensch“ von Johanna Kandl, mit dem die Stadt Wien ihre lange Tradition der Kunst am Bau fortsetzt. In ihrer Fassadenmalerei greift ihren Appell an die Menschlichkeit sowie das Spiel mit der Sprache als Ausdruck von Vielfalt und Inklusion auf. Das Wort „Mensch“ steht in 27 verschiedenen Sprachen, die in Wien neben Deutsch besonders häufig gesprochen werden, auf gemalten CDs und Schallplatten an der Fassade sowie an der Decke des Durchgangs zum Hof.

In unmittelbarer Nähe liegt der 2014 als Siegerprojekt aus einem 2-stufigen europaweiten Generalplaner:innenwettbewerb hervorgegangene Bildungscampus von PPAG architects auf einem Areal von rund 13.000 m2. In dem hier neu errichteten Wohn- und Arbeitsviertel wird der Schulcampus zu einem integrativen Bestandteil der von Diversität geprägten Nachbarschaft. In der Wettbewerbsausschreibung wurden zum ersten Mal räumlich-pädagogische Anforderungen berücksichtigt. Es war auch das erste Mal, dass eine Sekundarstufe Teil eines Bildungscampus werden sollte und eine Ausschreibung dahingehend zielorientiert verfasst wurde. Ein „Qualitätenkatalog“, der detailliert und atmosphärisch den Alltag in einer zeitgemäßen Bildungseinrichtung beschrieb, ersetzte das herkömmliche Raum- und Funktionsprogramm. 1.100 Kinder von 0 bis 14 Jahren besuchen die städtische Ganztages- und Ganzjahreseinrichtung in Kindergarten, Grundschule und Sekundarstufe. Geplant wurde die Schule als Lehrmittel sowie als Bewegungs- und Handlungsspielraum zugleich, die freies, entspanntes und freudiges Lernen für alle gewährleisten soll.

Ein weiterer charakteristischer Bau in diesem von großen, neuen Wohnquartieren geprägten Stadtteil, ist der Stadtelefant. Ein Quartiershaus und Architekturcluster, mit Arbeits- und Büroflächen, einem öffentlichen Lokal und Raum für Veranstaltungen. Architektur und Generalplanung verantworteten franz&sue Architekten. Aus dem 2008 von befreundeten Wiener Architekturbüros gegründeten „Fight Club“, der monatlich Kolleg:innen aus der Branche und Interessierte zu Diskussionen über aktuelle Architekturprojekte lud, ging 2015 der Wunsch nach einem gemeinsamen Bürohaus hervor. Um zu arbeiten, firmenübergreifend Wissen auszutauschen und kollegial Zeit miteinander zu verbringen. Der Stadtelefant gilt als Pionierprojekt und einziger Bau des Quartiers, in dem auf allen Regelgeschoßen gearbeitet wird und der als Bürohaus von einer GmbH gewerblicher Nutzer:innen selbst entwickelt, geplant, errichtet und finanziert wurde. In der Konstruktion und räumlichen Struktur ist der Bau unkompliziert und flexibel. Er beeindruckt durch 3,20 Meter hohe Räume und seine Fassade aus präzise zusammengefügten 3,3 x 3,6 m großen Betonfertigteilen. Die Besonderheit: Innen- und Außenseiten sind durch vorgefertigte, sandgestrahlte Sichtbetonoberflächen und bereits dazwischen eingelegter Wärmedämmung charakterisiert.

Und schließlich beeindruckt inmitten des Entwicklungsgebiets „Neues Landgut“ die ehemalige Gösserhalle mit ihrer markanten historischen Backsteinstruktur, die AllesWirdGut-Architekten zum Projekt Waterdrop umgestalteten. Um 1900 von den ÖBB als Werkstättengebäude errichtet, wurde der Baukörper Mitte des letzten Jahrhunderts zum Bierlager der Firma Gösser umfunktioniert und zuletzt als Eventlocation verwendet. Unter einem achtsamen Umgang mit dem Bestand gelang eine Adaptierung des Bauwerks unter Berücksichtigung stadtgestalterischer Auflagen und zukünftigen Nutzungsbedürfnissen. Das bestehende Dach wurde abgetragen und innerhalb der erhaltenen historischen Außenmauern ein dreigeschoßiger Neubau mit Büroräumen und Restaurant errichtet. Es entstand ein überraschender Zwischenraum, den man nach gestalterischen, ökologischen, ökonomischen und pragmatischen Gesichtspunkten entwickelte. Verwendung fanden dabei vorgefertigte modulare Elemente und ein Materialmix aus Holz, Klinker und Metall. „Der Entwurf beschreibt eine Synthese aus respektvollem Erhalt von bereits Gebautem und neu Geplantem am Puls der Zeit: Behutsame Rücksichtnahme und konsequente moderne Typologie fließen in ein maßgeschneidertes Produkt ein, das ein ungebändigt natürliches, heimeliges Dazwischen im Zentrum einer urbanen Gestaltungsaufgabe verwurzelt“, formuliert es AWG-Gründungspartner Herwig Spiegl.
Die Führungen finden am 6. und 10. März 2026 jeweils von 15:00 bis 17:30 statt
Nähere Informationen, Anmeldung und Ticketverkauf
Veranstalter: architectural tours vienna (Felicitas Konecny)






