„ORT“ ist die zweite Interventionsausstellung der Heidi Horten Collection.Ouriel Morgenszterns Fotografien laden noch bis 12. April 2026 ein, die Räumlichkeiten des Museums aus einem anderen Blickwinkel zu entdecken.
Auf Morgenszterns Architekturfotografien fehlt der Mensch. Er ist auf keiner seiner Aufnahmen zu sehen – dennoch ist er nicht abwesend. Wie in seinen Serien zum jüdischen Friedhof und jüdischen Orten im Stadtbild Badens etwa wird auch in ORT eine menschliche Präsenz durch Abwesenheit spürbar. Denn die Räume, die Morgensztern in manchmal doch eher ungewöhnlichen Bildausschnitten zeigt, wirken trotz striktem Schwarzweiß und fast metallischer Härte, nicht kalt oder abweisend, sie öffnen sich für ein stilles Erinnern, als hätten die Besucher:innen eben erst den Raum verlassen. Es entsteht eine Atmosphäre zwischen Gegenwart und Vergänglichkeit, zwischen Architektur und Imagination und es erschließt sich ein ebenso präziser wie poetischer Blick auf das Museum.

Aber das fotografische Werk Ouriel Morgenszterns teilt sich in zwei klar voneinander getrennte Themenfelder: sind es einerseits Aufnahmen – etwa aus der jüdischen Gemeinde in Wien –, in denen der Mensch im Mittelpunkt steht, so konzentrieren sich seine Architekturbilder auf die präzise architektonische Form, in der kein Platz für jegliche Spur menschlicher Präsenz zu sein scheint. In der Ausstellung ORT steht die Architektur im Fokus. Morgensztern bildet nicht einfach dokumentarisch den Bestand ab, in seinen Aufnahmen transformiert er das Gebaute, anhand grafischer Elemente wie Linien, Schatten, Oberflächen und Licht und schafft so seiner eigene Bildsprache. Vertraute Raumdetails wie Fenster, Treppen oder Lichteintrag verlieren ihre Funktionalität zugunsten einer neuen autonomen ästhetischen Qualität. Morgensztern verfremdet durch extreme Bildausschnitte, dramatische Hell-Dunkel- Kontraste und das bewusste Spiel mit Orientierungslosigkeit.

Geboren 1976 in Paris, im südfranzösischen Gaillac aufgewachsen, ist Morgensztern ein Reisender zwischen den Welten – geografisch, kulturell und künstlerisch. Nach New York und Tel Aviv lebt der Künstler mittlerweile seit über zwanzig Jahren in Wien. Sein künstlerischer Blick ist weltoffen, und dabei stets feinfühlig für das Verborgene. „Seine Kamera ist kein bloßes Instrument zur Dokumentation, sondern ein Mittel der Empfindung – ein Werkzeug des Erinnerns“, wie der amerikanische Fotograf Aaron Siskind (1903-1991) es beschrieb.
Die Entscheidung, Ouriel Morgensztern für die Interventionsausstellung auszuwählen, war ein bewusstes kuratorisches Statement. Mit den Fotos eröffnen sich neue Perspektiven eröffnen sich auf die Architektur von the next ENTERprise, der Baukörper selbst wird zum Kunstobjekt. Ein besonderer Aspekt dieser Ausstellung liegt in ihrem doppelten Blick: Sie richtet sich nach innen – auf das Museum selbst – und gleichzeitig auch auf Grundfragen der Wahrnehmung, der Erinnerung und der Abstraktion. ORT überschreitet als fotografische Intervention, das Sichtbare und macht das Unsichtbare erfahrbar. Ein eindrucksvolles Plädoyer für die Kraft der leisen, eindringlichen Bildsprache.
Bis 12. April 2026
www.hortencollection.com






