Die Wiener Galerie Rauminhalt im 2. Bezirk zeigt noch bis 4. Oktober mit der Ausstellung des provokanten Titels „Tötet Canaletto“ aktuelle Arbeiten des Künstlerkollektivs Steinbrener/Dempf & Huber zum sogenannten „Canaletto-Blick“. Im Mittelpunkt steht dabei jener allbekannte, ikonische Blick vom Oberen Belvedere auf die Wiener Innenstadt, die sich auf die berühmte Stadtvedute Bernardo Bellottos (genannt Canaletto) aus dem Jahr 1761 bezieht und die „Unesco Weltkulturerbestadt“ Wien vor architektonischen und städtebaulichen Eingriffen schützt. Der barocke – schon damals idealisierte – Blick über Wien wurde nicht nur zum touristischen Leitbild, sondern auch zum konservatorischen Instrument, das Stadtentwicklung reguliert und damit bremst. Diesen „Canaletto-Blick“ nehmen Steinbrener/Dempf & Huber als Ausgangspunkt, um dieses Bild-Topos mit Papierschnitten, Dioramen und Fotos zu attackieren.
In einem zweiten Teil der Ausstellung führt der Diskurs auf eine andere Ebene: Zu sehen ist eine Reihe von präparierten und manipulierten Tieren, die mit surrealen Methoden das Verhältnis von Zivilisation und Natur reflektieren. Die wissenschaftliche Anmutung der Skulpturen wird durch künstlerische Eingriffe gebrochen. Die Tier-Präparate sind sowohl im Original, als auch in Form von Abbildungen ausgestellt.
Auch im öffentlichen Raum sorgt das Künstlerkollektiv Steinbrener/Dempf & Huber (Bildhauer Christoph Steinbrener, Fotograf und Grafiker Rainer Dempf, Architekt Martin Huber) mit seinen Arbeiten immer von neuem für Aufsehen. In ihren Werken wird die fortschreitende Kommerzialisierung des öffentlichen Raums ebenso thematisiert wie das Verhältnis von Stadt und Landschaft durch den Tourismus. Nach dem „Capricorn Two“ am Bismarck-Denkmal in Hamburg (2015) kommentierten sie 2022 mit ihrer Installation „Victory Spikes“ auch das Siegestor in München.
Das Schaufenster ihres Gassenlokals im 2. Wiener Gemeindebezirk nützt das Kollektiv seit mittlerweile 10 Jahren regelmäßig mit ihrer Wandzeitung, als Ausstellungs-Projekt im öffentlichen Raum.

Abbildung: Steinbrener/Dempf & Huber
„Wir leben in potemkinschen Dörfern, die nur der Tourismusindustrie nützen! Wie kann es sein, dass ein fast 300 Jahre altes Bild zum visuellen Dogma für unsere gegenwärtige Stadt wird? Airbnb ist mitverantwortlich für explodierende Mieten in ganz Europa. Um den kulturellen und sozialen Verwüstungen durch Massentourismus zu begegnen, sollte Wien seine touristischen Highlights für die Bevölkerung zurückerobern. Der Stephansdom muss zu einem sozialen Wohnbau werden!“, formuliert es das Kollektiv gewohnt provokant.
Der rote Faden der Ausstellung: Das Verhältnis von Original und Abbild. Hier schließt sich auch der Kreis zu Canaletto, dessen Original -Stadtpanoramabild von Wien aus der tatsächlichen Stadt das Abbild eines alten Werkes macht.
Bis 4. Oktober 2025
www.rauminhalt.com
www.steinbrener-dempf.com






