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in sehenswert

Donaufeld bodenlos

Redaktionvon Redaktion
6.11.2025

Der Filmessay „Donaufeld bodenlos“ greift ein aktuell heiß umkämpftes Thema auf, die Bebauung und Versiegelung des Donaufelds. Zu sehen online in der Reihe Akku ab 5. November 2025 auf Okto TV.

Die von der Architektin und Filmemacherin Andrea Seidling ins Leben gerufene Sendereihe Akku begibt sich auf Entdeckungsreise in die Welt der aktuellen Architektur sowie des neuen Urbanismus. Berichtet wird über Kontroversen und Kompromisse, über das Offene und das Verschlossene, über Verbote und Aneignungen, Merkwürdigkeiten oder Alltägliches. Und hier finden Kunstschaffende eine Plattform, um ihre Sicht auf die Stadt vorzustellen.

Argumente wie Boden-oder Klimaschutz, Artenvielfalt und Ernährungssouveränität sollten ausreichen, um nur mehr auf bereits versiegelten Flächen zu bauen. Foto: Screenshot

Die Donau brachte nicht nur Wasser nach Wien, …

In Seidlings jüngstem Film Donaufeld bodenlos geht es um die geplante und bereits gestartete Verbauung des Donaufelds und damit um den Verlust einer der wertvollsten und fruchtbarsten Bodenflächen, auf denen einst nicht nur ein großer Teil der Gemüseversorgung Wiens gewährleistet werden konnte, sondern auch eine reiche Artenvielfalt existiert und durch die ein wichtiger kühlender Effekt durch den noch unverbauten Donaufeld-Westteil sicher gestellt wird.

Der Filmessay streift durch das Wiener Stadterweiterungsgebiet Donaufeld, durch jene fruchtbaren Schwemmland-Ackerböden, auf denen lange Zeit Gemüse und Getreide gewachsen ist, und auf denen zukünftig 6.000 Wohnungen entstehen sollen. Im östlichen Teil sind längst die Bagger und Kräne am Werk, während der westliche Teil aktuell noch unter Bausperre steht. Aber wer weiß, wie lange noch? Denn Stadtplanung und Immobilienentwickler betrachten die heute noch „grüne Wiese“ mit ihrem kostbaren Ökosystem längst als bebaubare und lukrative „tabula rasa“-Fläche – ungeachtet dessen, dass es rund hundert Jahre gedauert hat, bis aus einem Zentimeter Rohboden ein Zentimeter fruchtbare Erde entstanden ist.

Die Kamera bleibt stets verhalten, späht vorsichtig zwischen Weizenähren und Gräsern hervor und lenkt dennoch den Blick auf das Wesentliche. Foto: Screenshot

… sondern auch Land.

Argumente wie Boden-oder Klimaschutz, Artenvielfalt und Ernährungssouveränität sollten – so könnte man meinen – ausreichen, um das Bauen nur mehr auf bereits versiegelten Flächen stattfinden zu lassen. Dennoch schreiten die Bauarbeiten weiter rapide voran und es ist zu fürchten, dass auch die letzten Hürden für eine Gesamtversiegelung irgendwann zu fallen drohen. Auch Alibiprojekte, wie die Errichtung des Bank Austria Kunst und Naturpark, der mit großzügiger Unterstützung der Bank Austria auf 28.000 Quadratmetern jüngst der Öffentlichkeit übergeben wurde, werden daran wohl leider nichts ändern. „Staunen“ – wie von Stadt Wien und Sponsor versprochen wird – kann man in dieser sehr städtischen und – wie betont wird – frei zugänglichen Parkanlage über von André Heller kuratierte Kunstobjekte, aber ebenso über die allzu große Nähe zu bereits bestehenden Wohnbauten sowie über die Platzwahl im Allgemeinen. „Für einen erholsamen Spaziergang direkt am Wasser oder einen Sprung ins kühle Nass“, wie es seitens der Errichter heißt, hätte es diese begleitende Inszenierung nicht gebraucht. Es ist zwar durchaus lobenswert, dass die Stadt Wien – entgegen anderer Bundesländer – die Ufer entlang der Wiener Gewässer öffnet, ausbaut und aufwertet – über das Versiegelungsdrama, das unmittelbar daneben seinen Lauf nimmt, täuscht das allerdings nicht hinweg.

Im östlichen Teil des Donaufelds sind längst Bagger und Kräne am Werk, während der westliche Teil aktuell noch unter Bausperre steht. Foto: Screenshot


Wien wächst

Der Film Donaufeld bodenlos befasst sich auf leise und ruhige Art mit dem Thema. Die Kamera bleibt stets verhalten, und späht ganz vorsichtig zwischen Weizenähren und Gräsern hervor, um sich gleich wieder dahinter zu verstecken. Dabei wird dennoch sehr einprägsam der Blick auf das Wesentliche gelenkt, um bewusst zu machen, wie verletzlich diese vorerst noch zu einem Teil intakten Grünflächen in Wirklichkeit sind. Wie die mit Bedacht gesetzte Sprecherstimme anmerkt: „Wien wächst. Das Wachstum der Stadt sei im Interesse aller. Es wird zum einen als Sachzwang dargestellt. Wien kann gar nicht anders. Alternativen sind also von vornherein undenkbar. Zum anderen wird das Wachstum als Zeichen für die erfolgreiche Entwicklung einer unternehmerischen Stadt gesehen“.

Längst sollte bei den Entscheidungsträgern der Stadt angekommen sein, dass es in Zeiten von Erderhitzung und Artensterben dringend notwendig ist, kein fruchtbares Ackerland mehr zu versiegeln. Aber es scheint als rede man sich und den Bewohner:innen das Tun einfach irgendwie schön. Und so wird die Verbauung des Donaufelds unter dem Argument Klimaschutz sogar für gut und richtig erklärt: „Wenn wir hier nicht dichten Wohnbau machen, entstehen am Rand von Wien Einfamilienhaus-Siedlungen, die in Sachen Energie und Ressourcen und Bodenverbrauch noch klimaschädlicher sind“, heißt es, „doch: Etwas Falsches mit etwas anderem Falschen zu vergleichen, macht das weniger Falsche noch nicht zum Richtigen. Und: Es besteht keinerlei Notwendigkeit, dieses weniger Falsche zu machen. (…) Es gibt in Wien, ja allein im Bezirk Donaustadt, genug Möglichkeiten, Wohnraum auf schon versiegelten Flächen zu schaffen“ unterstreicht der Sprecher, und an einer anderen Stelle im Film: „Nur die Architekten und Architektinnen sind bereits weiter: Sie wissen, dass heute das Sanieren und das Umbauen und das Überbauen die Felder sind, auf denen sie sich profilieren“. Dieses Engagement widerspiegeln auch zahlreiche zum Teil sogar mehrmals ausgezeichnete Bauprojekte, die sich auf alternative ressourcenschonende Bauweisen berufen oder versuchen, Bestand mit neuen Nutzungskonzepten wiederzubeleben. Um ihre zukunftsweisenden Ideen aber auch in großem Umfang umzusetzen braucht es wohl noch mehr Überzeugungskraft für ein Umdenken aller Bauherr:innen. Höchste Zeit, sich endlich einzugestehen, dass die Ressource Boden endlich ist.

Hier geht es zum Film auf Okto TV

Kamera: Andrea Seidling
Idee und Text: Peter A. Krobath
Sound: Brigitte Bauer
Schnitt: Milena Krobath

Über OKTO
Okto, der Wiener Communityfernsehsender hat sich dem partizipativen Gedanken des Bürgerfernsehens verschrieben und versteht sich als mediale Plattform für eine pluralistische Gesellschaft. Als erster freier, nichtkommerzieller Fernsehkanal Österreichs startete Okto am 28. November 2005 mit seinem Programm – im Rahmen der sogenannten Rot-Grünen Projekte der Stadt Wien. Seit Herbst 2005 bietet das nichtkommerzielle Communitymedium Okto als Mitmachsender eine mediale Plattform für eine pluralistische Gesellschaft und somit allen Interessierten die Möglichkeit, ihre Themen und Anliegen selbstbestimmt ins Fernsehen zu bringen.
Im April 2022 wurde der Sender durch das Finanzressort der Stadt Wien unter der Leitung von Peter Hanke über das Ende der städtischen Förderung informiert. Der Grund: man wolle statt des Communityfernsehsenders künftig Projekte abseits des linearen Weges unterstützen. Durch umfassende Restrukturierungsmaßnahmen ist der Weiterbestand von Okto zwar in deutlich reduzierter Form aber dennoch gesichert.
Bei der Konzepterstellung unterstützen Okto-Mitarbeiter:innen ebenso wie beim technischen Support. Auch die nötige Infrastruktur – wie Kameras, Schnittplätze, TV-Studios) sowie Porgrammplätze stehen kostenlos zur Verfügung. Die Finanzierung erfolgt aus den Mitteln des „Fonds zur Förderung des Nichtkommerziellen Rundfunks“ der Rundfunk- und Telekom regulierungs-GmbH (RTR-GmbH).
http://www.okto.tv

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