Das kleine Bergdorf Vrins liegt im schweizerischen Val Lumnezia – dem Tal des Lichts – im Kanton Graubünden. Inmitten einer atemberaubenden Bergkulisse ist der Ort für seine baukulturellen Bestrebungen und gelungene Dorferneuerung weit über die Grenzen der Schweiz hinaus bekannt. Hier lädt auch das Ferienhaus Cons 148 zum Innehalten ein.
Über das 20. Jahrhundert hinweg hatte Vrins mehr und mehr Einwohner:innen verloren und wurde in den 1980ger und 1990ger Jahren zu einem Modellprojekt der Stiftung Pro Vrin, die von der Gemeinde, der Meliorationsgemeinschaft, der kantonalen Denkmalpflege und der ETH Zürich zur Stärkung der dörflichen Infrastruktur und Wiederansiedlung ins Leben gerufen worden war.


Zu Beginn der 1980ger Jahre war es den Einwohner:innen des Bergdorfes gelungen, durch den Ankauf des noch freien Baulandes, den Ort jeglicher möglichen Spekulation zu entziehen. Es wurden damals Wiesen im Verhältnis 1:5 zusammengelegt, es siedelte sich ein Fleischer an und man gründete eine Genossenschaft. Und es wurde beschlossen, mehrere Gebäude neu zu errichten, die meisten jedoch als Blockhaus in Holz und in Anlehnung an die traditionelle Strickbauweise, die nicht nur ein dem historischen bestand ebenbürtiges Weiterbauen erlaubt, sondern auch durch den Aspekt des möglichen Vorfertigungsgrades und geringerer Errichtungskosten einen interessanten Aspekt darstellt. Das gelungene Modellprojekt fand aufgrund der weltweit akuten Problematik der Landflucht überregionale Bedeutung. 1998 wurde Vrin „für die sorgfältige Integration neuer landwirtschaftlicher Ökonomiegebäude ins Dorfbild“ der Wakkerpreis für seine Dorferneuerung verliehen. Seit 1972 wird dieser einmal jährlich vom Schweizer Heimatschutz vergeben, um Gemeinden in der Schweiz für beispielhaften Ortsbildschutz auszuzeichnen. Eng mit dem Modellprojekt Vrins und einem Adäquaten Weiterbauen verbunden ist der Architekt Gion A. Caminada, der, aus einer Vriner Bauernfamilie stammend, in seinem Heimatort eine Reihe von Bauten geschaffen hat, für die er die Tradition des Holzbaus weiterentwickelte. Es wurden etwa das Gemeindehaus, die angrenzende Telefonkabine, die Fleischerei ebenso wie die Totenstube unterhalb der Dorfkirche renoviert bzw. neu gestaltet.
Das Ferienhaus unterhalb der kleinen Bergkirche im Ortsteil Cons ist Teil dieser sich aus Walserhäusern zusammensetzenden architektonischen dörflichen Einheit.


Behutsam adaptiert
1801 war das Doppelwohnhaus in traditioneller Strickbauweise bzw. Blockbauweise errichtet worden und ursprünglich von zwei Familien bewohnt. Eine der Bauernhaushälften sowie das angrenzende Stallgebäude erwarben die heutigen Besitzer, mit der Intention das Ensemble zu erhalten und mit einigen vorsichtigen aber durchaus selbstbewussten Eingriffen an eine zeitgemäße Nutzung heranzuführen. Die Intentionen Gion A. Caminadas und seiner sensiblen Weiterentwicklung seines Heimatdorfes, die den historischen Gebäuden auf schlichte Weise zeitgenössische Perspektiven verleiht, wurden hierbei zum Vorbild.
Ein Aufenthalt in diesem sehr behutsam adaptierten Umfeld wird nicht zuletzt durch das unmittelbare Wohnerlebnis in diesem typischen Vriner Bauernhaus zum Erlebnis.
Hubert und Matthias Sanktjohanser zelebrieren mit ihrem Unternehmen Sanktjohanser den Manufakturgedanken und stehen damit in der Tradition verantwortungs- und rücksichtsvoller Handwerkskunst. In ihrem Vriner Bauernhaus verschmelzen historisch Konstruktives mit zeitgenössischen Elementen und schaffen ein Wohnumfeld, das zum bewussten Innehalten einlädt. Holz spielt auch nach der Adaptierung weiterhin eine Hauptrolle, nicht zuletzt auch als eine Art Reverenz vor dem Typus des Walserhauses und vor der meisterhaft bewahrten Identität des Dorfes. Dennoch stehen sich Alt und Neu gegenüber, allerdings geschieht dies in allen Bereichen in einem ausgewogenen sich gegenseitig ergänzenden Nebeneinander.

Einfühlsam modernisiert
Die Wandvertäfelungen und historischen Fußböden wurden weitestgehend erhalten und durch neue Holzverkleidungen und Dielenböden aus roher Weißtanne ergänzt. Die Grundstruktur des Hauses wurde erhalten, sodass im Eingangsbereich mit Garderobe und WC, neben der Schürstelle des Specksteinofens, der das Erdgeschoß beheizt, eine neue Treppe in die oberen Geschoße führt. Von hier aus gelangt man in die Stube mit langer Holzbank, großzügigem Eichentisch, Sofa und historischem Ofen oder in die Küche, die zum gemeinsamen Kochen einlädt. Die historischen Türen und tiefen Fensterbrüstungen wurden über alle Stockwerke hinweg erhalten und geben einen Eindruck einstiger Raumproportionen, die Raumhöhen jedoch hat man – um sich nicht in geduckter Körperhaltung bewegen zu müssen – auf knapp zwei Meter angehoben.
Im Obergeschoß finden sich ein Doppelzimmer sowie ein Einzelzimmer (mit einer weiteren Matratze für ein Kind), ein tannenholzvertäfeltes Bad mit großer Duschwanne. Ein großzügiger Gang führt zur Galerie im Dachgeschoß, wo zwei weitere Schlafräume – eines davon mit hellem Holz und Dachfenster, das andere mit geräumigem Bettpodest und antiken Holzoberflächen – noch mehr Platz bieten. Alle Schlafzimmer sind absichtlich wie einst nur temperiert, alle anderen Räume hingegen warm beheizt. Ein weiteres Highlight des Wohnhauses sind die im bewussten Kontrast zur historischen Hülle, puristisch aber äußerst einladend gelungenen Möbel, die aus der eigenen Manufaktur der Besitzer stammen und sehr gekonnt einen überzeugenden Bogen vom Gestern in das Heute spannen. Der Stall wird als Ausstellungsraum für weitere Möbel genützt. Ein vor der Witterung geschützter Außenbereich mit Sitzplatz, eine südseitige Hausbank und eine kleine Terrasse, bieten ausreichend Platz, um das Dorfumfeld zu betrachten und sich von dessen entspannter Ruhe anstecken zu lassen.




