Eine sehenswerte künstlerische Auseinandersetzung zu einer Thematik wie Baustoffrecycling und Zirkularität, die die Architektur in Zukunft vermehrt beschäftigen sollte, zeigt „The Material Show“ im MQ Freiraum. Zu sehen ist die äußerst sehenswerte Gruppenausstellung bis 31. Mai 2026.
2026 feiert das MuseumsQuartier sein 25jähriges Jubiläum als lebendige Erfolgsgeschichte. Seit seiner Entstehung hat sich das Areal als offene Begegnungszone etabliert, die alle einlädt, Kunst, Architektur und Kultur als Teil ihres Alltags wahrzunehmen. Auch die Vision eines energieeffizienten und umweltbewussten Kulturareals nimmt nach und nach Form an, denn es wird fleißig entsiegelt und jene Pflanzen, die bislang in temporären Tree-Pots im mit Betonplatten gepflasterten Hof aufgestellt waren, wandern nach und nach in fixe Beete. Bis 2030 soll das Areal klimaneutral sein. Mehr Kühle und Aufenthaltsqualität möchte man damit generieren. Und irgendwie kann auch die nun bis Ende Mai im MQ Freiraum angesetzte Ausstellung künstlerischer Arbeiten zum Thema Material und dessen Wahrnehmung letztlich auf diese nachhaltige Zukunft beziehen.
Bauen und Zerstören
“We build houses. We take them apart” – der Untertitel der Schau verrät bereits ein wenig, über die Intention des dem Kurator:innenteam Andreas Fogarasi und Astrid Peterle. Sie haben zwölf österreichische und internationale Künstler:innen ausgewählt, die grundlegende Materialien, die unsere gebaute Umwelt prägen, in den Fokus genommen haben, die aus dem ewigen Kreislauf von Bauen und Abreißen, von Nützlichkeit und Hinfälligkeit, nicht wegzudenken sind. Ausgestellt sind Werke von Daria Koltsova, LITTLE WARSAW, Markéta Othová, Bianca Pedrina, Nick Relph, Iris Touliatou und Christoph Weber. „‚We build houses. We take them apart‘, beschreibt keinen Widerspruch, sondern einen Kreislauf. Bauen und Zerstören sind keine Gegensätze, sondern zwei Seiten derselben Kulturtechnik. Die Ausstellung ‚The Material Show‘ untersucht genau diesen Prozess, denn Ressourcen sind endlich. Böden sind umkämpft. Städte werden verdichtet. Gleichzeitig stehen Gebäude leer“, erläutert MQ Direktorin Bettina Leidl die Intention.

Das Ausstellungskonzept basiert auf der langjährigen Auseinandersetzung von Andreas Fogarasi mit künstlerischen Positionen, die ein gemeinsames Interesse verbindet und durch ihre Praxis in Kunst und Forschung eben ihren Blick auf Materialien lenken, die solange unbemerkt bleiben und der allgemeinen Wahrnehmung entgehen, bis sie nicht mehr funktionieren oder eben zerstört werden. Mit den ausgewählten Künstlerpositionen möchte man auch auf die aktuellen Entwicklungen im Stadtgefüge verweisen, die den Abbruch von Bauwerken nach einer erst kurzen Lebensdauer ermöglichen. Die Ausstellung reagiert damit auf jüngste Bauvorhaben wie der Abriss des mittlerweile allbekannten Kaufhaus lamarr, das soeben als Rohbau fertiggestellt, bereits zu einem Großteil abgebrochen wurde, um einem Neubau Platz zu machen, oder das ohne viel Aufhebens abgerissene dezent und einfühlsame Sophienspital entlang des Mariahilfer Gürtels, das in … von Architekt Martin Kohlbauer errichtet, nun durch vier 12-geschoßige Wohntürme – die ebenfalls seiner Feder entspringen – ersetz wurde. Bauten wie diese wiederspiegeln die Dringlichkeit, mit den Ressourcen schonender und wirtschaftlicher umzugehen, vor allem aus Gründen der voranschreitenden CO2-Belastung und Versiegelung ebenso wie der beunruhigenden Entwicklungen angesichts der Überhitzung unserer Städte.

In seinen Arbeiten – Installationen, Skulpturen, Videos und Fotos – befasst sich der in Wien geborene Künstler Andreas Fogarasi (*1977) mit dem Akt des Präsentierens und der Repräsentation. Seine Analyse gilt Orten, Städten, politischen Ideen oder historischen Ereignissen, die in Bilder einfließen lässt und wobei er sein Augenmerk darauflegt, welche Rolle Kultur – also Kunst, Architektur und Design – in diesem Prozess spielt. Im Mittelpunkt steht dabei immer wieder die kritische Auseinandersetzung mit den Mechanismen politischer Aneignung visueller Kultur heute: „dem Prozess der Kulturalisierung der Ökonomie – sei es durch kreative“ Arbeits- und Entlohnungsmodalitäten, durch Kultur als Motor von Stadtentwicklung und als Standortfaktor im Wettbewerb um Touristen, Investoren und einer entsprechenden öffentlichen Aufmerksamkeit.
Astrid Peterle, seit 1. Oktober 2025 kuratorische Leiterin im MuseumsQuartier, hat gemeinsam mit Fogarasi diese Gruppenausstellung kuratiert. Ihre Ausstellungen und Beiträge zur zeitgenössischen Kunst und Wiener Kulturgeschichte konzentrieren sich auf Performance-Kunst, Choreografie, Film, Fotografie und feministische Kunstpraxis.






