Der Österreichische Staatspreis Design wird alle zwei Jahre durch das Bundesministerium für Wirtschaft, Energie und Tourismus vergeben. Seit 2001 von designaustria durchgeführt, wird dieser in den drei Kategorien Konsumgüter, Investitionsgüter und Produktgestaltung Interior verliehen. Zusätzlich zu den drei Hauptkategorien wurden heuer zusätzlich die Sonderpreise Spaces & Environment und Design Concepts verliehen. Am 16. April hat man die Sieger 2026 entsprechend geehrt.
Für eine maximale globale Wirkung
Mit SafeTap, einem eigens für Orte prekärer Wasserversorgung entwickelten Wasserhahn, gelang es dem Designbüro Eoos die Kategorie Konsumgüter für sich zu entscheiden.
Martin Bergmann, Gernot Bohmann and Harald Gruendl gründeten 1955 ihr international agierendes Designstudio für Möbeldesign in Wien. Sehr erfolgreich designt Eoos seither im Rahmen langjähriger Partnerschaften Möbel für die wirklich großen Player ebenso wie Produktentwicklungen. Allerdings haben die drei längst nicht mehr nur die eher betuchte Klientele im Blick, sondern widmen sich seit den 2010er Jahren neben dem „Furniture & Product Design“, auch einer viel bemerkenswerteren Aufgabe, dem Social Design. Dort sind sie mit Partnern wie der Bill & Melinda Gates Foundation, Caritas, dem Roten Kreuz oder anderen NGO´s und Stiftungen tätig, um mittels Design soziale Ziele zu erreichen. Ganz im Sinne der demokratisierten Designpraxis des in Wien geborenen Verfechters eines sozialen und ökologisch nachhaltigen Designs Viktor Papanek, dessen 1971 erschienenem Buch „Design for the real world. Anleitungen für eine humane Ökologie und sozialen Wandel“, bis heute für seine Gedanken zur Nachhaltigkeit und sozialen Verantwortung große Bedeutung zukommt. „Design muss zum innovativen, kreativen und interdisziplinären Instrument werden, das den wahren Bedürfnissen der Menschen gerecht wird“, schreibt Papanek. Sein Werk bleibt nicht zuletzt angesichts der aktuellen Problematiken rund um Klimawandel und Umweltschutz von großer Aktualität. Eoos beweisen, dass soziales Engagement im Design durchaus in der Lage ist, reale Veränderungen erfolgreich anzustoßen.

Händewaschen leicht gemacht
„Wir sind ein Industriedesignstudio und ein soziales Unternehmen, das sich für positive Veränderungen einsetzt, indem es transformative Technologien entwickelt – derzeit in den Bereichen Mobilität, Gesundheit, Wasser, autarke Toiletten und Strom. Unser Ziel ist es, die Entwicklung sozialer und nachhaltiger Designprojekte voranzutreiben“, schreiben Eoos auf ihrer Homepage.
Der Staatspreis Design 2026 würdigt nun ganz zu recht Eoos und dessen Produkt SafeTap, einen eigens für Orte prekärer Wasserversorgung entwickelten Wasserhahn. Wie die Jury in ihrem Statement begründet, ist „SafeTap ein herausragendes Beispiel für Social Design im Bereich der Konsumgüter, das mit minimalen Mitteln maximale globale Wirkung entfaltet. Als radikal einfaches Tool adressiert er eine der drängendsten Herausforderungen in wasserarmen Regionen. Besonders der Dosiermechanismus überzeugt: Ein intuitiver Handgriff schont die kostbare Ressource und ermöglicht dennoch gründliche Hygiene. Durch die universelle Kompatibilität verbindet der Entwurf ökologische Konsequenz mit sozialer Verantwortung.«
SafeTap kann problemlos an jeden Eimer oder Kanister angeschlossen. Die mitgelieferte Montagevorrichtung erleichtert es, den selbstdosierenden Wasserspender an einer einfachen runden Öffnung im Behälter anzubringen und zu nutzen. Ein Drücken des Auslösers gibt eine ausreichende Wassermenge zum Händewaschen ab. Der Wasserfluss stopp automatisch und macht somit ein hygienisches und wassersparendes Händewaschen möglich.

Ethik mit globalem Impakt
Für LifeTaq – Tissura, eine Technologie zur Herstellung menschlicher Gewebemodelle ging der Preis in der Kategorie Investitionsgüter an Designer Johannes Geisler, die Projektbeteiligten Patrick Diem, Manfred Taschner sowie an das beauftragende Unternehmen LifeTaq-Analytics GmbH. Die Preiswürdigkeit von Life Taq begründete die Jury wie folgt: „Tissura übersetzt komplexe Biotechnologie in ein exzellentes industrielles Gesamtsystem. Die Jury würdigt die formale Kohärenz, die wissenschaftliche Innovation nicht nur umhüllt, sondern als funktionale Struktur erst anwendbar macht. Ein herausragendes Beispiel für Design, das den Weg für ethische Forschung und globalen Impact ebnet.“

Für eine soziale Teilhabe
An Zukunft ist Gut: Eine Schule wird zur Guten Stube, die Gestaltung eines generationenübergreifenden Raums im Bregenzerwald ging der Sonderpreis Spaces & Environment. Ausgezeichnet wurden damit Simone Angerer, Nina Beck und Anna Hopfner für das Design, die Projektbeteiligten Sarah Greber, Agnes Hollenstein, Katharina Kleiter, Stefanie Weis für die Auftraggeber:in OJB – Offene Jugendarbeit Bregenzerwald und die Hersteller:innen, die Handwerker:innen und das Team der OJB.
Hier hob die Jury vor allem die Low-Budget-Konversion des Projekts hervor, „der mit minimalen Mitteln eine vollständige atmosphärische Metamorphose gelingt. Statt klischeehafter Jugendästhetik setzt die Gestaltung auf eine unaufgeregte Qualität, die Räume öffnet. Herausragend ist der kollaborative Prozess, durch den ein Ort hoher Resonanz entstand, der soziale Teilhabe beispielhaft vorlebt.“

Ordnung ist das halbe Leben
Das Solitärmöbel „Regal Tonda“ von Grüne Erde wurde in der Kategorie Produktgestaltung Interior ausgezeichnet. Die Jury befand, dass „das Regalsystem einer konsequenten Ein-Material-Strategie folgt, welche die ästhetische Ruhe des Objekts betont. Besonders beeindruckend ist die innovative Stecklogik: Dass ein hochstabiles Möbel ohne jegliche Beschläge funktioniert, macht den Aufbau zu einem intuitiven Erlebnis. Das naturbelassene Holz schafft zudem eine multisensorische Qualität, die man riechen und fühlen kann.“
Ausgezeichnete Designkonzepte
Der Sonderpreis „Design Concepts“ hingegen wurde gleich viermal vergeben. Über ihn dürfen sich Franziska Kerber (Design) für Pape – paper electronics, eine Materialinnovation zur Vermeidung von Elektroschrott, freuen. Ebenso wie Katja Posch (Design) für „MALU“. Das energieschonende Kühlsystem für urbane Wohnräume, Dominik Scherrer (Design) für „Closed Loop Footwear“, ein modulares Schuhkonzept für die Kreislaufwirtschaft – alle drei aus der FH-Joanneum. Der vierte Sonderpreis ging an „CropKit“, einen Smarten Mikrotraktor für kleinbäuerliche Landwirtschaft designt von David Soche der Technischen Universität Delft.
Über die Zuerkennung der Preise hatte eine international besetzte Jury entschieden, die in einer ersten Runde online, im zweiten Schritt im Original die eingereichten Projekte bewerten musste. Dieser Jury gehören an: Weiwei He, Industrie Design (www.tangerine.net, CN), Nina Mair, Architektur & Design (www.ninamair.at), der slowenischen Industriedesignerin Mihovec, Industrie Design (www.wilsonicdesign.com), dem Architekten und Produktdesigner Patrick Lüth (www.snohetta.com, AT/NO)sowie dem Interior Designer Dick Spierenburg aus den Niederlanden (www.spierenburgstudio.com).
Mehr zu den Preisträger:innen www.designforumwien.at
Bis 21. Mai sind die prämierten Projekte noch im designforum Wien im Rahmen der Ausstellung „Best of Austrian Design“ zu sehen. Im Anschluss sind diese von 8. Juni bis 27. August 2026 im designforum Vorarlberg in Dornbirn ausgestellt, danach wandert die Ausstellung von 22. September – 23. Oktober 2026 in das Innsbrucker designforum Tirol .

Hrsg. Lars Müller, mit Beiträgen von EOOS, Lars Müller, Thomas Geisler, Viktoria Heinrich, Sarah Dorkenwald
Lars Müller Publishers,Zürich 2025, Taschenbuch, 16,5 × 24 cm, 460 Seiten, 530 Bilder ISBN 978-3-03778-782-3, Deutsch
BUCHTIPP
EOOS: Designing Impact, Wirkung als gestalterisches Ziel
Das Buch blickt zurück auf die Tätigkeit und Entwicklung des Designstudios Eoos der letzten dreißig Jahre, und dokumentiert dessen Entwicklung als international renommiertes Studio, dem es gelang, die Rolle von Design neu zu definieren. Nachdem Eoos zu Beginn der 2010er-Jahre trotz einer erfolgreichen Tätigkeit im Shopdesign im Auftrag berühmter Marken wie Adidas und Armani beendet hatte, begann Eoos, sich hingegen der weltweiten Krise im Bereich sanitärer Missstände zu widmen und entwickelte etwa für Laufen mit save! ist die erste Urin-Trenn-Toilette. Eoos arbeitet zwar weiterhin international erfolgreich im Bereich Möbeldesign, sein zweiter zentraler Arbeitsbereich gilt jedoch den gesellschaftlichen Auswirkungen des Social Design,. Wenn auch beide Arbeitsbereiche auf den ersten Blick als gegensätzlich anmuten, zeigen sie dennoch bei näherer Betrachtung eine gemeinsame Haltung, in der Verfolgung eines gleichwertigen Qualitätsanspruchs, der anhand zahlreicher Beispiele nachgezeichnet wird. Viktor Papanek, kritisierte bereits vor fünfzig Jahren, dass Designschaffende im globalen Norden wenigstens zehn Prozent ihrer Tätigkeit für die wirklichen Probleme aller Menschen aufwenden sollten. Die Geschichte von EOOS zeigt exemplarisch, dass dies erfolgreich gelingen kann.
EOOS: Designing Impact, Wirkung als gestalterisches Ziel
Hrsg. Lars Müller, mit Beiträgen von EOOS, Lars Müller, Thomas Geisler, Viktoria Heinrich, Sarah Dorkenwald
Lars Müller Publishers,Zürich 2025, Taschenbuch, 16,5 × 24 cm, 460 Seiten, 530 Bilder ISBN 978-3-03778-782-3, Deutsch






