2025 jährt sich der Geburtstag von Gerhard Gastenauer (1925-2016) zum hundertsten Mal. Die Ausstellung „Garstenauer Einhundert“ ist dem Pionier der Salzburger Moderne gewidmet und seinen vielfältigen Begabungen als Architekt und Designer und inspirativer Denker.
Garstenauer war ein Mann klarer Konzepte und kompromissloser Gestaltung. Seine Architektur dachte er methodisch, analytisch und entwickelte sie aus dem gesellschaftlichen Kontext heraus. Ein universeller Gestaltungsanspruch, präzise Auseinandersetzung mit Material, Raum und Funktion ebenso der interdisziplinäre Dialog prägen sein Werk. Über Jahrzehnte hinweg prägte Garstenauer Salzburg als Architekt, Lehrer und Impulsgeber in Kommissionen, Beiräten und Jurys und gilt bis heute als kritische und charismatische Stimme der Baukultur.
Gegen das Vergessen
Seine Bauten, die in der Nachkriegszeit und in den Bereichen Tourismus, Industrie und Wohnbau entstanden, verkörpern formal den selbstbewussten Aufbruch in die Moderne. Seine wohl bekanntesten Bauwerke sind die Felsentherme in Bad Gastein, die Stubnerkogelbahn oder das 1974 fertiggestellte und seit 2007 ungenutzte Kongresshaus im Zentrum Bad Gasteins. Für diesen imposanten, brutalistischen Betonbau wurde Garstenauer 1975 mit dem damals erstmal vergebenen Architekturpreis des Landes Salzburg ausgezeichnet. Heute steht der Komplex unter Denkmalsschutz. Die einst zur Zeit ihrer Entstehung sehr positiv aufgenommenen Bauwerke wie die Felsentherme in Bad Gastein erfuhren seither starke Eingriffe oder wurden einschneidend umgebaut und befinden sich heute zum Teil in einem besorgniserregenden vernachlässigten Zustand, sie sind durch Umbauten oder Abriss gefährdet.

„Für das Salzburg Museum markierte die 2007 getroffene Entscheidung Garstenauers, Teile seines Archivs als Vorlass übernehmen zu dürfen, einen herausragenden Meilenstein für die Etablierung einer salzburgbezogenen Architektursammlung“, betont Martin Hochleitner, Direktor des Salzburg Museum. „Wir danken der Familie, dass sie sich nach dem Ableben Gerhard Garstenauers entschied, uns auch die restlichen Archivbestände als Nachlass anzuvertrauen. Dadurch entstand die einzigartige Möglichkeit, das umfassende Werk zu erschließen, zu erforschen und zu vermitteln“. Die Ausstellung basiert auf dem umfangreichen Nachlass des Architekten, der im Salzburg Museum aufbewahrt wird. 2009 und 2013 übergab Garstenauer große Teile seines Archivs an das Salzburg Museum, weitere Unterlagen folgten nach seinem Tod 2016. Sein Archiv, in dem heute zirka 8.500 digital inventarisierte Objekte aufbewahrt werden, darunter Pläne, Modelle, theoretische Schriften, Vorträge, Fotografien, Medienberichte und Skizzen wird nunmehr einem breiten Publikum zugänglich gemacht.
Mit der noch bis 20. Februar 2026 als „Gastspiel“ des Salzburg Museum in der Initiative Salzburg präsenten Ausstellung möchte man das Bewusstsein für die historische Bedeutung von Garstenauers Werk schärfen, nicht zuletzt auch um seine noch vorhandenen Bauten vor der Zerstörung zu bewahren.


Über die Grenzen hinaus
Auch wenn fast alle Bauwerke Garstenauers – von wenige Ausnahmen abgesehen – in der Stadt und im Bundesland Salzburg entstanden sind, wurden seine Arbeiten dennoch über die Landesgrenzen hinaus wahrgenommen. Das zeigte auch ein 2024 veranstaltetes Symposium zu Gerhard Garstenauers architektonischem Schaffen: Im Zeichen der Rezeption seines Werks stellte es etwa bislang unbekannte Zusammenhänge Garstenauers zur deutschen Designikone Otl Aicher oder zu Architekt Kurt Ackermann (von 1971 bis 1974 Gastprofessor an der TU Wien) her. Drei Bauaufgaben aus den Bereichen Industrie, Wohnen sowie öffentliche Bauten bzw. Tourismus stehen in der Ausstellung im Mittelpunkt. Zu sehen sind Originalpläne, Modelle, Fotografien und zeitgenössische Dokumente. Ein weiterer Ausstellungsbereich fokussiert die Entstehungsprozesse anhand von Skizzen, handschriftlichen Notizen, Theorien, Publikationen und Materialsammlungen, die Garstenauer als forschenden, vorausschauenden Denker zeigen.
Die Ausstellung ist nicht nur Rückschau auf das Werk Gerhard Garstenauers, sondern wird zum Plädoyer für den bewussten Umgang mit dem architektonischen Erbe der Moderne. Sie wirft einen Blick auf eine Epoche, als Salzburg architektonisch experimentierfreudig und zukunftsorientiert war.
Zur Ausstellung erscheint der Tagungsband des Symposiums von 2024, dessen Beiträge und Auswertungen in die Ausstellungskonzeption einflossen. Ergänzt wird der Band durch einen Fotoessay von Andrew Phelps.
Kurator Salzburg Museum: Peter Husty
Kuratorisches Konzept und Ausstellungsgestaltung: Leon Beu, Peter Lechner, Julian Mändl und Erich Steine
Die Ausstellung ist eine Kooperation von Salzburg Museum, Initiative Architektur Salzburg und Gastein 74.
Bis 20. Februar 2026
www.initiativearchitektur.at






