Sieger des Velux-Architektur-Wettbewerbs 2025 ist mit Innauer Matt Architekten und ihrer ausgezeichneten Erweiterung des Heimatmuseums Bezau erstmals ein österreichisches Büro.
Dass Tageslicht nicht nur in gesundheitlicher Hinsicht in unserem Alltag eine große Rolle spielt und für unser Wohlbefinden sorgt, sondern auch von konstruktiver Bedeutung ist und dadurch auch gestalterisch so einiges zu bieten hat, zeigen die fünf ausgezeichneten Bauvorhaben, des diesjährigen Velux-Architektur-Wettbewerbs. Prämiert wurden Raumkompositionen höchster architektonischer Qualität, die angesichts unterschiedlichster Nutzungsanforderungen nicht nur funktionell überzeugen, sondern auch beweisen, dass Licht schon längst zum unverzichtbaren Werkzeug jedes Planenden gehört und bei der Gestaltung lebenswerter Räume durchaus eine Hauptrolle übernimmt.


Verweben von Alt und Neu
Siegerprojet ist das von Innauer Matt adaptierte Heimatmuseum in Bezau, das seit über 100 Jahren in einem typischen Bregenzerwaldhaus mit schindelverkleideten Fassaden und breit gelagertem Giebel angesiedelt ist.
Der Kern des Gebäudes geht auf das 16. Jahrhundert zurück und hat über die Zeit einige Erweiterungen und Aufstockungen erlebt. Nun wurde der Bau auf einer Grundfläche, die dem einstigen Stall entspricht, um einen dreigeschoßigen Anbau erweitert. In dessen Innerem wurden die eher dunklen historischen Räume, mit all ihren sichtbaren Gebrauchsspuren lediglich konserviert und stehen somit im bewussten, gelungenen Kontrast zu den neu gestalteten Bereichen, in deren hellen Holzoberflächen sich das einfallende Licht reflektiert. Entstanden ist ein spannendes Wechselspiel aus hohen und niedrigen Räumen, von Licht durchfluteten Bereichen wie Foyer, Ausstellungsräume und Treppenbereiche, in die Tageslicht von oben oder seitlich einfällt, und niedrigen, eher dunklen Räume im Altbau, mit seinen Stuben und einer Flurküche, die unangetastet erhalten blieben. Im Anbau befinden sich Kassenbereich, weitere Ausstellungsräume sowie WC- und Lagerräume. Trotz seiner ebenfalls niedrigen Raumhöhen vermittelt die neue zentrale Zone mit ihren weiß gekalkte Fichtenholzdecken und -wänden im Gegensatz zum historischen Teil, einen luftig-freundlichen Eindruck. Über Dachfenster – die motorgesteuert die Ausstellungsräume belüften und kühlen – wird das einfallende Licht durch Holzlamellen blendfrei gestreut und für angenehm diffuses Licht gesorgt, das alle Raumschichten sanft miteinander verbindet.
Mit Innauer Matt Architekten gewinnt erstmals ein österreichisches Team diesen Wettbewerb.„Durch zeitgemäße Interpretation von traditionellem Handwerk und Materialität verweben Alt und Neu im Museum Bezau miteinander“, vermerkt die internationale Fachjury in Ihrem Protokoll, und meint „im Hinterhaus eine beinahe musikalische Raum-Lichtkomposition, die man von außen nicht erwarten würde“, auszumachen.

Ruhige Einfachheit
Auf Platz zwei landete der Kindergarten Horn von Lukas Imhof Architektur, Zürich. Das Raumkonzept des Neubaus am Schweizer Bodenseeufer inspiriert sich an den hohen Hallenräumen und farbigen Nischen von Bauten der englischen Arts- and Crafts-Bewegung sowie an der deutschen Reformarchitektur.
In ihrer Beurteilung hebt die Jury „die ruhige Einfachheit, die der Kindergarten Horn ausstrahlt, die sich durch alle Facetten des Baus zieht“, hervor. Sie erwähnt den großzügigen zentralen Bereich, der von niedrigeren, geschlossenen Baukörpern und Wandflächen umfasst und von unterschiedlichen Raumhöhen, Farben, Materialien und Lichtqualitäten gegliedert wird. Auch das Wechselspiel aus Großraum und Rückzugsnischen, das eine Vielzahl von Nutzungsoptionen für unterschiedliche Bedürfnisse erlaubt, wird in der Beurteilung positiv angemerkt. Tageslicht gelangt auf zwei Wegen in das Innere: einerseits über die raumhohen Fenster, durch die Innen und Außen miteinander verschmelzen sowie über kreisrunde Deckenausschnitte, durch die angenehm dezentes Licht den Raum flutet. „Der Übergang zwischen den runden Deckenausschnitten und den rechteckigen Flachdachfenstern ist geometrisch und handwerklich gekonnt gelöst,“ merkt die Jury an.
Spannende Dachräume
Den dritten Platz teilen sich drei Bauten: der Dachgeschoßausbau Balth in Köln von Demo Working Group, Köln, das Projekt „Sanierung und Dachgeschoßausbau Sekundarschule Pestalozzi, Basel“ von MET Architects, Basel ebenso wie der „Umbau des ehemaligen Pfarrhauses Elisabethen“ in Basel der Baseler Vécsey Schmidt Architekt:innen.


Beim Dachgeschoßausbau Balth wurde der Dachraum eines Mehrfamilienhauses der Jahrhundertwende zur Wohnung für eine vierköpfige Familie umgestaltet. Man vergrößerte das Dachvolumen mittels einer neuen Stahl-Holz-Hybridkonstruktion und schuf zwei darunter liegende Wohnebenen, die durch sichtbar belassene Massivholzdecken getrennt sind. Zum verbindenden und räumlich spannenden Element wurde der straßenseitige zweigeschoßige Wohn- und Essbereich. „Belichtet wird über die Dach- und Fassadenfenster in unterschiedlichen Raum- und Einbauhöhen. Dabei übernehmen die Dachfenster neben den Ausblicken auch die Belichtung der Galerieebene, eines sonst unbelichteten Bads und tiefer liegender Flächen im Haus. Die Mehrgeschoßigkeit einiger Bereiche mit Licht- und Sichtverbindung lassen eine spannungsvolle und dynamische Tageslichtatmosphäre erwarten“, hebt die Jury in ihrem Protokoll hervor.

Die Pestalozzi Schule in Basel, 1891-93 errichtet, steht unter Denkmalschutz. Bereits von Diener & Diener 2003 saniert, wurden MET Architects 2019 mit einer Nutzungsanpassung und energetischen Sanierung beauftragt. Wesentlicher Bestandteil dieser Maßnahme war der Ausbau des Dachgeschoßes zu Lehrräumen für textiles Werken, Lagerräumen für Textil und Zeichnen sowie einer Mediathek. Neue, motorisierte Dachfenster sorgen nunmehr für Licht und Frischluft in Gängen und Unterrichtsräumen. Die Jury unterstrich das „Spannungsfeld serieller Tageslichtöffnungen und individueller Raumzuschnitte“ und vemerkte: „Den Architekten ist es gelungen, die Symmetrie der Fassaden trotz der Asymmetrie des Grundrisses und der komplexen Dachkonstruktion bis ins Dach fortzuführen“.

Auch der nächste drittgereihte Bau befindet sich in Basel: Das ehemalige Pfarrhaus Elisabethen in der Basler Innenstadt 1867 als durch die Pfarrei zu nutzendes Wohnhaus errichtet. In der Vergangenheit mehrmals umgebaut, waren zusätzliche Wohnungen vorzusehen. Vécsey Schmidt übernahmen die Fassaden- und Dachsanierung des denkmalgeschützten Baus, sowie den Umbau des ersten Obergeschoßes und Ausbau der Dachgeschoße. Der historische Dachstuhl, neue Dachelemente aus Massivholzplatten, alte und neue Bodendielen und wiederverwendete Dachbodentüren bestimmen nunmehr die Atmosphäre der Arbeitsräume. Über motorisch gesteuerte Flachdach-Fenster gelangt nunmehr Licht tief in den Raum und sorgt für die nötige Belüftung. Kleinere, manuell bedienbare Dachfenster belichten die Arbeitsplätze und eröffnen einen Ausblick über die Stadt. Ein weit ausklappbares Ausstiegsfenster führt auf die Dachterrasse. „Mit ihrer Umnutzung des ehemaligen Pfarrhauses haben Vécsey Schmidt Architekt:innen die Herausforderungen des Bauens im Bestand exemplarisch gelöst“, so die Jury.

Licht als Rohmaterial
Der seit 2005 vom Tageslichtspezialisten Velux ausgelobte Wettbewerb prämierte heuer bereits zum 14. Mal außergewöhnliche Tageslichtkonzepte. Aus den eingereichten 79 Projekten aus Deutschland, Österreich und der Schweiz wurden schließlich ein Neubau sowie vier Umbauten und Bestandssanierungen als preiswürdig eingestuft.
Die Fachjury 2024/25 bestand aus dem Preisträger des Velux Architektur-Wettbewerbs 2022 Chris Schroeer-Heiermann (Architekturbüro Schroeer-Heiermann, Köln), Peter Hutter (Architekturbüro Barão-Hutter Atelier, St. Gallen), Klaudia Ruck (Winkler + Ruck Architekten, Klagenfurt), Jakob Schoof (stellv. Chefredakteur DETAIL, München) sowie Christian Krüger (Leiter des Architektur-Teams bei Velux Deutschland, Hamburg).
Die Bewertung der Juror:rinnen wurde auch an speziellen Fragen festgemacht, wie etwa: Haben Überlegungen zum Tageslicht den Entwurf von Anfang an mitbestimmt? Wie passen Licht- und Raumkonzept zusammen? Wo sind die Fenster platziert und wie wird deren Licht im Raum gelenkt, gebrochen, an Materialoberflächen reflektiert?
Besonders überzeugt hat die Jury letztlich, dass die eingereichten Beiträge allesamt Licht, das etwa durch Dachfenster oder herkömmliche Fensteröffnungen einfällt, lediglich als Rohmaterial betrachten, mit dem der Innenraum mit konstruktiven Detaillösungen weiter geformt wird – und dadurch Raum mit Qualität und Atmosphäre entstehen kann. Allen Siegerprojekten ist gemeinsam, dass sie aus dem Bestand und den sich daraus ergebenden Einschränkungen heraus entwickelt wurden und feinfühlige, bisweilen überraschende Lichtlösungen generiert wurden.
Von der Bedeutung des Tageslichts
„Ein Raum ist kein Raum ohne natürliches Tageslicht”, meinte schon Louis Kahn. Er sah Tageslicht als wesentlichen Bestandteil von Architektur und Design. Laut physikalischer Betrachtung kann Licht emittiert, übertragen, absorbiert oder reflektiert werden. Licht, das in den Innenraum einfällt, bleibt für das bloße Auge so lange unsichtbar, bis es auf eine Oberfläche trifft. Der Weg, den das Licht zurücklegt, zeigt dennoch Wirkung, denn „ebenso wie die Architektur durch das Licht definiert wird, verändert sich das Licht selbst durch seine Wechselwirkung mit der architektonischen Form“ (The Secret Life of Light – Daylight and Architecture).
„Eine erfolgreiche Tageslichtplanung erfordert Überlegungen in allen Phasen des Bauprozesses“, dieses Motto steht am Ausgangspunkt des von Velux ausgelobten Architektur-Wettbewerbs Licht.Raum.Mensch. mit dem wertvolle und inspirierende Einblicke in die Herangehensweise einzelner Architekt:innen und ihrer Büros an die verschiedenen Aspekte des Tageslichts im Mittelpunkt stehen.
Ziel der Auslobung des Velux-Architektur-Wettbewerbs ist es, das Bewusstsein für das Thema zu schärfen und innovative Ansätze zu fördern.
Mehr zum Thema natürliches Licht findet man unter Daylight and Architecture, wo man dem dynamischen Charakter des Tageslichts auf den Grund gehen kann.
Mehr Informationen zum Velux-Architektur-Wettbewerb






