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Die umfassende Sanierung des einstigen frühbarocken Pfeilerstadels in Traunkirchen erfolgte mit nur fünf Materialien aus der nahen Umgebung. In Kombination von Architektur, Handwerk und Kunst „entstand eine neue Identität, die sich auf die Geschichte und Tradition der Region stützt“, so der Bauherr. Foto: Lorenz Keiblinger

Die umfassende Sanierung des einstigen frühbarocken Pfeilerstadels in Traunkirchen erfolgte mit nur fünf Materialien aus der nahen Umgebung. In Kombination von Architektur, Handwerk und Kunst „entstand eine neue Identität, die sich auf die Geschichte und Tradition der Region stützt“, so der Bauherr. Foto: Lorenz Keiblinger

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Einfach klug bauen

Christine Müllervon Christine Müller
2.09.2026

Gehört die Zukunft wirklich den Smart Buildings? Müssen Gebäude intelligent und digital vernetzt sein, geht es nur mehr mit Sensoren, dem Internet der Dinge (IoT) und automatisierten Prozessen? Kann der Komfort der Nutzer:innen nur so maximal gesichert werden? Die Neuerscheinung „Simple Smart Buildings – Zeitlose Bauweisen im Salzkammergut“ zeigt beispielhaft, dass es auch anders geht.

Oft heißt es, dass die in den Gebäuden waltende Intelligenz Ressourcen und Kosten sparen helfe, und die Umwelt schone – weil anhand digitaler Überwachungssysteme etwa Strom und Klimasysteme automatisch geregelt oder notwendige Wartungen angezeigt würden, um uns das Leben zu erleichtern. Auch Überwachung in Echtzeit sowie die Lernfähigkeit intelligenter Gebäude gehöre zum Smart Building Konzept.

Jahrhunderte überdauern

Aber wer sagt, dass es nicht auch ohne hochkomplexe und oft störungsanfällige technische Systeme geht, deren Lebenszyklen außerdem durch den raschen Technologiewandel auf wenige Jahre reduziert sind? Friedrich Idam, Günther Kain und Andreas Zohner, die Herausgeber des im Müry Salzmann Verlag erschienenen Bandes, zeigen, dass eine auf die Spitze getriebene Technologisierung beim Bauen durchaus verzichtbar sein könnte. Dies lehrt auch ein Blick in die Vergangenheit. Denn für Idam ist ein Gebäude dann Smart, „wenn es ohne weiteres Zutun einfach lange und gut funktioniert. Aus lokal vorhandenen Baustoffen entwickelten sich resiliente Baukonstruktionen und Gebäudetypen, welche Jahrhunderte überdauert haben und gerade deshalb immer noch eine hohe Nutzungsqualität bieten“. Ein „Simple Smart Building“ sei also ein Bau, der wenig Ansprüche stellt und in erster Linie den Nutzer:innen diene. Denn, so ist Idam überzeugt: „Das Kluge liegt im Einfachen“.
„Mit diesem Ansatz ist kein ‚Zurück in die Steinzeit‘ gemeint“, heißt es gleich zu Beginn des Kapitels Die Säulen des Konzepts „Simple Smart Buildings“ auf Seite 5. „Er gründet vielmehr auf einem möglichst umfassenden Evaluationsprozess sogenannter ‚mittlerer Technologien‘ samt deren langfristigen Effizienzpotenzialen. In dem bereits auf die 1970er-Jahre zurückgehenden Konzept der ‚Intermediate Technology‘ liegt das Potenzial einer niederschwelligen und weltweit umsetzbaren Technologiewende! Mittlere Technologien zeichnen sich gleichermaßen durch Effizienz aber auch Suffizienz aus: Ihre Funktionsweise ist intuitiv erfassbar, sie leuchtet ein; mittlere Technologien sind mit einfachen Mitteln zu warten und zu reparieren“.

Wegen des schlechten baulichen Zustands des frühbarocken Stadels, gab es keine finanzielle Unterstützung durch das Bundesdenkmalamt. Mit der Begründung, es gäbe schönere Gebäude, die verfallen würden. Dessen ungeachtet erfolgte eine umfassende Sanierung, mit harmonisch zurückhaltenden Eingriffen. Foto: Müry Salzmann

Das Konzept Simple Smart Buildings bedeutet, dass Bauwerke einfach und für eine lange Nutzungsdauer erbaut sind. „Für die Generationen vor uns war es ganz normal mit einfachen Mitteln dauerhafte Gebäude zu errichten. Diese Art zu bauen hat sich über Jahrhunderte bewährt und wir können daraus lernen. In den verschiedenen Regionen entwickelten sich aus lokal vorhandenen Baustoffen resiliente Baukonstruktionen und Gebäudetypen, welche Jahrhunderte überdauert haben und gerade deshalb immer noch eine hohe Nutzungsqualität bieten“, unterstreicht Friedrich Idam weiter.
Am Beginn dieses Buches stehen insgesamt klar und einprägsam formulierte grundlegende Begrifflichkeiten, die sogenannten „Säulen“ des Konzepts Simple Smart Buildings. Sie umfassen die Einfachheit der eingesetzten Systeme, wie zum Beispiel eine unkomplizierte etwa auch zerlegbare bauliche Konstruktion, mit dem Ziel der Dauerhaftigkeit errichtet unter Verwendung möglichst lokaler Rohstoffe und unter Einsatz handwerklicher Techniken. Die Kooperation anstatt des Alleingangs, etwa als genossenschaftliche Initiative gehörten ebenso dazu wie Eigenleistung und Regionalität.

Beim Umbau zur Galerie Erlas, die mit großen Respekt vor der Struktur des Stadels erfolgten, beschränkte man sich bei der Wahl des Materials auf Holz, Stein und Kalk. (Im Bild: Küche mit Essbereich, zur Seeseite mit einer Giebelverglasung; rechts: Schlafnische.) Foto: Müry Salzmann

Ein Modell für den Klimaschutz

Das Konzept Simple Smart Buildings, sucht nicht nur die Potenziale unseres baukulturellen Erbes in Erinnerung zu rufen, sondern sieht sich als „erfolgversprechender Lösungsansatz für die heutige Problemlage“, wie die Autoren schreiben. Und zwar vor allem in Hinblick auf einfache und widerstandfähige Bautechniken ebenso wie langlebige Gebäudetypen und -betriebssysteme. Zukunftsfähige Handlungsstrategien ließen sich aus der Kombination von Erfahrungswissen und angewandter Bauforschung ableiten. „Diese im Regelfall einfachen, kostengünstigen und intelligenten Techniken und Systeme sind für weite Kreise der Weltbevölkerung zugänglich, während diese Niederschwelligkeit auf kurzlebige und teure Hightech-Systeme nicht zutrifft“, heißt es weiter.
Ein weiteres Problem, das bei Abbruch von Bestandbauten allzu oft vernachlässigt würde, sei die hierbei verpuffende „graue Energie“, die bei der Herstellung von Baustoffen wie Beton, Stahl und Ziegel eingesetzt wurde. Um den Wert von Bestandsbauten deutlich zu machen, spreche man in Deutschland bereits von „goldener Energie“. Denn – so die Herausgeber – seien „auch immaterielle, kulturelle Werte in Bestandsgebäuden gebunden. Jeder Ort und jedes Gebäude haben ihre eigene Geschichte, die mit den Biografien der Menschen verwoben ist, die dort gewohnt, gearbeitet, gelernt, geliebt, gespielt, gefeiert haben. Eine neue Umbaukultur trägt diese Biografien und Geschichten weiter und reichert sie mit neuen an. Das Bauwerk selbst hat oft aus seiner Zeit heraus Spezifika, die Impulse für eine spannende, zeitgenössische Formensprache geben. Diesen kulturellen, sozialen, atmosphärischen, emotionalen und gestalterischen Mehrwert der Bestandsentwicklung bezeichnet die Bundesstiftung Baukultur als goldene Energie“.

Der Kleinteiligkeit der Räume im alten Wohntrakt im Haus Wolfsgruber in Ebensee steht die offene Gestaltung des Wohnzimmers gegenüber, das durch die ins Dach geschnittenen Fenster besonders lichtdurchflutet wirkt. Foto: Müry Salzmann/Lorenz Keiblinger

Für die Sanierung des Bestands

Höchste Zeit gegen den stetig voranschreitenden Flächenfraß endlich vermehrt auf Umbau und Revitalisierung von Bestandsbauten zu setzen. Dennoch setzen viele Gemeinden in Österreich weiterhin auf Umwidmungen von Grün- in Bauland, obwohl längst feststeht, dass vorhandene leerstehende Strukturen zu adaptieren, große Einsparungspotenziale bei der Verwendung mineralischer Baustoffe, von Energieverbrauch und CO2-Ausstoß in sich birgt. Nicht zuletzt auch deshalb hat der Erhalt bestehender Bausubstanz mehr gesellschaftspolitische Relevanz verdient. Auch hier greift das Simple Smart Buildings-Konzept. So etwa zeige sich, dass aller Kritik zum Trotz noch immer die Überzeugung vor herrsche, dass Neu per se auch besser bedeute, selbst wenn ein hoher Anteil bestehender Bausubstanz weiterhin nicht genützt würde oder hohe Infrastrukturkosten zersiedelter Räume den Neubau auf der grünen Wiese längst auch wirtschaftlich kaum noch leistbar machten. Auch Energie- und Rohstoffpreise, gesetzliche und normative Vorschriften sowie erhöhte Umweltstandards würden die Kosten der Bauindustrie für Neubausysteme weiter in die Höhe treiben. Eben hier greife das Konzept „Simple Smart Buildings“, denn – so die Verfasser – unter dessen Einsatz könnte die Bestandssanierung durchaus kostengünstiger ausfallen, und den Lebenszyklus eines Gebäudes damit um Jahre verlängern – wobei es dabei nicht zuletzt auch um den Erhalt kultureller und historischer Werte gehe.

Im Rahmen der Sanierung und Neugestaltung von Haus Mertens wurde beispielhaft mit den Ressourcen abgetragener Bauteile umgegangen. Nichts wurde weggeworfen, sondern alles unter dem Blickwinkel der Wiederverwertbarkeit begutachtet. Foto: Müry Salzmann

Am Beispiel Salzkammergut

Zwei von ihrem Umfang her gleichgewichtige Kapitel widmen sich einer Auswahl historischer Bauten des Salzkammerguts, sie erzählen von deren Baugeschichte und stellen die eingesetzten Bauweisen, Handwerkstechniken und Materialien vor. Es ist eine Auswahl beispielhafter Bauten, die vorbildlich restauriert, für ein zeitgemäßes Wohnen adaptiert werden konnten. 
Ein weiterer Abschnitt befasst sich unter Einbeziehung erfahrener Fachleute als Autor:innen wie der Architektin Anna Heringer oder des Lehmbauspezialisten Martin Rauch mit Lehm als nachhaltigem Baustoff der Zukunft ebenso wie mit weiteren Jahrhunderte alten Techniken wie dem Kalkbrennen oder der einst erfolgreich eingesetzten Fugenabdichtung mit Torfmoos. Man lernt so Einiges über Kalkputze, Holzdachdeckungen, über das Sanieren und Errichten von Steinmauern, über die „Schönheit steinsichtiger Mauern“ sowie über die einst weitverbreitete Schindeleindeckung. Den Herausgebern gelingt es, anhand des eingesetzten Materials ebenso wie über die verwendeten Arbeitstechniken am Beispiel der vorgestellten Wohnbauten, auch Nichtfachleuten die Idee des „einfachen klugen Bauen“ unmissverständlich zu vermitteln.
Einleitend zu den vorgestellten „Beispielen einfachen und klugen Bauens im Salzkammergut“, in dem sechs unterschiedliche, und dabei allesamt exemplarische Wohnhäuser des Salzkammerguts vorgestellt werden, steht etwa die knappe Erläuterung des Begriffs „mittlere Technologie“, der ein wichtiger Anteil am Konzept Simple Smart Buildings und große Bedeutung zukomme – verständlich gemacht am Beispiel des Türklopfers, der sich lange Zeit durch seine einfache Funktionsweise durchaus bewährte.

Nutzungsqualität mal drei 

Das Wohnhaus Wolfsgruber in Ebensee, 1705 auf einem steilen Hügel, einem Ausläufer des Höllengebirges mit Blick über den Traunsee errichtet, gilt als charakteristisch für die historischen Häuser des Salzkammerguts. Der First der Massivholzkonstruktion steht im rechten Winkel zum Talverlauf. Bei der Sanierung haben die heutigen Eigentümer:innen die historische Substanz inklusive der niedrigen Durchgangsmaße der Türen weitgehend erhalten und für alle zeitgemäßen Eingriffe vorwiegend alte Baumaterialien verwendet, wie etwa die Steine des abgebrochenen Stalls oder Sichtsparren und Pfetten des alten Dachstuhls. 
Über Jahrhunderte wurde im Salzkammergut, das auch heute noch dicht bewaldet ist, vorwiegende in Holz gebaut. Am Beispiel dieses Wohnhauses wird gut nachvollziehbar, wie sehr der sorgsame Umgang mit dem Werkstoff Holz für das traditionelle Bauen der Region prägend war. Die Leser:innen erfahren, dass durch den steigenden Bedarf an Holz für den Salzabbau ab dem 16. Jahrhundert, der Einsatz von Holz für private Zwecke stark reglementiert worden war, was sich schließlich in den Bauformen widerspiegelte, die eine lange Lebensdauer sicherstellen mussten. Unter größtmöglicher Reduktion des Verschnitts verbaute man Holzteile aus dem nahen Umfeld möglichst so groß wie sie gewachsen waren. „Mit dieser Art Baukultur ist es über Jahrhunderte gelungen, eine Symbiose aus Naturraum und menschlichen Artefakt zu schaffen: unsere Kulturlandschaft“, heißt es hier. Ende des 20. Jahrhunderts seien durch kostengünstige Transportmöglichkeiten die Traditionen zum Erliegen gekommen und nach und nach sei das Wissen um die einstigen Arbeitstechniken verloren gegangen.

Die topografisch anspruchsvolle Lage von Haus Idam-Wimmer, die den Zugang zur Baustelle nur über einen schmalen Fußweg ermöglichte, erforderte, die Anlieferung von Baumaterial möglichst gering zu halten. Foto: Müry Salzmann

Der vorliegende Band versucht dieses vergessene regionale Wissen – wie die Herausgeber:innen betonen – modifiziert wieder aufleben zu lassen.
Vorbildlich gelang dies etwa Friedrich Idam, der sein hoch über dem Hallstätter See gelegenes Wohnhaus – Haus Idam-Wimmer – in mühevoller Eigenregie aber mit großer Begeisterung sanierte und vergrößerte. Für notwendige Erneuerungen und Ergänzungen wurden traditionelle Werkstoffe und Handwerkstechniken eingesetzt. Im weitgehend neu gestalteten Inneren kombinierte Idam mit einfühlsamer Selbstverständlichkeit Holz und zeitgemäße Sichtbetonoberflächen. Die Fassadensanierung erfolgte mit historischem Kalkputz, Innenwände wurden mit Lehm verputzt. In unwegsamem Gelände, unmittelbar an einer steilen Felswand gelegen, war man wegen der schwierigen Erreichbarkeit gezwungen, die Anlieferung von Baumaterial möglichst einzuschränken. Die für eine bessere Bewohnbarkeit notwendige Absenkung der Fußbodenniveaus und Vergrößerung der Raumtiefen konnte letztlich durch Abtragung der Felswand erreicht werden, die man schließlich konstruktiv in den Bau integrierte. Sie blieb im Bereich des Stiegenaufgangs sichtbar und gewährleistet nun während der heißen Sommermonate durch natürliche Kühlung ein angenehm temperiertes Innenraumklima. „Durch die Eintiefung der Räume in den Felsen fielen aber auch erhebliche Mengen an Bruchsteinmaterial an. Um dieses nicht abtransportieren zu müssen, entstand die Idee, an der Nordseite des Hauses, wo eine steil abfallende Fläche mit etwa 60 Grad Neigung zur Verfügung war, eine bis zu sieben Meter hohe Stützmauer zu errichten“. Im ersten Obergeschoß konnte soamit auf Fußbodenhöhe eine 3 Meter breite Terrasse geschaffen werden. „Die Verwendung des vor Ort gewonnenen Materials – von Mauersteinen bis zu Zuschlagsstoffen für den Mörtel – hielt viele Transportwege auf unter 15 Meter. Angesichts der topografischen Rahmenbedingungen war die Entscheidung, die Stützmauer in Eigenregie unter Rückgriff auf historische Bautechniken zu errichten, die beste Lösung“. Hierfür musste Idam sich allerdings das notwendige Wissen und handwerkliche Können aneignen. Die charakteristische Mauer wuchs in dreijähriger Bauzeit „Steinreihe um Steinreihe“ von unten nach oben und mit ihr wuchs, wie Idam freudvoll schreibt „auch die Begeisterung und das Wissen des Bauherrn um diese Techniken“. Ein Wissen, dass Idam heute mit derselben Begeisterung weiterzutragen sucht.

Für die Innenwände und Untersichten der Dachflächen verwendete man Kalkputz, für die nötige Dichtheit der freigelegten Blockwände wurden die Fugen zwischen den Holzbalken von Hand mit Torfmoos ausgestopft. Foto: Müry Salzmann

In schwierigem steilen Gelände hoch über Altmünster liegt auch das Haus Mertens – ein weiteres der ausgewählten Beispiele. 1965 vom späteren Rektor der Hochschule für Angewandte Kunst, Architekt Johannes Spalt erworben, wechselte der Bau 2018 die Besitzer:innen. 2020 wurde es saniert und umgebaut. Bei der Abtragung der im einstigen nicht mehr sanierungsfähigem Wirtschaftstrakt gelegenen Werkstatt legte man auch hier großen Wert auf den Bestand, und beschloss die vorhandenen Kanthölzer wiederzuverwenden. „Dieses Vorgehen ist beispielhaft für den Umgang der Bauleute mit den Ressourcen des Hauses – nichts wurde weggeworfen, vielmehr wirklich alles unter dem Blickwinkel der Wiederverwertbarkeit begutachtet“. Wo ein Erhalt nicht möglich war, wurde mit viel Einfühlungsvermögen mittels traditionellen Handwerkstechniken ergänzt. Wo Holz aus statischen Gründen nicht mehr verwendet werden konnte, entschied man sich, mit zeitgenössischen Eingriffe klar sichtbar zu ergänzen. Die ursprünglich innen verputzten Blockwände wurden freigelegt und zur Abdichtung zwischen den Holzbalken griff man auf Torfmoos zurück, „eine uralte Bautechnik, die im Salzkammergut bis ins 12. vorchristliche Jahrhundert archäologisch belegt ist. Dafür wurden alle liegenden Fugen zwischen den Holzbalken aufwendig in Handarbeit ausgestopft.“

Dass in der vorliegenden Publikation ausgewählte historische Bau- und Handwerkstechniken sowie Materialien jeweils in Verbindung mit den sechs ausgewählten Bauten vorgestellt werden, eröffnet den Leser:innen eine sehr hilfreiche Vergleichbarkeit und vermittelt ein größeres Verständnis für die zur Verfügung stehenden Potenziale von Bestandsarchitektur. Die im letzten Abschnitt vorgestellten jahrhundertealten Materialien wie Kalk und Lehm sowie die zugehörigen Techniken, nicht zuletzt auch anhand deren Wiederbelebung anzuführen, ist ein weiterer Schritt auf dem einprägsamen Weg, dem Weiterbauen im Bestand unter Einsatz lokaler, historischer Materialien und Techniken mehr Wahrnehmung und damit auch die gehörige Publizität zu verschaffen.
„Wir müssen dieses Trugbild korrigieren, das uns die moderne Architektur als glücklich und gesund verkauft. Wir müssen auch darüber reden, dass die Ressourcenausbeutung auf Kosten der sozialen Gerechtigkeit und unseres Klimas geht. Wir müssen aufzeigen, wie es anders geht, und zwar mit schönsten Beispielen“, sagt die Architektin Anna Heringer in einem sehr lesenswerten Interview mit Friedrich Idam. „Die Nachfrage mit Lehm zu bauen, steigt in unseren Breiten enorm. Jetzt brauchen wir natürlich noch mehr gute Beispiele“, setzt sie noch eins drauf.

In diesem Band sind schon einmal sechs gute Beispiele sehr einprägsam und verständlich angeführt. Es ist zu wünschen, dass die hier angebotene Fülle an Anregungen zum kostengünstigen Sanieren und Weiterbauen von Bestand zahlreiche Bauherr:innen inspirieren möge. 

Simple Smart Buildings, Zeitlose Bauweisen im Salzkammergut, Hrsg. Friedrich Idam, Günther Kain und Andreas Zohner. Müry Salzmann Verlag, Salzburg 2026 Mit Texten von Hubert Feiglstorfer, Anna Heringer, Roland Meingast, Martin Rauch, 168 S., zahlr. Abb., 16 x 21 cm, broschiert ISBN 978-3-99014-289-9

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Dr. Christine Mueller
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