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Kim Simonssons "Moss People" im Schlossmuseum Linz. Foto: fv

Kim Simonssons "Moss People" im Schlossmuseum Linz. Foto: fv

in ausstellung

Die phantastische Welt des Kim Simonsson

Franco Veremondivon Franco Veremondi
2.01.2025

In Linz, das mit dem Ars Electronica Festival die Zukunfts-Technologie zur Kunstform erhoben und dieser ein Festival mit internationaler Resonanz gewidmet hat, ist eine Ausstellung zu sehen, die auf nordische Traditionen zurückgreift und diese in eine hyperreale, zukünftige Raumzeit projiziert. Die Moosmenschen des Skandinaviers Kim Simonsson zwischen Mythos und Voraussagung.

In der Vorstellung der Bewohner:innen Nordeuropas existiert ein antikes märchenhaftes Volk, das nächtens sein bewaldetes Reich durchstreift. Eine Gemeinschaft von Kobolden und Gnomen, bekannt als Moss People, „Moos Menschen“, Protagonisten unzähliger Legenden, die sich im Unterholz ihrer Wälder zutragen. Eine neue Generation dieser kleinen, kindlichen Wesen, durchstreift derzeit einen in Halbdunkel getauchten Ausstellungsraum, der sich als karge unwirtliche Waldlichtung zeigt. Es sind die Nachkommen eines antiken „narrativen“ Geistes, die der Phantasie des finnischen Künstlers Kim Simonsson (Helsinki, 1974) entspringen, der seine Objekte hauptsächlich aus Keramik fertigt. Dies ist auch das Material seiner lebensgroßen bis ins kleinste Detail präzise geformten „Kinder“-Skulpturen. Ihre Körper sind von Kopf bis Fuß mit Moos überwuchert, selbst ihre Kleidung und jene Gegenstände, die sie mit sich führen, sind zur Gänze mit diesem samtig grünen Bewuchs bedeckt. Um einen möglichst realistischen Eindruck zu erwecken, hat Simonsson seine Tonskulpturen mit einer Beflockung aus Nylonfasern überzogen, die in ihrer Farbe und haptischen Wirkung natürlichem Moos verblüffend nahe kommt.

Die nordischen Moss People, „Moos Menschen“, sind Protagonisten unzähliger Legenden, die sich im Unterholz ihrer Wälder zutragen. Fotos: fv
Eine neue Generation dieser kleinen, kindlichen Wesen, durchstreift derzeit einen in Halbdunkel getauchten Ausstellungsraum, der sich als karge unwirtliche Waldlichtung zeigt.

Zukunft zwischen Mythos und Voraussagung

Ort der Installation ist ein Raum im Schlossmuseum Linz, in jener Stadt an der Donau, die seit einem halben Jahrhundert jährlich das Ars Electronica Festival veranstaltet, unter dem Schwerpunkt der neuen Technologien, vielfältigen Zukunftsszenarien und hybriden Experimenten. Das eindrucksvolle Event, könnte die so gänzlich andersartige Ausstellung der Moss People, leicht ausstechen, da diese vor allem an eine mysteriöse Vergangenheit von Legenden und populärem Aberglauben erinnert. Hingegen öffnen sich die beiden unterschiedlichen Herangehensweisen gleichermaßen einem narrativen Spiel gegenseitiger Bezugnahmen. Kein Zweifel, das Ars Electronic Festival ist zugleich Labor und Schaufenster technologischer Forschung im weitesten Sinne, zwischen Kybernetik und kosmologischen Visionen, zwischen Multiversum und Teilchenphysik, Neurowissenschaften, neuronalen Netzen und künstlicher Intelligenz. Vor allem durch die Zusammenarbeit mit großen globalen wissenschaftlichen Institutionen hat sich das Festival aber zunehmend auf die Auseinandersetzung mit aufkommenden Fragen in den Bereichen Ökologie und Anthropologie konzentriert und sich als Wissenskatalysator bei der Bewältigung jener Entwicklung positioniert, die die Menschheit in die Katastrophe zieht.

Besonders fasziniert scheinen die „Moss“-Kinder von der rätselhaften Präsenz eines riesigen Mädchens und ihres Hundes, die beide ruhig auf dem Boden liegen und schlafen. Sie sind auf geheimnisvolle Weise in diesen unwirtlichen Lebensraum eingedrungen, scheinbar ohne diesen jedoch zu stören. Foto: fv

Wissenschaftlern zufolge befinden wir uns in der beunruhigenden geologischen Ära des „Anthropozän“, in jener Zeit, in der unser Planet unter dem Einfluss einer unheilbringenden Manipulation des Ökosystems durch den Menschen steht.

Eben in dieser Fähigkeit, das Aussterben allen Lebens sowie der Umwelt vorherzusehen, liegt die latente Verbindung zwischen dem “Ars Electronica Festival” und dem leichtfüßigen Ausstellung einer “urzeitlichen” Welt der kleinen Moss People begründet, denn Simonsson hat die grünen Kinder mit einem gewissen poetischen Anstrich in eine postakatastrophische, desorientierende Zukunft versetzt. Eine Zukunft, in der die „Natur“ die Welt langsam zurückerobert, während die kleinen umherstreifenden Bewohner:innen Gegenstände einer längst verschwundenen Zivilisation – der unseren! – sammeln

In diesem „Neu-Anfang“ eröffnen sich dem Betrachter gleichzeitig Zeichen diverser Ereignisse: Spuren, die auf den unbewussten Wunsch verweisen, einer sich verändernden Realität Sinn zu verleihen. Besonders fasziniert scheinen die „Moss“-Kinder von der rätselhaften Präsenz eines riesigen Mädchens und ihres Hundes, die beide ruhig auf dem Boden liegen und schlafen. Sie sind auf geheimnisvolle Weise in diesen unwirtlichen Lebensraum eingedrungen, scheinbar ohne diesen jedoch zu stören.

Kim Simonsson lebt und arbeitet in seinem Heimatland Finnland, doch seine technisch-künstlerische Begabung für die Konzeption und die Bearbeitung kleinster Details hat ihn zu ausgedehnten Reisen veranlasst; in Österreich war er etwa zu Gast an der Academy of Ceramics Gmunden, wo kurz vor der Ausstellung im Linzer Schlossmuseum seine unschuldige Welt der Moss-People im Rahmen der Kunstveranstaltungen der Europäischen Kulturhauptstadt 2024 Bad-Ischl Salzkammergut zu sehen war.

bis 21. April 2025
Kim Simonsson – Moss People

Schlossmuseum Linz

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