Tropennächte sind längst kein Fremdwort mehr. Städte heizen sich immer mehr auf, versiegelte Flächen, dichte Bebauung und zu wenig Grün ebenso wie Abwärme von Klimaanlagen und Verkehr tragen zur steigenden Hitzebelastung bei. Die Ausstellung „Too Hot – Heiße Städte, neue Wege“ des DAM-Deutsche Architekturmuseum Frankfurt am Main zeigt bis 7. Februar 2027 den Umgang mit Klimaveränderungen am Beispiel dreizehn europäischer Städte.
Vor allem Städte sind anfällig für Hitzebelastung, Lebensqualität und Gesundheit werden schwer beeinträchtigt. Längst beschäftigen wir uns intensiv mit der Frage, wie Städte im Umgang mit der ansteigenden Hitze adäquater gestaltet werden können.
An der Boku University Wien etwa werden Ursachen und Auswirkungen städtischer Überwärmung anhand zahlreicher Projekte erforscht und man sucht, praxisnahe Gegenmaßnahmen zu entwickeln: von grüner Infrastruktur über gezielte Bewässerung bis hin zur Nutzung erneuerbarer Energien. Nun liefert eine Studie der Boku gemeinsam mit Forschungspartnern zum urbanen Kältebedarf in Österreich 2030/205 erstmals eine umfassende und geografisch detaillierte Analyse des künftigen Kühlbedarfs von Gebäuden in Österreich. Die Ergebnisse sollten ein Weckruf für Politik, Städteplaner:innen und Energieversorger sein. Denn bis 2050 könnte sich die Anzahl der sogenannten Kühlgradtage – der entscheidende klimatische Faktor für den Kältebedarf – österreichweit um über 40 Prozent gegenüber dem Stand von 2021 erhöhen, auch höher gelegene Regionen werden sich stärker als bisher erwärmen. Hitze wird insbesondere für Städte zur Herausforderung. Steigender Kühlbedarf ist das Resultat von Klimawandel, räumlicher Dynamik und Urbanisierung sowie wachsendem Wohlstand und den damit verbundenen höheren Komfortansprüchen. „Je nach Szenario wird (allein für Österreich) 2050 ein absoluter Kältebedarf von bis zu 6,3 Terawattstunden prognostiziert, ein erheblicher Anstieg im Vergleich zum aktuellen Kältebedarf von 2,5 Terawattstunden (2021), der sowohl ökologische als auch ökonomische Konsequenzen hat“, betont Lore Abart vom Institut für Raumplanung, Umweltplanung und Bodenordnung an der Boku.

Wie kann die Zukunft aussehen?
Neben dem Klima und dem Ausmaß an Wohn- und Büroflächen wird der Kühlbedarf vor allem durch Fensterqualität, Sonnenschutz, Glasanteil der Fassade sowie Wärmedämmung der Außenwand ebenso wie durch die Wahl der eingesetzten Baumaterialien beeinflusst. Dabei spielen auch das angestrebte Komfortniveau im Innenraum sowie die Gebäudenutzung eine große Rolle – etwa bei Wärmelasten aus Geräten oder Personenbelegung. Aber auch der Gestaltung der Außenräume, Fassaden- und Dachbegrünungen, einer möglichst zusammenhängenden Bepflanzung von Straßen, Plätzen und Grünanlagen mit Bäumen, oberflächlichen Wasserläufen oder verkehrsberuhigten Zonen muss in Zukunft mehr Augenmerk zukommen.
Die spürbaren Folgen des Klimawandels wie Hitze, Dürre, Wasserknappheit und Überschwemmung machen deutlich, wie dringend urbane Räume neu gedacht und gestaltet werden müssen. Städte verursachen den größten Anteil an CO₂-Emissionen und tragen daher eine besondere Verantwortung, etwa beim Umbau von Infrastruktur und öffentlichem Raum. Viele von ihnen wollen in den nächsten fünfzehn Jahren klimaneutral werden. Aber was bedeutet dies für die Zukunft – für Planung, Architektur und Leben in der Stadt?
Diesem Thema widmet sich die Ausstellung im DAM und zeigt Beispiele aus dreizehn europäischen Städten unterschiedlicher Klimazonen, von der Kleinstadt bis zur Metropole, die auf die Klimakrise mit konkreten Maßnahmen für Klimaschutz und Anpassung reagieren. Zu sehen sind u.a. gebaute Projekte und strategische Planungen ebenso wie zivilgesellschaftliche Initiativen. Es wird verständlich, wie vielfältig dieser notwendige Wandel aussehen kann und von welchen sozialen Fragen und gesellschaftspolitischen Diskursen er begleitet wird.
Too Hot! richtet sich an die Stadtgesellschaft aller Altersgruppen, an kommunale Entscheidungsträger:innen, an die Fachöffentlichkeit und an ein internationales Publikum.
Kuratiert haben die Schau Katharina Böttger, Jonas Malzahn und Mathias Schnell (studio central) in Zusammenarbeit mit Philipp Deilmann und Architects for Future. Wissenschaftlich unterstützt wird die Ausstellung durch die Dialog-Plattform Helmholtz Klima.

Das Begleitprogramm
Im Kontext der Ausstellung „Too Hot – Heiße Städte, neue Wege“ findet eine begleitende sechsteilige Vortragsreihe statt, veranstaltet von der bdla Hessen e.V. – mit dem Schwerpunkt klimaangepasste Freiraumplanung zum bdla Kampagnenthema 2026: „Landschaftsarchitektur – Klimawandel – Gesundheit“.
Denn angesichts der zunehmenden Hitzebelastung, länger anhaltender Trockenperioden, Starkregenereignissen und Wasserknappheit wird deutlich, dass Freiräumen eine Schlüsselrolle bei der Widerstandfähigkeit unserer Städte zukommt. Städtische Freiräume sind zentrale Stellschrauben für Klimaschutz und Klimaanpassung, sie beeinflussen nicht nur das Mikroklima, sondern auch Wasserhaushalt, Biodiversität aber vor allem auch Gesundheit und Aufenthaltsqualität für den Menschen. Die Vortragsreihe möchte diese Ansätze beteiligter Landschaftsarchitekt:innen vertiefen und diese um interdisziplinäre Perspektiven aus dem Bereich Klimawandel und Gesundheit ergänzen. Ein spezieller Fokus kommt dabei der Rolle der Landschaftsarchitektur als gestaltende und strategische Disziplin zu. Denn sie verdeutlicht, wie Freiraumplanung als integraler Bestandteil einer sozial gerechten, klima-angepassten Stadtentwicklung wirken kann – und welche Verantwortung und Chancen sich daraus für die Landschaftsarchitektur ergeben.

29. Juli 2026, 19 – 21 Uhr
Stresstest – Weckruf an Planerinnen und alle, die Stadt ihr Zuhause nennen, Gabriele G. Kiefer, Landschaftsarchitektin bdla, Büro Kiefer, Berlin, Kuratorin Deutscher Pavillon Biennale Architettura 2025, Departement Architektur I Institut für Landschaftsarchitektur, TU Carolo Wilhelmina zu Braunschweig Maximum Green On minimal Space, Nicola Stattmann, Co-CEO von OMC°C, Office for Micro Climate Cultivation GmbH, Frankfurt / Main
26. August 2026, 19 – 21 Uhr
Klima und Gesundheit – Transformativ handeln im Kontext planetary Health, Friederike von Gierke, Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit Deutsche Allianz Klimawandel und Gesundheit e. V. (KLUG), Frankfurt
Heisse Strände, kühler Boulevard – Die klimafitte Transformation der Praterstraße in Wien,
Robert Luger, Daniel Zimmermann, 3:0 Ziviltechnikergesellschaft FlexCo Ingenieurkonsulent Landschaft, Wien
30. September 2026, 19 – 21 Uhr
Trees, Time, Landscape-Architecture!, Ferdinand Ludwig, Professur Green Technologies in Landscape Architecture, TUM Technische Universität München, Zentrum Stadtnatur und Klimaanpassung ZSK, TUM
Transformation eines Hafengebietes in Schweden, Marc Pouzol & Véronique Faucheur, Atelier le balto, Berlin
14. Oktober 2026, 19 – 21 Uhr
Hitze in Städten – Messung, Modellierung und Klimaanpassung, Meinolf Koßmann, Deutscher Wetterdienst, Offenbach, Abteilung Klima- und Umweltberatung, Referat
Grüne Infrastrukturen: Wirksame Hebel gegen den Klimawandel, Henri Bava, Agence Ter, Karlsruhe, Paris
20. Jänner 2027, 19 – 21 Uhr
Mehr als nur Grün. Stadtnatur für mehr Lebensqualität und Biodiversität, Julia Krohmer, Geoökologin, Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung, Frankfurt am Main
formfollowsclimate – Bausteine einer klimaresilienten Stadtentwicklung, Tobias Baldauf, Landschaftsarchitekt und Stadtplaner, bauchplan ).( Landschaftsarchitektur und Stadtplanung PartmbB, München
3. Februar 2027, 19 – 21 Uhr
Klimakrise und Gesundheit – Auswirkungen des Klimawandels auf die Gesundheit, Annette Peters, Direktorin am Institut für Epidemiologie, HelmholtzKlima, München
Landschaftsarchitektur und die gesunde Stadt, Christian Werthmann, Professor for Landscape Architecture and Design, Institut für Landschaftsarchitektur, Leibniz Universität Hannover
Im Vorfeld der Vorträge im DAM Auditorium wird um 18:00 Uhr ein geführter Rundgang durch die Ausstellung angeboten. Die Teilnahme ist im Museumseintritt inbegriffen.
Die Vortragsreihe wird veranstaltet vom Bund Deutscher Landschaftsarchitekt:innen bdla Landesverband Hessen e.V., Stuttgart in Kooperation mit dem Deutschen Architekturmuseum (DAM), Frankfurt am Main, Bund Deutscher Architektinnen und Architekten BDA Hessen e. V., Frankfurt am Main






