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In der Publikation der World Design Capital 2026 unter dem Motto „Design for Democracy“ widmen sich die Autor:innen deren zehn Handlungsfeldern: Arbeiten, Bauen & Wohnen, Bildung, Gesundheit, Industrie, Konsum, Kultur & Medien, Mobilität, Öffentlicher Raum, Sport. Foto: Ben Kuhlmann

In der Publikation der World Design Capital 2026 unter dem Motto „Design for Democracy“ widmen sich die Autor:innen deren zehn Handlungsfeldern: Arbeiten, Bauen & Wohnen, Bildung, Gesundheit, Industrie, Konsum, Kultur & Medien, Mobilität, Öffentlicher Raum, Sport. Foto: Ben Kuhlmann

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Einladung zum Nachdenken und Handeln

Christine Müllervon Christine Müller
22.04.2026

Design for Democracy – Atmospheres for a better life – unter diesem Thema präsentiert sich die Region Frankfurt RheinMain als World Design Capital® 2026. Der einprägsame Titel der aus diesem Anlass erschienenen Publikation „Was kann Design denn schon ausrichten?“ lädt zumindest zum Nachdenken ein.

Das Motto „Gestalten wir, wie wir leben wollen“ versteht sich dabei als Einladung zu einer aktiven Beteiligung an der Gestaltung unserer Lebensräume und damit nicht zuletzt auch unserer Demokratie. Denn Design hat die Kraft, kollektive Prozesse zu gestalten. Design vermag es Lösungen zu entwickeln und einen sozialen Wandel herbeizuführen.
Die zehn Kapitel sind zehn Handlungsfeldern zugeordnet: Arbeiten, Bauen & Wohnen, Bildung, Gesundheit, Industrie, Konsum, Kultur & Medien, Mobilität, Öffentlicher Raum, Sport. In zehn entsprechenden Beiträgen reißen ebensoviele Autor:innen die wichtigsten Gedanken auf sehr einprägsame und gut lesebare Art und Weise an.

Ein vibrierender Knotenpunkt

In Machen wir uns auf den Weg sprechen die Herausgeber:innen Anna Scheuermann und Matthias Wagner K gleich einleitend die politischen Voraussetzungen unserer Zeit an: „Die Kräfteverhältnisse in den Zentren der Weltwirtschaft verschieben sich zugunsten einer nationalistischen, neo-protektionistischen oder rechtspopulistischen Orientierung. (…) Neben der Macht und Abhängigkeit der Gesellschaft von den großen Technologiekonzernen steigt in der medialen Kommunikation der Grad an Manipulation“. Transdisziplinäres Denken und Handeln sei notwendig – schreien die beiden – um den Herausforderungen der Zukunft erfolgreich begegnen zu können. Und allein, wenn Wahrheiten nicht unterdrückt oder nicht geleugnet würden, stiegen die Chancen, den Krisen unserer Zeit etwas entgegensetzen zu können. Und genau hier kann auch der Rolle des Designs Bedeutung zukommen: „All die Transformationsprozesse, denen wir im Einzelnen und die Gesellschaft im Ganzen ausgesetzt sind, eröffnen für Designer:innen neue Aufgaben und neue Rollen“ denn so heißt es weiter: „Design ist geprägt von dem Geist, Zustände zu hinterfragen, in die Zukunft zu denken und Dinge zu ändern.“
Das aktuelle Projekt der noch bis Ende des Jahres laufenden Initiative fokussiert sich vor allem darauf, den drängendsten Fragen unserer Zeit zu begegnen, in Form lebendiger Diskurse und zahlreicher wie vielfältiger Konzepte ebenso wie konkreter Projekte Ideen zu entwickeln. Im Rahmen der entstandenen partizipativen und dynamischen Plattform sind Gestalter:innen, Designer:innen und all jene Menschen mit einem gewisssen Gestaltungswillen eingeladen, in einen kollaborativen und ko-kreativen Prozess einzutreten. So sehen Scheuermann und Wagner K den Wandel unserer Gesellschaft als „Chance, Design als Werkzeug zu sehen, das ein friedliches, vielfältiges und demokratisches Miteinander schaffen und fördern kann.“

Das Buch zur WDC 2026: Was kann Design denn schon ausrichten? Design for Democracy, Auf dem Weg zur World Design Capital Frankfurt RheinMain 2026, avedition gmbH Stuttgart 2024, Deutsch / English, ISBN 978-3-89986-415-1

Design im Wandel

„Design ist Gestaltung. Zugleich Prozess und Resultat“, schreibt Matthias Wagner K in der Einleitung des Büchleins, das zweisprachig durch eine farbige Bilderstrecke geteilt, grafisch einprägsam in strengem Schwarz/Weiß durch Statement gleichen doppelseitige Zwischentitel gegliedert, äußerst kompakt daherkommt und sich auch gut zum Lesen nur einzelner Kapitel eignet. Und Wagner K ruft in Erinnerung, dass Design immer auch Teil jener Industriellen Systeme sei, die die aktuellen Probleme mitzuverantworten hätten: „Ressourcenknappheit, Umweltverschmutzung, Klimawandel und Artensterben, Migration, Kriege und Vertreibung. Dabei kann Design, etwa durch die Gestaltung wiederverwertbarer Produkte und ressourcenschonender Lösungen, durch mitgedachte Kreislaufwirtschaft einen entscheidenden Beitrag zur Lösung von Problemen leisten“.
Damit ist aber schon einmal eines klar, ein besseres Leben haben wir noch nicht erreicht. Und so betont auch Wagner K, „nur wenn wir positive Bilder von der Zukunft im Kopf haben, können wir ihr zuversichtlich und tatkräftig entgegengehen“.

Umdenken

Hierfür ist es notwendig Designer:innen aller Disziplinen in laufende und zukünftige Diskurse in Politik, Wirtschaft und Wissenschaft entsprechend einzubeziehen, denn nur wenn alle – wie Wagner K schreibt –Kompliz:innen sind, ist es möglich „ko-kreativ den Mut für ein jetzt nötiges Handeln zu entwickeln – für ein (Mit)gestalten einer lebenswerten Zukunft.“
Lena Marbachers Beitrag dreht sich um das Thema Gestaltung und Macht. „Wer etwas gestaltet, übt Macht aus“. So etwa entscheidet eine Stadtgemeinde, die ein Parkbank aufstellt, mit deren Design, darüber ob man darauf nur sitzen oder auch liegen kann und obdachlose Menschen eine Bank auch zum Schlafen nützen können oder nicht. Im Text der Bundesstiftung Baukultur wird der Themenbereich Bauen & Wohnen und das notwendige Umdenken in Richtung einer neuen Umbaukultur angerissen. Marina Weisband ist die Autorin eines Beitrags zur Bildung und zur Demokratie als Bildungsprojekt: „Menschen in einer Demokratie sollten sich nicht als Konsumierende der Gesellschaft sehen, nicht als Opfer und auch nicht als zufällige Besuchende oder als Nutznießende, sondern als gestaltende, als unverzichtbare Mitglieder einer Gesellschaft, in der jede und jeder gleichermaßen für sich und für andere verantwortlich ist“. Architekt Ben van Berkel merkt an, dass „Architektur und Design auf vielfältige Weise zur Verbesserung der Gesundheit von Mensch, Gesellschaft und Umwelt beitragen kann“ und sieht Gesundheit als treibende Kraft für menschenzentriertes Design eben auch durch die Gestaltung von Räumen, die Wohlbefinden zu fördern vermögen. Industrie, Konsum, Mobilität, öffentlicher Raum und Sport sind die weiteren Themenfelder, die die übrigen Kapitel und Beiträge ansprechen und damit doch letztlich einige Antworten darauf gibt, wie Design durchaus etwas ausrichten kann. Ganz im Sinne des Textes von Hanna Harris im Kapitel „Öffentlicher Raum“, die von den Lehren von Helsinki berichtet. Aber auch von ihrer Frage an eine Gruppe von 13-Jährigen „Was versteht ihr unter Design?“ Die Antwort wäre wie aus einem Mund gekommen, und ihre Gesichter hätten vor Neugierde und Selbstvertrauen gestrahlt, schreibt Harris. „Wir gestalten und lösen alle möglichen Dinge zusammen. Wir haben keine Angst vor Fehlern. Und wenn wir doch welche machen, fangen wir einfach nochmal von vorne an“. Eine Anwendung dieser scheinbar naiv und leicht dahin gesagten Worte scheint dennoch dringlicher denn je.

Was kann Design denn schon ausrichten? Design for Democracy, Auf dem Weg zur World Design Capital Frankfurt RheinMain 2026, (Hg.) Anna Scheuermann & Matthis Wagner K, Verlag avedition gmbH Stuttgart 2024, Deutsch / English, Layout: Jonas Deuter, Max Pietro Hoffmann, 300 Seiten, Softcover, 13 × 20 cm, ca. 29 Euro, ISBN 978-3-89986-415-1
Autor:innen: Lena Marbacher, Bundesstiftung Baukultur, Marina Weisband, Ben van Berkel, Christian Holl, Ruben Pater, Juergen Boos, Francesca Bria, Hanna Harris, Philipp Wollrab.

www.avedition.de
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