Zum vierzehnten Mal findet mittlerweile der Architektur.Film.Sommer im Hof des Architekturzentrum Wien statt. Diesmal widmet sich das internationale Architekturfilmfestival an vier Abenden den demokratischen Strukturen der Stadt.
Das von Lene Benz (Az W) und Marlene Rutzendorfer (wonderland) kuratierte Programm aus Dokumentar-, Kurz- und Experimentalfilme lädt Cineast:innen und Architekturbegeisterte zum Verweilen, Schauen und zum Austausch unter freiem Himmel ein.
Weltweit ist zu verfolgen, dass Rechtspopulismus sowie Autokratien erstarken. Sogar in Ländern, die eine lange Tradition der Demokratie erleben, wird erkennbar, dass Ideale allein längst nicht mehr zum Wahlsieg führen. Institutionen verlieren an Vertrauen und politische Systeme werden angreifbar. In der Folge leidet darunter die Rechtsstaatlichkeit und die Gesellschaft beginnt sich zu spalten. Die Demokratie ist gefährdet, denn sie muss nicht nur gelebt, sondern stets von Neuem ausgehandelt und verteidigt werden. Und hierbei stellten sich einige Fragen, etwa jene um jene Räume, die überhaupt eine Teilhabe möglich machen oder über die Rolle des öffentlichen Raums als Ort politischer Handlungen. Auch werden demokratische Strukturen einer Stadt, etwa im Bereich des Wohnens ganz konkret für die Bürger:innen erfahrbar. Eigentum, Leistbarkeit und Zugänglichkeit bestimmen darüber, inwiefern durch Architektur und Stadtplanung Räume entstehen, die allen zugute kommen und die auch von allen gleichermaßen genutzt werden können. Die im Sommer 2026 präsentierten Filme, die in unterschiedlichen internationalen Kontexten angesiedelt sind, erzählen anhand von Orten und Einzelschicksalen allesamt von den Herausforderungen der Wohnungspolitik, vom durch Spekulation erzwungenen Wandel des Lebensraums, von Migration, von der Nutzbarkeit des öffentlichen Raumes, von Zugehörigkeit oder Ausgrenzung.

Mi 29.07.2026, 20:30 Uhr: Vom Recht auf Wohnen
A Home on Every Floor, NO 2023, 10:50 min, OmeU, R: Signe Rosenlund-Hauglid
Die Dichterin Hanna Asefaw wuchs in den späten 1990er Jahren mit ihrer eritreischen Familie in einer Sozialwohnung in Oslo auf. In einer Spoken-Word-Performance reflektiert sie über Gemeinschaft, Vielfalt und versagender Wohnpolitik.
The Architecture of Sharing: From Crisis to Resilience, CZ 2025, 7:27 min, OmeU, R: Michaela Režová
Das tschechische Genossenschaftsmodell „Shared Houses“ nimmt Wohnraum aus dem Spekulationsmarkt heraus und baut damit ein Netzwerk in Gemeinschaftsbesitz auf. HabiTAT auf tschechisch!
Brunaupark, CH 2024, 91:00 min, OmeU, R: Felix Hergert, Dominik Zietlow
Brunaupark, Zürich: Fünf Wohnkomplexe, 405 Wohnungen. Die Pensionskasse der Credit Suisse plant einen Neubau und kündigte der Hälfte der Mieter:innen. Der Film begleitet sie Sie drei Jahre lang in der Ungewissheit und erzählt vom schleichenden Wandel dieses Lebensraums.
Mi 05.08.2026, 20:30 Uhr: An den Grenzen der Demokratie
Dover 82, UK 2025, 5:00 min, ohne Dialog, R: Aria Danaparamita
2024 verloren 82 Menschen bei der Überquerung des Ärmelkanals ihr Leben auf der Suche nach Sicherheit in Großbritannien. Ein Filmportrait über Orte der Ankunft und des Verlusts entlang der Küste von Dover.
Notes from Brook House, GB 2025, 28:00 min, eOF, R: Alex Nevill
Die in 16mm gefilmten Landschaften zeigen Spuren unterschiedlichster Grenzen im Vereinigten Königreich wie Flughäfen, Haftanstalten, Seecontainer. Eine Betrachtung darüber, wie Migration wahrgenommen und kontrolliert wird.
Sneak Preview
Überraschungsfilm (AT 2026, 81:00 min)

Mi 12.08.2026, 20:30 Uhr: Demokratie leben
Vor dem Filmabend lädt ein Nachmittagsprogramm ab16:00 in den Az W-Hof zu Mitmach-Spielen für Groß und Klein und bietet Arbeiterkammer-Rechtsberatung, die Stadt Wien bietet Raum für Co-Kreation, Austausch- und Kommunikationszentrum, sowie Brettspiel und die Wander-Werkstatt. Es folgt um 19:00 Uhr eine Diskussionsrunde mit Architektin Antonia Dika, Thomas Ritt, von der Arbeiterkammer Wien und Wencke Hertzsch der Referatsleitung Büro für Mitwirkung Stadt Wien.
Zuneigung: Teil 1, US 2025, 3:43 min, eOF, R: Rudolf Stueger
Der erste Teil der Filmanthologie lädt ein, über Zuneigung als politische Dimension und über das Zusammenkommen im öffentlichen Raum nachzudenken.
UNO CITY, AT 2025, 12:06 min, ohne Dialog, R: Wolfgang Lehrner
Offiziell extraterritorial, aber unverkennbar Teil des städtischen Gefüges von Wien, befindet sich die UNO-Stadt in andauernder Aushandlung zwischen Innen und Außen, Souveränität und Zusammenarbeit, Offenheit und Restriktion.
Noch lange keine Lipizzaner, AT 2025, 92:00 min, dOF, R: Olga Kosanović
Welcher Identitätsbegriff liegt einer Gesetzgebung zugrunde, die die Gesellschaft in „Wir“ und „die Anderen“ teilt? Ein Film über Zugehörigkeit – und den zweiten Versuch der Regisseurin, endlich ganz dazuzugehören.

Mi 19.08.2026, Beginn 20:30 Uhr: Räume fürs Gemeinwohl
With an Acre, CA 2025, 45:00 min, OmeU, R: Joshua Frank, CCA, Konzept: Francesco Garutti, Irene Chin
Der Film begleitet die Architektin Carla Juaçaba bei der Planung eines Museums für „Flor de Café“, einem Kollektiv von Kleinbauern in Brasilien. Die ephemere Architektur ist inspiriert von indigenen Strukturen und bietet Raum für Wissen, Austausch und Widerstand.
Last Days on Lake Trinity, US 2025, 29:38 min, eOF, R: Charlotte Cooley
Ein Wohnwagenpark in Südflorida wird von seinem Eigentümer, dem weltweit größten christlichen Fernsehsender, geschlossen. Die Bewohner:innen haben bis Jahresende Zeit, sich eine neue Bleibe zu suchen. Oscar shortlisted!
Where We Grow Older, CA 2023, 30:02 min, OmeU, R: Daniel Schwartz, CCA
Wie kann man Stadt und Wohnen für ältere Menschen und für diejenigen, die sie pflegen, gestalten?
Architektur.Film.Sommer im Architekturzentrum Wien
29. Juli sowie 5., 12. und 19. August jeweils um 20:30 Uhr
www.azw.at






