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Manytrees pflanzt Bäume auf versiegelten Flächen, microinvasiv, retrofit und ressourcenschonend. Durch die zusätzliche weiße Beschichtung soll viel Licht reflektiert und so die messbare Temperatur des Belags reduziert werden. Grafik: Manytrees

Manytrees pflanzt Bäume auf versiegelten Flächen, microinvasiv, retrofit und ressourcenschonend. Durch die zusätzliche weiße Beschichtung soll viel Licht reflektiert und so die messbare Temperatur des Belags reduziert werden. Grafik: Manytrees

in nachhaltigkeit

Einen Baum zu pflanzen macht immer Sinn

Christine Müllervon Christine Müller
8.05.2026

Wer sagt, dass Architekt:innen ihre Ideen nur im Auftrag ihrer Bauherr:innen umsetzen? querkraft Architekten haben umgedacht und setzen sich aktiv für unsere Umwelt ein. Mit dem unabhängigen, eigens gegründeten Unternehmen Manytrees sollen „viele Bäume“ von nun an überall dort wachsen können, wo versiegelte Flächen besonders trostlos sind. Und das auch noch äußerst unkompliziert – wie uns Architekt und Projektinitiator Jakob Dunkl erzählt.

„Mit Manytrees entstand ein Unternehmen, das Bäume und Lebensfreude genau dort pflanzt, wo es am notwendigsten ist, nämlich auf bestehenden, versiegelten Flächen, und das auch noch mikroinvasiv, retrofit und ressourcenschonend“, erzählt Architekt Jakob Dunkl.
Bäume haben normalerweise in Asphalt und Beton kaum eine Chance gesund zu wachsen. Also suchte man nach einer speziellen Pflanzmethode, die genau das ermöglichen würde. Gemeinsam mit dem Landschaftsarchitekten Bernhard Scharf, technischer Direktor bei Green4cities, einem internationalen Kompetenzzentrum in Wien für urbane grüne Infrastruktur sowie Professor an der Uni für Bodenkultur gelang deren Entwicklung. Vor zwei Jahren startete man als FFG Förderprojekt mit 8 Testbäumen für die Supermarktkette Billa. Dort ist man mit den ersten Bäumen so zufrieden, dass das Projekt nun breiter angewendet werden soll. In Zukunft möchte man mit Manytrees aber auch andere Handelsketten, Fachmarktzentren oder weitere versiegelte Flächen in Gemeinden sowie im Stadtraum grüner und schöner machen – und möglichst nicht nur in Österreich. Ein Manytrees-Manyfesto fasst die Intention sehr kompakt zusammen: „Wir haben eine Vision und wollen einfach einen ernstzunehmenden Beitrag für unsere Umwelt leisten“.

Es geht Euch also nicht darum, persönlich erfolgreich zu sein?
Nein. Wir wollen Impact erzeugen und die Einnahmen aus dem Verkauf des Systems dafür einsetzen, noch mehr Bäume zu pflanzen.

Manytrees kann dazu beitragen, wenigstens punktuell das Mikroklima zu verbessern, denn für die Pflanzung eines Baumes findet sich auch auf den ödesten Betonflächen genügend Platz. Foto: Manytrees

Zur erfolgreichen Umsetzung Eurer Idee braucht es nun nur noch Auftraggeber:innen, die ebenfalls Wert darauf legen, mit der Pflanzung möglichst vieler Bäumen das Mikroklima zu verbessern.
Im Rahmen der Weltwirtschaft gilt doch eher, je mehr Wachstum Deine Firma verzeichnet, desto schlechter sind die Auswirkungen für den Erdball. Unser Unternehmen hat hingegen ein System entwickelt, das die Pflanzung von Bäumen erleichtert, die entsprechende Wirkung hat und noch dazu dafür sorgt, dass eine große Zahl an Bäumen in die Welt kommt. Damit hoffen wir eine positive Bewegung auszulösen.

Wirtschaftliches Wachstum bedeutet für Euch also nicht nur den finanziellen Erfolg, denn wenn Euer Unternehmen wächst, wächst die Zahl der Bäume.
In unserem Unternehmen widerspiegelt sich das Firmenwachstum 1:1 in jenem der gesetzten Pflanzen. Und wir wollen unser Projekt möglichst auch über die Grenzen Österreichs hinauswachsen sehen.

Was würde passieren, wie das in der Produktentwicklung ja öfter geschieht, wenn jemand Euer Produkt kopieren wollte?
Dann wären wir zwar sehr traurig, durchaus auch verärgert, weil wir meinen, das Projekt sollte genau nach unserem Entwurf umgesetzt werden und nicht nur so ähnlich. Aber, wenn infolge der abgewandelten Idee auch Bäume entstehen, wäre das dennoch Ok.

Rund um den Baum werden Lüftungslöcher gebohrt, über die nicht nur Wasser sondern zusätzliche Luft bis zu den Wurzeln vordringen kann. Foto: Manytrees

Es ist durchaus etwas Besonderes, dass ein Architekturbüro selbst die Entwicklung eines Produkts in dieser Form vorantreibt und damit ein Zeichen setzt. Vor allem auch, weil es sich doch oft genug nicht vermeiden lässt, Projekte annehmen zu müssen, auch wenn man mit den Begleitumständen nicht zu 100 Prozent konform geht – nicht zuletzt aus finanziellen Zwängen heraus, weil es das Büro und seine Mitarbeiter:innen zu erhalten gilt.
Immer richtig zu handeln ist nicht leicht. Eigentlich gibt es hier keine Ausrede, dennoch stolpern auch wir manchmal in Aufträge hinein, mit denen wir nicht zur Gänze glücklich sind. Zur Mehrzahl unserer Projekte, stehe ich aber zu 100 Prozent. So etwa zum Pavillon auf der Dubai Expo, wo wir zeigen wollten, dass man durchaus auf hochtechnisierte Klimatisierungssysteme verzichten kann. Auch hatten wir den Pavillon für eine Wiederverwendung seiner Elemente konzipiert, leider fand diese letztlich keine Beachtung. Mit der begrünten Ikea-Filiale am Wiener Westbahnhof ist es gelungen, die nähere bauliche Umgebung positiv zu beeinflussen und die Gegend ein bisschen interessanter zu machen, zumindest in Bezug auf das Mikroklima. Natürlich kann man über das Pflanzen von Bäumen in Töpfen diskutieren, manche sagen, sie hingen ähnlich Patienten einer Intensivstation am Tropf. Ich aber meine, wir sollten alles ausprobieren, von Hundertwasser bis zur bemoosten Fassade, erst dann kann man positive Auswirkungen erkennen oder man muss sich eben eingestehen, dass man in einer Sackgasse gelandet ist. Als Architekt:innen sind wir ja oft für Versiegelungen mitverantwortlich, schon allein deshalb ist es wichtig, selbst positive Entwicklungen anzustoßen und zu handeln – ohne auf die passende Auftraggeber:in zu warten.

Und etwas Positives scheint Ihr ja nun mit Manytrees auf den Weg zu bringen.
Ja, indem wir tote hässliche Flächen begrünen wollen. Erst kürzlich haben wir Manytrees vor rund 1.500 Besucher:innen des Urban Future Kongresses in Lubljana gelauncht, um unsere Idee zu präsentieren, die es erleichtert, auch auf den ödesten Betonflächen Bäume zu pflanzen. Und um zu zeigen, wie unkompliziert das machbar ist, engagieren wir uns nun neben querkraft, wo sich alles um Architekturprojekte dreht, mit Manytrees für das Pflanzen von Bäumen.

Es werden Löcher in den Boden gebohrt und das dabei anfallende Material leise, staubfrei und überraschend schnell abgesaugt. Grafik: Manytrees

Wie funktioniert Manytrees technisch?
Wir bohren Löcher in den Boden, saugen das dabei anfallende Material leise, staubfrei und überraschend schnell ab. Rund um den Baum werden dann noch Lüftungslöcher gebohrt, über die nicht nur Wasser sondern zusätzliche Luft bis zu den Wurzeln vordringen kann. Anschließend wird der von uns designte Metallring eingehoben, der mit eigenen „Bratzerln“ an der Oberfläche hängen bleibt und es damit kein Fundament braucht. Der Baum wird automatisch bewässert und über Sensoren in der Erde wird zusätzlich die Feuchtigkeit gemessen.

Wie erfolgt die Bewässerung?
Über eine Wasserleitung, die in einer in den Belag eingefrästen Rinne verläuft, und die mit Gussasphalt verschlossen wird; eine sehr saubere Lösung. Wenn der Parkplatz ein Gefälle aufweist, dienen zusätzliche Schlitze dazu, Regenwasser zu sammeln und zu den Bäumen abzuleiten.

Ist das ausreichend?
In unseren Breitegraden nicht, da muss man gießen. Das geht über den grünen Sack, der an den Stämmen hängt, mit dem Nachteil, dass dieser das zuvor eingefüllte Wasser nur für drei bis fünf Stunden abgibt, und in langen Hitzeperioden nicht ausreicht. Und er kann, direkt am Stamm montiert, zu Fäule führen.

Zusätzlich zum Wurzelraum wird mit einem großen Erdbohrer in der Mitte noch einmal tiefer Erdreich ausgehoben und noch mehr Platz für die nötige Erde zum gesunden Pflanzenwuchs geschaffen. Grafik: Manytrees

Und welches System verwendet Manytrees?
Sobald der Boden zu trocken ist, meldet dies eine Sonde und aktiviert den Bewässerungscomputer, der aber nur die notwendige Wassermenge zuführt. Die Bewässerungsanlage erkennt auch, wenn etwa um 18 Uhr Regen vorhergesagt wird, und setzt in dem Fall kein Wasser frei. Das System ist also auch smart. Es wäre aber auch wünschenswert, wenn das Wasser des Supermarkts in eine Regenwasserzisterne fließen würde, dann würde lediglich elektrischer Strom, aber kein Wasser verschwendet werden.

Ist Manytrees in jeder Situation umsetzbar?
Natürlich. Alles wegzuschremmen, Rasengittersteine zu verlegen oder Autos zu reduzieren wäre wohl die bessere Lösung – das ist aber nicht umsetzbar. Also haben wir nach einer realisierbaren Lösung gesucht. Denn üblicherweise werden Beton- oder Granitrandsteine mit Betonfundamenten verwendet. Auch darunter muss aber noch verdichtet werden, sonst sinkt das Fundament ein, und es fehlt der nötige Halt, falls ein Auto dagegen fährt.

Ihr verzichtet also auf tiefe Betonfundamente?
Wir schneiden mit dem Topfbohrer eine Scheibe des Belags aus, graben ein Loch, hängen den Stahlring in die Oberfläche ein, fertig. Und wir verwenden die doppelte Menge Substrat im Gegensatz zu einer Betonkonstruktion.

Wo der Baum nur wenig Platz für seine Wurzeln zur Verfügung hat.
Zusätzlich zum Wurzelraum bohren wir mit einem großen Erdbohrer in der Mitte noch einmal tiefer und schaffen noch mehr Platz für die nötige Erde zum gesunden Pflanzenwuchs. Daher ist unser System so einfach. Selbst die schönsten Bandstahleinfassungen von Landschaftsarchitekt:innen stecken schließlich wegen der nötigen Stabilität immer noch im Beton. Wir hingegen sind komplett betonfrei – einer unserer USP‘s.

Wer hat das System entwickelt?
Ich hatte die Idee, inklusive der außenliegenden Löcher und habe Bernhard Scharf nach seiner Meinung gefragt, der sie als perfekt befand und unterstützt.

Der von Manytrees designte Metallring, der mit eigenen „Bratzerln“ an der Oberfläche hängen bleibt, wird in das ausgeschnittene Loch eingehoben und es braucht damit kein Fundament. Grafik: Manytrees

Es gibt auch Ideen dazu, den Stahlring mit einer hellen Bodenbeschichtung einzufassen, weshalb?
In anderen Ländern existieren bereits Vorschriften, möglichst mit hellem Beton zu bauen, um helle Straßenflächen, helle Fassaden, helle Dachflächen zu schaffen, da dunkle Oberflächen wie Asphalt leicht überhitzen. Der zusätzliche weiße Ring rund um die Baumscheibe – Albedo Beschichtung genannt – dient dazu, möglichst viel Licht zu reflektieren. Durch diese Farbbeschichtung kann die messbare Temperatur des Belags reduziert werden. Wir sind hier mitten in einer Experimentierphase. Für Billa sollen nach 8 bereits realisierten Bäumen weitere 50 folgen, sodass wir dann etwa auf einem Parkplatz 5 Bäume ohne Farbe, 5 mit kräftiger weißer Beschichtung und 5 mit luftigerem Beschichtungsmuster umsetzen könnten, um die Temperatur des Erdreichs und die Feuchte zu messen, zu vergleichen und unsere Schlüsse zu ziehen. Wir sind auf die Ergebnisse gespannt.

Welche Leistungen bietet also Manytrees?
Es ist möglich das System in größerer ebenso wie in kleinerer Anzahl zu bestellen. Etwa als kleine Gemeinde, die weniger als 10 Bäume pflanzen möchte oder als Handelskette bzw. Fachmarktzentrum, die 30 Bäume oder mehr anfordern. Im Sinne eines One-Stop-Shops übernehmen wir alle Leistungen im Gesamtpaket: Wir erstellen ein Angebot, planen, erledigen die Behördenwege, bestellen den Stahlring, den Gärtner, wir kümmern uns um die Errichtung und geben eine Zehnjahresgarantie, inklusive Pflegevertrag – auch das ist uns sehr wichtig. Denn bei Problemen – selbst wenn wir überzeugt sind, dass alles funktioniert – wird der Baum von uns entfernt und ersetzt. Deswegen sind wir keine Ziviltechniker GmbH, sondern ein herkömmliches Unternehmen der Wirtschaftskammer. Manytrees ist auch zur Gänze von querkraft abgekoppelt. Wir haben hierfür eine sogenannte Flexco, eine „flexible Kapitalgesellschaft“ gegründet, eine neue Unternehmensform der GmbH, bei der man bis zu 25 Prozent auch nicht stimmberechtigte Anteile etwa an Mitarbeiter:innen vergeben kann, die dann auch 25 Prozent des Jahresgewinns erhalten. Der Vorteil ist, dass hierfür nicht jedes Mal im Firmenbuch der Gesellschaftsvertrag geändert werden muss.

Der Ring kann außerdem etwa mit Holzelementen so ergänzt werden, dass er als Sitzbank genutzt werden kann. Grafik: Manytrees

Und der nächste Schritt?
Wenn wir nur 100 Bäume dort setzen können, wo sonst mit Beton versiegelt wird, macht das einen Unterschied, denn unser System ist nicht nur für Beschattung von Parkplätzen eine Lösung. Wir wissen natürlich, dass wir nicht den Erdball retten und den Co2-Fußabdruck im Großen verändern können, aber eine Verbesserung des Mikroklimas wird durchaus spürbar, und den einen oder anderen Vogel, Insekten, Bienen oder Regenwürmer werden wir vielleicht anlocken. Es ist jedenfalls wichtig, etwas gegen diese Steinwüsten zu bewirken. Wir werden auch genaue Berechnungen zum Mikroklima, zum Co2-Fußabdruck oder zur Versickerungsleistung anstellen.

Ist Manytrees auch für eine Anwendung im öffentlichen städtischen Raum geeignet?
Auch dort können wir beitragen, wenigstens punktuell das Mikroklima zu verbessern. Für die Pflanzung eines Baumes findet sich überall genügend Platz, im Straßenraum ebenso wie in bislang großzügig versiegelten Fußgängerzonen.

Wäre das auch eine Alternative zum eher kostenintensiven Schwammstadtprinzip?
Für das Schwammstadtsystem braucht es etwa 35 m³ Wurzelraum pro Baum und bei einem bestehenden Plattenbelag ist das nur umsetzbar, wenn man diesen komplett entfernt. Aber oft ist der Plattenbelag trotz allem gut nutzbar und ihn wegzureissen bedeutet Verschwendung Grauer Energie, es wird also die Thematik der Nachhaltigkeit schlagend. Das wird durchaus unterschätzt, denn Material muss entsorgt, geschreddert und die Flächen neu hergestellt werden, das bedeutet umfangreiche Baumaßnahmen, die Staub und Lärm mit sich bringen. Wir hingegen sind mikroinvasiv, können jedem Bodenbelag nutzen und agieren punktuell, denn ein Topfbohrer schneidet präzise eine Scheibe aus dem Belag, die er anhebt.

Architekt und Manytrees-Initiator Jakob Dunkl Foto: Manytrees

Wie aufwendig war die Entwicklung?
Daran habe ich unglaublich lange getüftelt. Allein für das Stahlteil gab es zahllose komplizierte Varianten, bis zu diesen Löchern für das Oberflächenwasser, weil der Randstein nichts durchlässt.

Und wie hoch sind die Kosten eines Rings?
Inklusive Bohren, Stahlring, Sonden, Wasserleitung und weiße Markierung sind wir mit Manytrees bei rund 15.000 Euro pro Baum. Der Umfang des Prototypen betrug 120 cm Durchmesser – aktuell gibt es ihn auch mit 180 cm und wir sehen, da geht noch mehr.

Und wie sind die ersten Reaktionen?
Bislang gab es niemanden, der die Anwendung bezweifeln oder Orte anführen würde, an denen Manytrees nicht funktioniert. Für eine breite Umsetzung braucht es allerdings eine Portion Glück – der richtige Zeitpunkt, ist sicher jetzt. Gerade überlegen wir auch noch Licht zu integrieren, dass etwa der Parkplatz glimmt oder auf einer Fußgängerzone aus den Bodenlöchern Licht strahlt. Wir sehen in Manytrees einfach die perfekte Kombination zwischen einem guten Produkt und seinem sinnvollen Einsatz – denn einen Baum zu pflanzen macht immer Sinn.

Mehr Informationen unter www.manytrees.at

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