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Friedl Kubelka, Neuffers Zimmer, 1974, Foto: Johannes Stoll / Belvedere, Wien, © Bildrecht, Wien 2026 für Friedl Kubelka

Friedl Kubelka, Neuffers Zimmer, 1974, Foto: Johannes Stoll / Belvedere, Wien, © Bildrecht, Wien 2026 für Friedl Kubelka

in sehenswert

Überall zu Hause

Redaktionvon Redaktion
4.02.2026

Friedl Kubelka ist vor allem als Fotografin und Filmemacherin bekannt. Das Belvedere 21 zeigt nun erstmals (bis 7. Juni 2026) ihr zeichnerisches und malerisches Werk.

International hat sich Friedl Kubelka – als Filmemacherin ab 2009 unter dem Namen Friedl vom Gröller – mit ihren konzeptuellen Fotografien und experimentellen Kurzfilmen einen Namen gemacht. Wenig bekannt ist hingegen, dass sie seit Anfang der 1970ger Jahre auch in den Medien der Zeichnung und Malerei „zuhause ist“. Kubelka (geb. 1946) schuf mehr als 100 Zeichnungen und Gouachen, die bislang kaum öffentlich ausgestellt wurden. Ihre kleinformatigen phantastisch-realistischen Arbeiten auf Papier zählen zum persönlichsten ihres künstlerischen Schaffens, in denen auch dem umgebenden Raum der Handlung mehr als eine nur dekorative Rolle zukommt. Intim, detailreich und überraschend bunt, erzählen sie von Leben, Tod, Liebe, Lust, Eifersucht, Isolation von Freude und Ausgelassenheit.
So hat das Belvedere als einziges Museum weltweit für seinen Sammlungsbestand Kubelkas Gouache Neuffers Zimmer (1974) erworben: Es war Hans Neuffer, der Friedl Kubelka zu Beginn der 1970er Jahre, als sie ihre ersten künstlerischen Fotografien und Filme schuf, auch zum Malen und Zeichnen ermutigt hatte. Bis heute entstehen seither regelmäßig Arbeiten auf Papier.

Friedl Kubelka, Der Besuch, 1975, Foto: Johannes Stoll / Belvedere, Wien, © Bildrecht, Wien 2026 für Friedl Kubelka

Im Mittelpunkt der Mensch

Seit 1969 ist das Atelier in der Gartengasse, das phasenweise auch als Schul- und Therapieraum diente, Dreh- und Angelpunkt von Kubelkas gesamtkünstlerischem Schaffen. Für die Ausstellung im Belvedere 21 ist dieser zentrale Ort auch ein wesentlicher Bezugspunkt, denn eben hier arbeitet die Künstlerin stets im Kleinformat zwischen Fotografie, Film, Zeichnung und Malerei rigoros zum Thema „Menschsein“. Sie zeigt das Individuum und seine Gefühlswelt durchaus schonungslos und nützt dazu alle von ihr genutzten Medien.
Es ist jedoch die Unmittelbarkeit des Zeichnens und Malens, die ihr letztlich einen ungewöhnlich intimen, direkten und auch vulnerablen Ausdruck ermöglicht. Ihre farbenfrohen und detailreichen Gouachen erzählen kontemplativ von privaten Erlebnissen, Wünschen, Krisen und Träumen. Angelehnt an den Stil des Phantastischen Realismus und anfangs durch den Austausch mit Hans Neuffer, Friedensreich Hundertwasser und Franz West inspiriert, zeigen diese Werke einen stark narrativen Duktus. Dieses erzählerische Moment erprobt die Künstlerin auch in einigen ihrer Filme, in denen sie sich aber aufgrund des Mediums eine andere Ausdruckweise wählt. Charakterisiert die Gouachen, mit ihrem großen Detailreichtum ein opak-bunter Farbauftrag so zeigen sich die Filme eher puristisch, meist ohne Ton in strengem Schwarz-Weiß auf transparentem 16mm-Zelluloid. Trotz formaler Unterschiede ist jedoch eine interessante thematische Verwandtschaft zwischen den bewegten Bildern und ihren Arbeiten auf Papier zu erkennen, das diese Ausstellung zu erkunden sucht.

Neben einer Auswahl Kubelkas Arbeiten auf Papier ist in dieser Ausstellung auch filmisches Material von Friedl Kubelka vom Gröller zu sehen.

Friedl Kubelka, Nec Spe, Nec Metu (Ohne Hoffnung, ohne Furcht), 1985, Foto: Johannes Stoll / Belvedere, Wien, © Bildrecht, Wien 2026 für Friedl Kubelka

Friedl Kubelka / Friedl vom Gröller
(geb. Bondy) wird 1946 in London geboren und wächst in Ost-Berlin und Wien auf. Von 1965 bis 1969 absolviert sie die Klasse für Fotografie an der Graphischen Lehr- und Versuchsanstalt in Wien. Kurz vor dem Abschluss entstanden die ersten analogen Kurzfilme,1971 erhält sie ihren Meistertitel. Parallel zu ihrer künstlerischen Praxis arbeitete sie als Werbefotografin und entwickelte in der Auseinandersetzung mit angewandter und freier Kunst ab 1977 erste Vorträge und Workshops – wie etwa die „Klasse für künstlerische Photographie“. Aus dieser Initiative heraus, und lange bevor es an den Wiener Kunstuniversitäten einen Lehrstuhl für Fotografie gab, gründete sie 1990 die „Schule für künstlerische Photographie“ in der Gartengasse in Wien, die seit 2010 Anja Manfredi leitet. 2006 folgt die Gründung der „Schule für unabhängigen Film“, die seit 2013 von Philipp Fleischmann geleitet wird. 2005 erhält die Künstlerin den Österreichischen Staatspreis für Fotografie, 2016 folgt der Österreichische Kunstpreis für Film. Friedl Kubelka / Friedl vom Gröller lebt und arbeitet in Wien und Paris.

Bis 7. Juni 2026
Belvedere 21
www.belvedere.at

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