Architektin, Schifffahrtsingenieurin, Kauffrau, Finanzierin, Muse, Diplomatin, Richterin und Mutter der Republik: Acht weibliche Identitäten Venedigs von denen Diane von Fürstenbergs nur 48 Seiten starkes Büchlein Serenissima erzählt.
Illustriert wurde Serenissima, Solution & Seduction vom griechischen Maler und Multimedia Künstler Konstantin Kakanias, die Texte stammen neben Diane von Fürstenberg, von der Historikerin Tiziana Plebani, die in die Rolle Venedigs schlüpft und dessen Geschichte in der ersten Person erzählt. Das Ergebnis: ein Mosaik aus Worten und Bildern, das die Vergangenheit Venedigs mit einer ständig im Wandel begriffenen Gegenwart verbindet.
Was wäre wenn …
„Eines Tages“, so Carlo Ratti, Kurator der diesjährigen, 19. Architekturbiennale Venedig, „erzählte mir Diane, dass sie sich Venedig immer als Frau vorgestellt hatte, als ein geniales Geschöpf, das in der Lage ist, sich anmutig zwischen Lösung und Verführung zu bewegen. Da kam mir der Gedanke, das könnte auch eine perfekte Definition von Architektur sein. Und daraus entstand die Idee, Diane zur Biennale einzuladen“.
Diane von Fürstenberg selbst erklärt, der Wunsch, sich Venedig als Frau vorzustellen, „als außergewöhnliches Wesen, das seit über 1600 Jahren im Zentrum der Geschichte steht“, sei ihrer ganz persönlichen Fantasie entsprungen. „Als ich mehr und mehr die Geschichte Venedigs entdeckte, seine Kreativität, seine Stärke, seinen Mut und seine Widerstandsfähigkeit, konnte ich nicht anders, als Venedig als Frau zu sehen. Manche nennen sie die Dominante, die Königin der Adria oder die Braut des Meeres. Aber für mich ist sie vor allem die Serenissima: ein absolutes Symbol für Weiblichkeit, Eleganz und Intelligenz, ein geniales Geschöpf, das in der Lage ist, sich in der subtilen Kunst des Gleichgewichts zwischen Lösung und Verführung zu übertreffen“.



Für die Königin der Adria
Acht große Fahnen des Künstlers Konstantin Kakanias wehen entlang der großen Allee vor dem Zentralpavillon der Giardini der Biennale und sind integraler Bestandteil des Projekts La Libreria, der Buchhandlung der Architekturbiennale 2025, präsentiert von Diller Scofidio + Renfro, Diane von Fürstenberg, Schlaich Bergermann Partner, Transsolar. Die unmittelbar außerhalb des Gartenbereichs eingerichtete Bibliothek besteht aus leichten textilen Strukturen und ist Teil der Sektion der 19. Internationalen Architekturausstellung mit dem Titel „Venedig als Lebendiges Laboratorium (Living Lab)“.
Kakanias Bilder auf den Fahnen zeigen die acht weiblichen Gesichter Venedigs: Architektin, Schifffahrtsingenieurin, Kauffrau, Finanzierin, Muse, Diplomatin, Richterin und Mutter der Republik. Aus ihnen entstand letztlich die Idee des Buches „Serenissima. Solution & Seduction“, herausgegeben von Marsilio Arte. Neben den Illustrationen der acht Inkarnationen Venedigs als Frau, die Kakaniasschuf,erzählt Tiziana Plebani die intime und universelle Geschichte Venedigs.


Symbol mit vielen Bedeutungen
Als Diane Fürstenberg vor etwa vier Jahren die Venedig-Biografie des amerikanischen Historikers Thomas Madden las, stellte sie sich Venedig als jene Frau vor, die sie gerne gewesen wäre. „Als ich dann vor zwei Jahren Carlo Ratti in Davos kennenlernte, habe ich diese Idee wahrscheinlich auch mit ihm geteilt“, erinnert sie sich. „Und eines Tages, als er die Architekturbiennale vorbereitete und über die neue temporäre Buchhandlung nachdachte – als Ersatz für jene im Zentralpavillon der Giardini, die wegen Restaurierung geschlossen ist –, schlug er mir vor, meine Idee weiterzuentwickeln. Ich liebe Flaggen. Und nun wehen die Fahnen vor dem Bibliotheks-Pavillon der Architektin Liz Diller, mit der ich bereits in New York zusammengearbeitet hatte“, erklärt von Fürstenberg, wie es zu der Zusammenarbeit gekommen ist.
Und welche Bedeutung hat die Darstellung Venedigs als Frau?
„Schon die Flagge an sich ist ein Symbol mit vielen Bedeutungen, hier sind es Fahnen der Weiblichkeit, ein Konzept, das die Balance zwischen Lösung und Verführung bewahrt“, sagt sie. Das Buch, nach der Idee von Diane von Fürstenberg, entstand gemeinsam mit Konstantin Kakanias, der es illustrierte und Tiziana Plebani, die die Texte schrieb. Was hat Diane von Fürstenberg zu diesem Buch bewogen und an wen richtet es sich?
„Es sollte eine Erinnerung an das Projekt auf der Biennale sein und davon erzählen. So bat ich Tiziana Plebani, aus der Sicht Venedigs zu schreiben. Das Buch ist wirklich in äußerst kurzer Zeit entstanden. Über ein bestimmtes Publikum habe ich dabei nie nachgedacht, nur an die Botschaft, die ich vermitteln möchte“.
Diane von Fürstenberg hat ihr Leben als Modeschöpferin, Philanthropin und Autorin, der Inspiration von Frauen gewidmet. Als Gründerin ihrer gleichnamigen Marke und Schöpferin des ikonischen Wickelkleides definierte sie die Freiheit für Generationen von Frauen. 2010 rief sie gemeinsam mit der Diller-von Fürstenberg Familienstiftung die DVF Awards ins Leben, um außergewöhnliche Frauen zu ehren und zu unterstützen.
Konstantin Kakanias ist ein griechischer Künstler und Illustrator. Er studierte Kunst und Mode in Paris, arbeitete mit Magazinen wie Vogue France und Vogue Italia zusammen und entwarf Stoffe für renommierte Modehäuser wie Yves Saint Laurent und Christian Lacroix. Sein Werk bewegt sich zwischen Zeichnungen, Gemälden, Skulpturen und Performances.
Tiziana Plebani ist eine italienische Historikerin und Schriftstellerin. Sie studierte europäische Sozialgeschichte und lehrte Konservierung von Büchern und historischen Dokumenten an der Universität Ca‘ Foscari in Venedig. Plebani war außerdem Leiterin der Abteilung für Geschichte und Didaktik der Nationalbibliothek Marciana und sie beschäftigt sich mit der Geschichte des Buches, der Geschlechter und der Gefühle, mit besonderem Augenmerk auf die Geschichte Venedigs. Für Marsilio veröffentlichte er Storia di Venezia Città delle donne (2008)







