Am Wochenende von 25. bis 27.September ist es im Rahmen von Open House Wien wieder möglich, historische wie zeitgenössische Architektur in und rund um Wien zu besuchen. 53 Öffentliche wie private Bauwerke, die üblicherweise der Öffentlichkeit verschlossen sind, öffnen für Besucher:innen. Und erstmals findet zeitgleich am Sonntag, den 27. September auch der Tag des Denkmals statt, der ebenfalls spannende Einblicke in unser baukulturelles Erbe verspricht.
Zum elften Mal werden im Rahmen von Open House Wien zahlreiche Bauwerke für ein breites Publikum zugänglich. Was Open House dabei aber ausserdem noch auszeichnet ist die kompetente Begleitung aus Volunteers und Fachpersonal, die kostenlos durch die Projekte führt und somit Wissenswertes zu aktuellen Entwicklungen in Architektur und Stadtplanung ebenso vermittelt, wie Interessantes über die Gebäude, deren Entstehung und Nutzung. Auch die Gleichzeitigkeit zum Tag des Denkmals am Sonntag erlaubt, zeitgenössische sowie unter Denkmalschutz stehende Bauwerke näher kennen zu lernen.

Bestand wird zukunftsfähig
Die diesjährige Veranstaltung steht im Zeichen von Resilienz und Transformation. Im Mittelpunkt des Programms stehen daher Bauten und Projekte, an denen sich ablesen lässt, wie sich unsere gebaute Umwelt an gesellschaftliche, ökologische und klimatische Veränderungen anpassen kann und vor allem auch wie bestehende Architektur durch neue Ideen zukunftsfähig wird. Die Fähigkeit von Gebäuden und Stadtquartieren, auf zukünftige Herausforderungen wie Klimawandel, steigende Energiekosten oder gesellschaftliche Veränderungen zu reagieren und langfristig funktionsfähig zu bleiben bestimmt mehr und mehr die baulichen Lösungen. Auch eine zeitgemäße Stadtentwicklung entsteht durch das Zusammenspiel von Innovation, natürlichen Kreisläufen und starken Gemeinschaften. Einen wichtigen Beitrag leistet dabei auch die Sanierung und Adaptierung bestehender Gebäude und Stadtquartiere. Längst sollte es hierbei nicht mehr automatisch um Abbruch und Neubau um jeden Preis gehen, sondern eine Anpassung des Bestandes an neue Anforderungen (z. B. durch Umnutzung, Sanierung und Nachverdichtung) sollte das Handeln bestimmen. Open House Wien lädt ein, Beispiele kennenzulernen, die exemplarisch zeigen, wie dies gelingen kann und wie neue Lösungen für die Anpassung an den Klimawandel aussehen können.

So etwa zeigt sich anhand des Projektes Roots House, wie es möglich ist, Bestandsgebäude ohne kostspielige Generalsanierung Schritt für Schritt auf erneuerbare Wärmeversorgung umzustellen. Auch die Kleine Stadt Farm, ein Lern- und Begegnungsort für urbane Selbstversorgung, Biodiversität und nachhaltige Kreisläufe macht klar, dass Resilienz ökologische sowie soziale Aspekte umfasst, und verdeutlicht, wie Städte dadurch widerstandsfähiger werden. Dabei ist auch die Verwendung innovativer Baustoffe wie Holz, Stroh und Lehm von Bedeutung, wie etwa im gemeinschaftlichen Wohnprojekt Assemblage Niklas Eslarn, dessen Fokus auf dem nachhaltigen Zusammenleben, auf Partizipation und nachbarschaftlichen Strukturen basiert.
Das Kollektiv Kaorle auf dem Otto Wagner Areal zeigt wie Bestandsbauten durch gemeinschaftliche kulturelle Nutzung zu lebendigen Orten des Austauschs und gesellschaftlicher Teilhabe werden, eine Ausrichtung, die sich auch in weiteren Objekten wie dem Pilotprojekt Deutschordenstraße, dem Projekt In Generationen Wohnen oder der Bildungseinrichtung Willi Resetarits wiederfinden lässt.
Wie Transformation gelingen kann, zeigt auch das Reallabor Fassfabrik, der ein ehemaliges Industrieareal in einen experimentellen Ort für Kunst, Forschung und gemeinschaftliche Nutzung verwandelt. Mit dem Filmquartier Wien etwa wurde aus einer historischen Seidenfabrik ein zeitgemäßer Veranstaltungsort, ohne deren architektonische Identität zu zerstören. In die Reihe der zu erkundenden Orte fügen sich unter anderem auch sehenswerte Projekte wie das Funkhaus Wien, das Nordwestbahnhofareal, das Atelier Z57 oder die VinziRast am Land, denen es allesamt gelingt, unterschiedliche Facetten architektonischer Transformation sichtbar zu machen.


Denkmal für alle
Erstmals findet Open House Wien diesmal zeitgleich mit dem vom Bundesdenkmalamt organisierten Tag des Denkmals statt. Das heutige Motto Denkmale: Wert für alle, sucht mit der Öffnung zahlreicher denkmalgeschützter Bauten das Bewusstsein und den Blick für unser kostbares architektonisches Erbe zu schärfen. Am 27. September werden in ganz Österreich kostenlos die Türen zu sehenswerten Denkmalen aufgehen und interessante Touren angeboten. „Der Tag des Denkmals und Open House Wien an einem Wochenende – das ist eine großartige Gelegenheit, Österreichs kulturelles Erbe zu entdecken. Dass einige Objekte im Rahmen beider Veranstaltungen ihre Türen öffnen, zeigt nicht nur die Vielfalt, die Unterschiedlichkeit und den Mehrwert unserer Denkmale, sondern auch die gelungene Zusammenarbeit der Teams des Tages des Denkmals und von Open House Wien“, hebt Christoph Bazil, Präsident des Bundesdenkmalamtes hervor.
Aktuell stehen österreichweit etwa 40.000 Objekte unter Denkmalschutz. Eine ganze Reihe davon steht allerdings nicht oder nur eingeschränkt offen. Einmal jährlich erlaubt der Tag des Denkmals Besucher:innen diese Bauwerke kostenlos kennenzulernen. Diesmal möchte man den gesellschaftlichen, kulturellen, ökologischen und wirtschaftlichen Mehrwert von Denkmalen für uns alle in den Mittelpunkt rücken. Denkmale sind nicht nur Ausdruck der österreichischen Geschichte, sie prägen unser tägliches Leben. Das diesjährige Motto veranschaulichen die sieben Denkmalwerte Alltag & Begegnung, Verantwortung & Identität, Digitalisierung & Innovation, Klimaschutz & Nachhaltigkeit, care & repair, Wirtschaft & Wertschöpfung sowie Beteiligung & Initiative.
Entsprechend der großen Vielfalt des kulturellen Erbes erwartet die Besucher:innen ein abwechslungsreiches Angebot, das bekannte Wahrzeichen ebenso berücksichtigt wie eher verborgene Orte (für deren Besuch es einer Anmeldung bedarf).

In Wien kann unter anderem etwa das Haus der Industrie besucht werden, die Otto Wagner Kirche am Steinhof, die Villa Beer oder der Bildungscampus in Gersthof. Es öffnen in den Bundesländern zahlreiche Standorte, wie die Wehrkirche Kleinzwettl in Niederösterreich, das Haus Willersdorf im Burgenland oder die Burg Groppenstein in Kärnten und machen damit nicht nur Geschichte sichtbar, sondern erlauben neue Perspektiven auf den Mehrwert von Denkmalen. Auf dem Programm stehen etwa Bauten wie das Funkhuas Wien, Schloss Dross oder das Palmenhaus Gmünd, die allesamt zu den Projekten des Wiener Büros BWM Designers & Architekten zählen und zeigen, dass Denkmalschutz und der sensible Umgang mit historischer Bausubstanz seit vielen Jahren zu deren Arbeitsbereichen gehören. Fachkundige Mitarbeiter:innen aus dem Team von BWM begleiten die Führungen. Auch diese drei im Rahmen des Tages des Denkmals und von Open House Wien öffentlich zugänglichen Bauwerke sind gute Beispiele für einen rücksichtsvollen und dabei durchaus innovativen Umgang mit historischer Bausubstanz und zeigen, wie sinnvolles Weiterbauen das Stadtbild bereichern kann.
Der Tag des Denkmals ist Teil der European Heritage Days – einer Initiative des Europarats und der Europäischen Union, die 2026 unter dem Leitthema „Heritage at Risk: Revive, Resist, Reimagine“ stattfindet. Der Tag des Denkmals biete, wie Bazil betont, jährlich auch die Gelegenheit, die Arbeit des Bundesdenkmalamtes sichtbar zu machen und deren Bedeutung hervorzuheben. „Denkmalschutz und Denkmalpflege gehen uns alle an und gemeinsam können wir viel zum Erhalt unseres kulturellen Erbes beitragen“, so Christoph Bazil.

Eine Garage als Büro
Eines der 53 im Rahmen von Open House Wien 2026 öffnenden Gebäude ist mit der Caramel Carage der neue Standort des Caramel Architekturbüros, der zeigt, wie aus einer ehemaligen Garage und Werkstatt ein zeitgemäßer, nachhaltiger Arbeitsort entstehen kann. Das Projekt, ein Bestandsgebäude, das nachhaltig saniert und an neue Anforderungen angepasst wurde, passt somit zu den diesjährigen Schwerpunkten des Architekturfestivals: Resilienz und Transformation. Die lange leerstehende Garage und Werkstatt aus den 1930er-Jahren mit hohem Tonnengewölbe und Oberlichten, in einem ruhigen Hinterhof im 4. Bezirk, wurde zum außergewöhnlichen Arbeits- und Begegnungsort. Bei der Adaptierung setzte man auf eine kreative Wiederverwendung von Stahlträgern, Geländern, Glasbausteinen und Bodenbelägen aus Abbrüchen, Lagern und früheren Projekten. Installationen und Konstruktionsdetails blieben sichtbar und erzählen die Geschichte des Gebäudes. Ein spezieller Recyclingmaterialspritzputz aus Altpapier verbessert dabei die Akustik. Auf Hierarchien wird mit einer offenen Arbeitslandschaft auf einer Ebene verzichtet. Entstanden ist ein offener, lebendiger Arbeitsort, der Nachhaltigkeit im respektvollen Umgang mit dem Bestehenden lebt.
„Baukultur betrifft uns alle. Mit Open House Wien möchten wir das Bewusstsein dafür stärken, welchen Einfluss Architektur und Stadtplanung auf unseren Alltag und unsere Lebensqualität haben – und Menschen für die Entwicklung ihres unmittelbaren Lebensraums sensibilisieren“, betont Open House Wien-Festivalleiterin Inge Boch.
Alle Programmpunkte zu Open House Wien finden sich auf www.openhouse-wien.at
Das vollständige Programm zum Tag des Denkmals mit österreichweit rund 300 Denkmalen und Touren findet sich unter www.tagdesdenkmals.at






