Das TurnOn Architekturfestival 2026 ist zurück. Von 12. bis 14. März erwartet das Publikum im RadioKulturhaus und im livestream erneut eine ganze Reihe spannender Projektberichte. Das Motto dieses Jahres „kreative Dissonanzen“ macht neugierig.
Mit diesem etwas widersprüchlich scheinenden, einprägsamen Begriff möchte die Festivalgründerin und kuratorische Leiterin Margit Ulama die Aufmerksamkeit auf innovative Ansätze der Architektur lenken – denn „ein neuer Blickwinkel sei heute auch in der Architektur mehr gefordert, denn je“. Aber kann das Dissonante auch Positives implizieren und nicht nur Negatives bedeuten? Diese Frage stellt sich das Festival 2026.
Es sei eben diese Dissonanz, so meint Ulama, die einen äußerst produktiven Aspekt in sich vereine und damit auch die heutige Zeit mit ihren fundamentalen Umbrüchen widerspiegle.
Seit 2023, dem Gründungsjahr des Festivals steht die Präsentation eines möglichst heterogenen Spektrums architektonischer Themen im Mittelpunkt. Und so sollen auch weiterhin Vielfältigkeit und Gegensätzlichkeit der architektonischen Produktion eben im Sinne einer die Kreativität beflügelnden Dissonanz anhand zahlreicher Projekte zu Wort kommen. Eine Dissonanz im Sinne einer aus dem Widerspruch von Entscheidung und Wahrnehmung, hervorgehenden inneren Spannung, die nun anhand diverser Werke der Architektur nicht nur zur Uneinigkeit führen muss, sondern durchaus auch zur Veränderung des Blickwinkels anregen und zu einem neuen Verständnis führen mag.

Umweltverantwortung
Besonders interessant verspricht auch der Festvortrag zu werden, wird dieser doch diesmal von zwei jungen Architekt:innen gehalten, nämlich von Aimée Michelfelder und Jurek Brüggen, des Büros AFEA – Association for Ecological Architecture, das sich der „Neudefinition der Rolle der Architektur bei der Schaffung nachhaltiger und biodiverser Gemeinschaften“ verschrieben hat, wie auf deren Website zu lesen ist. Denn – so heißt es dort weiter – „indem sie sich auf ökologisch bedeutende Initiativen statt konventionnelle Kommissionen konzentriert, integriert AFEA Umweltverantwortung in jeden Aspekt ihrer Praxis“.
Beim Turn On Festival 2025 hatten die beiden als Vortragende den Umbau eines Plattenbaus aus DDR-Zeiten in ein Einfamilien- und Terrassenwohnhaus präsentiert, um damit den vor Kurzem noch verpönten und dem Abriss geweihten Bautypus zu transformieren und mit einer konträren Nutzung zu überlagern. Eben – wie Ulama unterstreicht – ganz im Sinne des diesjährigen Mottos der „kreativen Dissonanz“. Den Festvortrag an die beiden Architekt:innen, die noch am Beginn ihrer Karriere stehen, zu vergeben, ist in der Geschichte des Festivals durchaus ein Novum, aber gleichsam die logische Konsequenz, der in diesem Begriffspaar verborgenen vielfältigen Implikationen. So scheinen die beiden Vortragenden die absolut richtige Wahl, um brennende Fragen der Gegenwart anzusprechen und damit auch die folgende Fragestellung, die den immer bedeutender werdenden Umgang mit dem Bestand miteinschließt: „Welche neuen Perspektiven können Architekt:innen in der gegenwärtigen, immer komplexeren Arbeitswelt entwickeln?“

Zum Programm
Am Eröffnungstag sowie am Freitag stehen traditionsgemäß Projektvorträge von Architekt:innen im Dialog mit Vertreter:innen der Bauwirtschaft, mit Unternehrmer:innen und Auftraggerber:innen auf dem Programm, um konstruktiven und auf das eingesetzte Material bezogene Fragen des Entstehungsprozesses gemeinsam zu erläutern. Der Blick wird auch auf die eingesetzten Materialien und Bautechniken gelenkt, wobei industrielle Vorfertigung und Handwerkstradition längst keine Gegensätze mehr sein müssen sondern vielmehr neues kreatives Potenzial versprechen. Am Samstag gehört die Bühne wie immer allein den Planer:innen, die ihre architektonischen Projekte vorstellen. Erstmals werden auch Start-Ups in diesen Diskurs miteinbezogen werden. Und auch ein Gastland darf nicht fehlen, diesmal ist dies Portugal mit dem Büro Branco del Rio und dessen klarer und präziser Architektur, dem Einsatz natürlicher lokaler Baustoffe auch im Sinne des Re-Use Gedankens und umsichtiger Stadtplanung. Ebenso vertreten Ricardo Bak Gordon, der für eine zeitlose Architektursprache steht. Und dem Thema der künstlichen Intelligenz in der Architektur ist die diesjährige Podiumsdiskussion des Turn On Talks Freitag Nachmittag gewidmet.

Ganz im Sinne des Festivals, das sich seit Anbeginn zum Ziel gesetzt hat, Einblick in möglichst heterogene Facetten der Architekturproduktion zu geben, werden an den drei Veranstaltungstagen unterschiedliche Bauaufgaben und Entwurfspositionen vorgestellt. Auch dieses Jahr geht es dabei um die Aspekte des Umgangs mit dem baulichen Bestand ebenso wie ungewohnte, andersartige Blickwinkel nicht fehlen dürfen, denn „ein dissonantes Spiel der Methoden kann Neues eröffnen“, was Margit Ulama auch mit dem diesjährigen Turn On Festival zu erreichen erhofft.
Turn On Festival 2026
12. bis 14. März






