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Design ist mitten unter uns

Redaktionvon Redaktion
26.09.2025

Die Vienna Design Week ist unter dem Titel „From doubt to form“ mit rund 200 Veranstaltungen an mehr als fünfzig Veranstaltungsorten von 26. September bis 5.Oktober zurück.

Die örtliche und zeitliche Bündelung diverser Angebote sind, nicht nur in der Wiener Innenstadt, sondern auch im Westen Wiens und in der Festivalzentrale, eine sehr sinnvolle und erfreulich nützliche Neuerung für alle Besucher. Auch die Wahl der diesjährigen Festivalzentrale ist vor allem für Architekturinteressierte eine interessante Entscheidung: Es ist die bald einem Neubau weichende einstige KFZ-Reparaturhalle, die – wie Friedrich Achleitner in seinem Bd.III/1 von Österreichische Architektur anmerkt – „30m frei gespannt und als Stahlbeton-Bogen-Shedhalle ausgebildet ist (…) und etwas vom zukunftsorientierten Zeitgeist der späten Fünfzigerjahre vermittelt.“ Dem Architektenteam Löschner & Helmer ist eine luftige Struktur gelungen, die für eine gute Arbeitsatmosphäre besonders viel Tageslicht in den Innenraum brachte.

Neben durchaus bemerkenswerten jungen Designkollektiven sind als besondere Highlights im Rahmen des bekannten Programmpunkts der „Passionswege“, der alljährlich die Zusammenarbeit von lokalen Handwerksbetrieben mit internationalen Designschaffenden ermöglicht, zwei interessante Installationen zu sehen.

Mehrwert für die Gesellschaft

Die diesjährigen Talks finden vor mehrheitlich in den Meeting Suites von bene statt und holen auch renommierte internationale Designer:innen nach Wien. Der Talk „Context, Context, Context“ am 29.September etwa mit dem Londoner Architekturgestalter Sam Jacob möchte hervorheben wie Design und Architektur die Geschichte formal begleiten und am 2. Oktober wird über die kürzlich abgeschlossene Neugestaltung des nationalsozialistisch belasteten Saals des Stadtkino im Künstlerhaus diskutiert.

Der Talk „Context, Context, Context“ etwa am 29. September mit dem Londoner Architekturgestalter Sam Jacob möchte hervorheben wie Design und Architektur die Geschichte formal begleiten und am 2. Oktober wird über die kürzlich abgeschlossene Neugestaltung des nationalsozialistisch belasteten Saals des Stadtkino im Künstlerhaus diskutiert.

Mit dem Thema, was Design für die Gesellschaft und unser Zusammenleben leisten kann befassen sich gleich mehrere Programmpunkte: So etwa das Food-Design-Duo honey & bunny mit einer öffentlichen Debatte am 3. Oktober oder World Design Capital Frankfurt Rhein Main 2026 mit einem Ausblick auf ihr reiches Programm, die sich als Gast bei der Vienna Design Week vorstellt und einen ersten Einblick in das reiche gestalterische Schaffen der Metropolregion erlaubt. Formatübergreifend sind daher diesmal Designer:innen aus dem Umfeld der World Design Capital 2026 im Rahmen der Passionswege (Kai Linke) oder Stadtarbeit (studio pari–pari) eingeladen.

„Urban Food & Design – Wiener Farben“ ist ein gemeinsames Format der Wirtschaftsagentur Wien und der Vienna Design Week, das sich mit der Entwicklung von Wiener Farben und Pigmenten befasst, basierend auf dem bioregionalen Designansatz der Biofabrique Vienna. Hierin werden bislang ungenutzte Ressourcen – Lebensmittelabfälle oder invasive Pflanzen – kreativ und nachhaltig eingesetzt. In der festivalzentrale stellt sich der einzigartige Forschungsverbund aus Gestalter:innen, Wissenschaft und Industrie vor. Passend dazu lädt ein Symposium am 26. September 2025 lädt zum Austausch über Farbe, Design, Innovation und Kreislaufwirtschaft ein.

FOKUS- Ageing, Jakob A. Brix Foto: Jakob A. Brix/ Vienna Design Week

Altern im Kreislauf

Das Thema Kreislaufwirtschaft steht auch bei Re:Form, das in einer Zusammenarbeit von Vienna Design Week und OekoBusiness Wien, dem Umwelt-Service-Programm der Stadt Wien, 2023 entstand, mit einer Kooperation von Designstudios und Unternehmen im Mittelpunkt. Drei Leuchtturmprojekte zeigen, wie nachhaltige Gestaltung, strategisches Denken und der Hebel wirtschaftlicher Umsetzung, zukunftsfitte Produkte generieren können. In der Festivalzentrale sind dazu einige nach ökologischen Designprinzipien gestaltete Objekte ausgestellt.

Auch Fragen zum Thema des Alterns werden diesmal angesprochen. Werden massenproduzierte Designobjekte oft eben genau wegen ihrer glatten, makellosen Oberflächen geschätzt, so inspirieren sich Designer:innen im Gegensatz dazu auch an der nicht aufzuhaltenden Zeit und lassen sich vom Phänomen des Alterns . Sie nutzen das Altern als kreative Triebkraft und nehmen die unaufhaltsamen Veränderungen in Natur und Umwelt zum Anlass, diese auch in ihre Arbeiten zu integrieren. Verfall, Rost, Abnutzung oder andere Zeichen der Zeit werden zu Ressourcen für neue Produktentwicklungen.
Zwei Festivalformate wie die kuratierte Gruppenausstellungen „Fokus“ und „Design Everyday“ präsentieren Objekte, anhand zweier gestalterischer Qualitäten entstanden. Mit Positionen aufstrebender internationaler Gestalter:innen konzentriert sich „Fokus“ Blick auf den Bereich des Collectible Designs, und damit auf konzeptuelle und experimentelle Entwürfe, Einzelstücke und limitierte Auflagen. Die estnische Gastkuratorin Sandra Nuut wählte ungewöhnliche Designobjekte, die sich auf poetisch-einfühlsame Weise mit dem Altern befassen.

Design Everyday, Frank Rettenbacher, Stuhl “Thonet S 243« Foto: Frank Rettenbacher/Vienna Design Week
Design Everyday, Lisa Stolz, Hocker “Vivi” Foto Niko Havranek/Vienna Design Week

Architektur und Design

Die Installation „Confession Karaoke“ wurde von Studierenden an der Universität für angewandte Kunst Wien für das von Chieh-shu Tzou und Gregorio Lubroth geleitete Seminar Inner Spaces entwickelt. In diesem Lehrgang beschäftigte man sich mit Innenräumen als von gelebten Erfahrungen geprägten Orten. Dabei geht es darum, wie bestimmte Atmosphären verstanden und erzeugt sowie kollektive Unternehmungen ermöglicht werden. Der Barraum von If Dogs run free wird hierbei in einen besonderen öffentlichen Ort verwandelt, an dem Besucher:innen Gedanken und Gefühle teilen – anonym, als Teil eines kollektiven Archivs. Das Wiener Büro Tzou Lubroth Architekten sieht Architektur als sozialen Akt und damit als Teil eines Prozesses, durch den Wünsche verwirklicht werden und Umgebungen sich verändern. Jedes Projekt wird von den Eigenschaften der einzelnen Orte und den Menschen, die sie bewohnen, beeinflusst. Am Ausgangspunkt ihrer Arbeit, sehen Tzou Lubroth Architekten den Entwurfsprozess als sehr wertvolles Element, der sensibel mit dem Kontext und den jeweiligen Wünschen umgehen muss. Das Interesse der beiden Architekten gilt den Menschen und ihren Gemeinschaften: Das Verstehen und Hinterfragen von Arbeits-, Spiel-, Ruhe-, Konsum- und Zusammenlebensweisen steht im Mittelpunkt ihrer Prozesse. „Wir sind von der Idee überzeugt, dass Design inspirieren, unser Leben bereichern und die Art und Weise beeinflussen kann, wie wir mit der Welt um uns herum interagieren“, betonen die beiden. Die Ausstellung ist von 26. bis 27.9.2025 und von 30.9. bis 4.10.2025, jeweils von 10–23 Uhr zugänglich.

Es geht also auch 2025 längst nicht mehr ausschließlich um die Gestaltung von Produkten. Ausstellungen, Interventionen, Workshops, Talks, Touren und vielem anderen geben vielmehr einen Einblick in die facettenreichen und eng miteinander verwobenen Bereiche wie Social Design, Handwerk, Kreislaufwirtschaft, Kunst und Architektur, die bereits in die kreative Arbeit von Designer:innen eingeflossen ist.

Für alle Programmpunkte: www.viennadesignweek.at

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