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Das Musée des Arts décoratifs et du Design de Bordeaux (MADD) ehrt das Gesamtwerk der viel zu früh verstorbene Designerin Pauline Deltour. Foto: 2016/Noel Manalili

Das Musée des Arts décoratifs et du Design de Bordeaux (MADD) ehrt das Gesamtwerk der viel zu früh verstorbene Designerin Pauline Deltour. Foto: 2016/Noel Manalili

in design

Unsterbliches Design

Christine Müllervon Christine Müller
1.05.2026

Das Musée des Arts décoratifs et du Design de Bordeaux (MADD) widmet dem Gesamtwerk der viel zu früh verstorbene Designerin Pauline Deltour bis 21. September 2026 eine Ausstellung. Kuratiert hat die Schau u.a. Konstantin Grcic – in dessen Münchner Atelier Deltour vor der Gründung ihres eigenen Studios vier Jahre gearbeitet.

2021 verstarb die französische Designerin, die damals bereits äußerst erfolgreich gewesen war, unerwartet mit nur 38 Jahren. Nun würdigt das MADD in Bordeaux ihrem in nur 10 Jahren entstandenen, durchaus umfangreichen Werk. Mit Pauline Deltour. Une apparente simplicité („Eine scheinbare Einfachheit“) ist ihr vielseitiges gesamtes Schaffen anhand von 180 Entwürfen und Objekten zu sehen.

„Pauline Deltour, une apparente simplicité„, MADD Bordeaux, 2026, Ausstellungsansicht, Körbe und Hocker aus der Kollektion A Tempo, Hersteller Alessi, 2010 Foto: Benoit Florençon

Scheinbare Einfachheit …

Einfühlsam als „Sternschnuppe des Designs“ bezeichnet, ehrt das MADD die Arbeit Deltours, die knapp nach ihrer Studiogründung 2010 für ihre erste für Alessi gefertigte Kollektion A Tempo, mit einem scheinbar unkompliziert aus Metalldraht geflochtenen Körbchen und einem luftigen Hocker rasch Bekanntheit erlangte. In der Folge schuf sie in unterschiedlichen Bereichen im Rahmen der erfolgreichen Zusammenarbeit mit weiteren bekannten Unternehmen eine ganze Reihe von Gegenständen, die auch heute Bestand haben. Etwa für COR designte sie erfolgreich u.a. Drop einen vielseitig einsetzbaren, farbenfrohen kleinen Hocker, dessen zylindrische Polsterung von einem Metallrahmen gefasst wird und der Dank seiner kleine Rollen unkompliziert und rasch verfügbar als durchaus bequeme Sitzgelegenheit verfügbar ist. Auch ein von ihr für die französische Post designtes E-Bikes ist in der Ausstellung präsent. Ausgestellt sind auch hunderte Zeichnungen, Fotos und Modelle, die im Archiv des Studio Pauline Deltour aufbewahrt werden, und einen Überblick über die Vielfalt ihrer Entwurfsaufgaben geben ebenso wie einen tieferen Einblick in die Herangehensweise an ihre Projekte und ihre Arbeitsweise erlauben. In den anlässlich ihres Todes erschienen Nachrufen wird die besondere Rolle der jungen Designerin deutlich. „Mit ihrem Charisma, ihrer eleganten Art und Leichtigkeit hat sie uns begeistert und inspiriert. Sie stand als junge Kreative für ein frisches, feminines sowie internationales Design. Als Trost bleibt die Gewissheit, dass sie in ihren Entwürfen weiterlebt“, schreibt etwa COR, einer von Deltours Auftraggeber:innen im September 2021. Dem renommierten Designjournalisten Thomas Edelmann (Stylepark September 2021) gelang anlässlich ihres Todes ein ebenso prägnanter wie einfühlsamer Text zum Ableben der begabten Designerin, „die die Welt verbesserte“,wie Edelmanns Beitrag titelte: „Sie fand rasch zu einer persönlichen Verbindung von Strenge und Zartheit, die bei vielen ihrer Projekte sichtbar wird. Ihre Begeisterung, sich auf Eigenheiten von Materialien einzulassen, mit denen sie arbeitete, wurde ebenso deutlich wie ihre Fähigkeit chromatisch abgestimmte Farben festzulegen. All dies waren keine Zutaten, sondern integrale Bestandteile jedes ihrer Projekte“. Edelmann sprach aus diesem Anlass auch noch einen grundlegend wichtigen Aspekt der Designproduktion an, und zwar Pauline Deltours Rastlosigkeit, denn sie hätte sich für jedes Projekt stets an ihre Grenzen gehend, verausgabt. „Ihr Tod ist Anlass zur Trauer, zur Erinnerung an eine große Designerin. Vielleicht sollten wir aber auch innehalten und nachdenken über jenes Entwurfssystem, das einen beständigen Strom des Neuen erzeugt, Designer:innen aber zwingt, Projekt an Projekt zu reihen. Ob ihr Produkt tatsächlich auf den Markt kommt, ob es länger als eine kurze Zeitspanne erhältlich ist und dazu beiträgt, die geleistete Arbeit angemessen zu bezahlen, liegt nicht in den Händen der Gestalter:innen. Daran sollte sich in einer Welt des permanenten Wandels dringend etwas ändern“, merkt Edelmann mahnend an.


„Pauline Deltour, une apparente simplicité”, MADD Bordeaux, 2026 , Ausstellungsansicht, Hocker Drop und Schreibtisch der Serie Floater für COR Sitzmöbel, 2017 (Großes Foto von Gerhardt Kellermann) Foto: Benoit Florençon

Kommode 356, designt 2018 von Pauline Deltour im Rahmen der Serie Digest für den italienischen Metallmöbel-Spezialisten Fucina Foto: Miro Zagnoli/Fucina

… die die Welt verbessert

Pauline Deltours außergewöhnliches Interesse für einsetzbare Materialien sowie für den Fertigungsprozess und die hierfür notwendigen Werkzeuge widerspiegelt auch ihr Interesse für die technischen Herausforderungen, die einem auf dem Markt erfolgreich zu positionierendem Produkt vorausgehen.
Das MADD legt in seiner Ausstellung den Fokus auf die Unterschiedlichkeit aller in ihrem Studio erdachten Objekte ebenso wie auf die Vielfalt der ihr gestellten Aufgaben, die ihre Tätigkeit kennzeichnet. Mit der Ausstellung möchte man aber auch beleuchten, dass ihre vielfältige und akribische Vorgehensweise sie immer wieder dazu veranlasste, den Kontakt mit dem traditionellen Handwerk zu suchen und hierfür in Japan, Italien, Kolumbien oder in den USA mit den Erfahrendsten ihres Fachs zusammenzuarbeiten und von deren Fertigkeiten zu lernen.
Mit der reichen Anzahl ausgestellter Objekte oder Möbel, die zum Teil auch weiterhin produziert werden und auf dem Markt erhältlich sind oder eigens für die Ausstellung angefertigt wurden, möchte man den Besucher:innen das vielfältige Werk der äußerst produktiven jungen Designerin nahe bringen. Anlässlich der Ausstellung erscheint eine Monografie mit Beiträgen von Anna Bernagozzi, Jonathan Olivares et Cloé Pitiot.

„Pauline Deltour, une apparente simplicité„, MADD Bordeaux, 2026, Ausstellungsansicht, Sofa der Serie Floater für den Hersteller COR Sitzmöbel, 2017 Foto: Benoit Florençon

Kurator:innen: Bérengère Bussioz, Konstantin Grcic, Caroline Perret et Etienne Tornier
Ausstellunsggestaltung: Caroline Perret (CPWH) et Konstantin Grcic, assistés de Claire Pondard (Pauline Deltour Design Studio)
Leihgeber:innen der ausgestellten Objekte: 1616 / arita Japan; 66 Origin; ames living; Cnap, Centre national des arts plastiques; COR Sitzmöbel; CVL Luminaires; Established & Sons; Fucina Design; HEM; Japan Creative; JEM Joaillerie Ethique Française; Moustache; Museo Alessi; Nicolas Tiry; Offecct; Origin Made; Pascale et Arnaud Deltour; Puiforcat; Shibafune Koide; Tolix; Trudon; TSATSAS; Turn Handles.

Pauline Deltour wurde 1983 in Landerneau, Frankreich, geboren. Nach einem BTS-Abschluss in Design an der Olivier de Serres (ENSAAMA) im Jahr 2004 begann sie ein Studium im Fachbereich Objektdesign an den Arts Décoratifs in Paris, das sie 2007 abschloss. Sie arbeitete vier Jahre lang für den Designer Konstantin Grcic in München und gründete anschließend ihr eigenes Studio. Seit Oktober 2010 lebte sie in Paris und verstarb 2021.
Ihr charakteristischer Stil war zugleich prägnant und feinfühlig, stets geprägt durch ihre Persönlichkeit. Präzision, die Klarheit der Linienführung, die Wahl der Farben und Materialien sowie die Zusammenstellungen und Kompositionen bestimmen die Identität ihrer Arbeit, die vom kleinen Objekt bis zur Innenarchitektur reicht.

Bis 21.09.2026
www.madd-bordeaux.fr

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