Ob man nun die Objekte der italienischen Keramikkünstlerin Paola Paronetto als rein kontemplative Skulpturen, als dekorativen Gegenstand oder funktionelles Design für eine alltägliche Nutzung betrachtet, die Künstlerin selbst sieht ihre raffinierten Stücke jedenfalls als Quelle der Leichtigkeit und Ruhe.
„Ich mache mir keine Gedanken darüber, welche Funktion ein Objekt haben soll. Für mich liegt das größte Vergnügen darin, es zu betrachten und sich davon begeistern und inspirieren zu lassen“, sagt Paronetto über ihre Arbeit. „Auf diese Weise ist das Objekt viel mehr als nur ein Gebrauchsgegenstand, es wird zu etwas Therapeutischem“.
Ihre außergewöhnlichen Gefäße, die schon auch ziemlich groß werden können, sind für all jene gedacht, die Lust haben, diese nicht nur als Skulpturen zu betrachten, sondern sie auch zu benützen. Durch die Sorgfalt und Leidenschaft, mit der Paronetto ihre Unikate gestaltet – denn jedes ihrer handgefertigten Stücke unterscheidet sich vom nächsten – empfindet sie ihre Werkstücke als lebendig, und hofft, mit ihnen eine gewisse Art von Leichtigkeit des Seins zu vermitteln. „Uns mit schönen Dingen zu umgeben, die Gelassenheit vermitteln, ist das, was wir alle brauchen, vor allem jetzt, in dieser schrecklichen Zeit, die wir gerade durchleben“.
Fehler feuern meine Fantasie an
Keramikkunst verbindet seit jeher den Menschen mit der Erde, denn Ton wird mit den Händen geformt und härtet mit der Kraft des Feuers. „Reine Magie“, zeigt sich Paronetto fasziniert. „Die Erfahrung, eine Vase auf der Töpferscheibe zu formen, ist unbeschreiblich. Die unmittelbare Wirkung der Hände auf den Ton zu erfahren, die mithilfe des Wassers Objekte formen, hat mich in die Keramik verlieben lassen. Ton lässt sich auf unzählige Arten bearbeiten und bietet unendliche Ausdrucksmöglichkeiten.“
Ihre Arbeit und ihr kreativer Ansatz bewegen sich zwischen Kunst, Handwerk und Design. Das Verschmelzen unterschiedlicher Gattungen macht diese einzigartig und unendlich veränderbar. Paronettos unstillbare Neugier, die sie seit der Zeit ihrer Ausbildung begleitet, charakterisiert ihr Werk und beseelt sie in ihrer Tätigkeit. „Ich hatte viele Lehrer, die in mir unterschiedliche Neugierde geweckt haben. Später habe ich dann mit den erlernten Techniken in meinem Atelier selbst experimentiert und jedes Mal versucht, etwas Eigenes, Persönliches und Intimes auszudrücken.“, so die Künstlerin. Aber ihr ist nicht nur die dreidimensionale und skulpturale Gestalt wichtig, sondern auch das malerische Moment, das aus der Beziehung mit dem umgebenden Raum hervorgeht.


Neue Wege beschreiten
Paronetto verwendet Paper Clay, eine Technik, die etwa ihre Cartocci-Kollektioncharakterisiert. Solide und leicht ist jede Vase, jede Schale ein Einzelstück, es sind Skulpturen mit ganz besonderem, individuellem Charakter, dem eine aufwendige handwerkliche Verarbeitung zugrunde liegt. Paperclay, eine Massemischung von Ton und Zellulosefasern, erlaubt es Paronetto konstruktive Risiken zu überwinden und Objekte zu schaffen, die mit klassischer Keramik nur schwer zu realisieren sind. Das Material, gibt ihr extreme Ausdrucksfreiheit, die es ihr erlaubt, die Erforschung einer Welt der Unvollkommenheit und die unendlichen Möglichkeiten ihrer Kreativität immer weiter auszureizen. „Ich wollte mit den Konventionen brechen, ich hatte die perfekte, präzise und statische traditionelle Keramik satt. Ich wollte etwas mit Keramik schaffen, das nicht mehr wie Keramik aussieht, sondern wie etwas anderes, wie Papier, Metall, etwas, das Bewegung, Natur und Leichtigkeit repräsentiert. Fehler feuern meine Fantasie an. Ich nutze sie, um meinen Horizont zu erweitern, neue Wege zu beschreiten. Jeder Tag ist anders und ich arbeite anders. Das macht jedes meiner Stücke einzigartig.“
Entsprechend haben die Größen und Formen jeweils kleine Abweichungen. Und es ist genau dieser kleine, feine Unterschied, der aus jedem Werk etwas Besonderes macht und dessen Exklusivität garantiert. Ihre Inspiration holt sich Paola Paronetto aus der Natur, „sie ist für mich eine große Quelle des Staunens und der Schönheit, und ich bringe sie in meinen Alltag ein. Texturen zu erschaffen, ist für mich keine abstrakte konzeptuelle Übung, sondern meine bescheidene Hommage an die Perfektion, die sich in der Rinde von Bäumen, in den Maserungen von Holz, in der fadenförmigen Struktur von Blättern, in den Wellen des Wassers wiederfindet“.
Paola Paronetto wurde 1965 in Pordenone geboren. Ihre Keramikausbildung begann sie in Gubbio, wo sie die wichtigsten Techniken der Arbeit mit Ton erlernte, es folgten zahlreiche Fachkurse. Kontinuierlich perfektioniert sie ihre experimentelle Arbeit und arbeitet derzeit vorzugsweise mit der Technik des Papiertons. Sie ist Lehrbeauftragte an der Internationalen Keramikschule La Meridiana di Pietro Elia Maddalena in Certaldo, Toskana und ist in zahlreichen Ausstellungen präsent, wie etwa „W. Women in Italy Design“, Triennale Design Museum Mailand (2017), Design.Ve in Venedig (2016), Einzelausstellung im Contemporary Ceramics Centre, London (2017) und sie ist Botschafterin für den Champagner La Grande Dame 2015 von Veuve Clicquot. www.paolaparonetto.com
Erhältlich sind die Arbeiten von Paola Paronetto bei bon ton in Wien, dem Salon für moderne Keramik. www.bonton-keramik.com






