Die Casa della Sensa, ein historischer Palazzetto, liegt ein wenig versteckt am gleichnamigen Kanal in Cannareggio, einem der als authentisch geltenden Viertel in Venedig, in dem es noch gelingen kann, sich abseits der Touristenströme unter “echten” Venezianern zu bewegen.
Einst als Wohnhaus und Kaffeerösterei genutzt, öffnet sich der äußerst einfühlsam restaurierte Bau heute als stille Oase bis zu acht Gästen und eröffnet einen unerwartet exklusiven Zugang zur ewig faszinierenden Lagunenstadt.
Die Eigentümer:innen Nicola Padovan und Silvia Fernandez schufen hier viel mehr als eine ansprechende Unterkunft – gelungen ist ihnen ein mit großer Zurückhaltung und viel Einfühlungsvermögen zeitgemäß gestalteter Ort, als eine liebevolle Hommage an Venedig. Sie schufen ein mit viel Gespür strukturiertes Ambiente, an dem Vergangenheit und Gegenwart auf besondere Weise korrespondieren.


Wohnen für Genießer
Das kleine typisch venezianisch anmutende und zartrosa verputzte Haus befindet sich in jenem Viertel, das den alltäglichen und authentischen Charakter der Lagunenstadt wohl am besten bewahrt hat. Hier findet sich das einstige jüdische Ghetto, die Kirche Madonna dell’Orto mit ihren Werken von Cima da Conegliano und Tintoretto, die Lagune ist nah und auch nach Murano ist es nicht weit.
In einem ersten Schritt hatte das Paar eine Wohnung in diesem dreigeschoßigen Haus erworben. Als sich die Gelegenheit ergab, auch den Rest des Gebäudes zu kaufen, haben die beiden nicht lange gezögert und das dreigeschoßige Haus mit seinem uneinsehbaren Garten gekauft.
Bewohnen kann man das Haus, von dem man in fünf Minuten das Vaporetto erreicht, entweder zu acht auf 220 Quadratmetern in vier Zimmern im ersten Stock und im Erdgeschoß – und dann auch noch ganz alleine den Garten nutzen. Oder zu viert eine Wohnung mit 110 Quadratmetern im zweiten Geschoß benützen mit zwei Zimmern, inklusive Kochnische, Bibliothek, Fernsehzimmer und Plattensammlung.
Aber mit etwas Glück ist es auch möglich, den ganzen Palazetto zu zwölft zu nutzen und auf 330 Quadratmetern Fläche das einladende Flair dieses kleinen baulichen Juwels zu genießen.
Und zu guter letzt ist auch der 110 Quadratmeter große Garten mit seinen Wänden aus rissigen Ziegelsteinen, seinen Marmorskulpturen, einer Zypresse und duftenden Mimosen, mit weitgehend naturbelassener Rasenfläche und leicht verwilderten, blühenden Pflanzen zu mieten – für den es auf Anfrage auch Tische und Sessel auszuborgen gibt.


Auf drei Etagen und einer Gesamtfläche von 330 Quadratmetern schufen sie sechs Schlafräume mit Bad. Durch den vor fremden Blicken geschützten Garten, wird das Haus fast wie ein Landhaus wahrgenommen.
Im obersten Stock, in jenen Räumlichkeiten, in denen sich einst die Kafferösterei befand, wohnen Silvia Fernandez, die aus Katalonien stammende Textildesignerin und Nicola Padovan, der aus Torcello gebürtige Venezianer. Ihr privater Bereich umfasst ein Wohnzimmer, eine Küche, zwei Schlafzimmer mit Bad und den für venezianische Häuser typischen breiten, gangähnlich mittig angelegten Erschließungsbereich.
Mieten kann man das Erdgeschoß und den ersten Stock. Von den Zimmern vorne blickt man auf den Rio della Sensa, nach hinten hingegen in den uneinsichtigen Garten. Diese beiden Wohnungen wurden unabhängig voneinander begehbar angelegt, sie verfügen jeweils über eine vollausgestattete Küche, ein Bibliothekszimmer und zwei Schlafzimmer mit eigenem Bad. Der typisch venezianische großzügig konfigurierte Eingangsbereich der jede Wohnung durchschneidet kann Wohn- oder Essbereich genutzt werden. Alle Ebenen sind über eine Marmortreppe erschlossen, so dass beide Stockwerke entweder eine Einheit bilden können, sich für mehrere Familien ebenso wie für Freundesgruppen eignen. Wenn nötig kann bei Bedarf die Bibliothek im Erdgeschoß als zusätzlicher Schlafraum genutzt werden.
Die Einrichtung ist auf gewisse Weise schlicht und puristisch zugleich, die ausgewählten Farben und Texturen geben dem Ganzen einen etwas rustikalen Touch, der sich harmonisch in den Kontext einfügt. Die verblassten Farben, die Wände aus Marmorino, originale Holzbalken, Stuckelemente im Kontrast zu teilweise roh belassenen Oberflächen und der für Venedig so typische Terrazzoboden tragen gemeinsam mit den großen Fenstern, die für reichlich mit Tageslicht durchflutete Räume sorgen, zur jener nuancierten Wohlfühlatmosphäre, in der man am liebsten gleich mal länger zuhause wäre.


Einladender Rückzugsort
Alles vermittelt das Gefühl, dass sich hier bereits viel Leben abgespielt hat, und so zeigt sich den Besucher:innen ein persönliches, wie selbstverständlich harmonisch gewachsenes Zuhause, das mit Geschick und Savoir-Faire ständig weiterentwickelt. Die Einrichtungsgegenstände und Accessoires sind mit Hingabe ausgewählt und nach und nach ergänzt. Das Mobiliar umfasst Beleuchtungskörper von Isamu Noguchi, Stühle von Jean Prouvé und Ronan & Erwan Bouroullec, Glasobjekte von Venini, Leuchten von Vibia und Metallmöbel von Fantin. „Ein Unternehmen“, so die Eigentümer:innen, „das uns durch seinen gekonnten Umgang mit Farbe inspiriert hat, durch die Art und Weise, wie es mit historischen Räumen in Dialog tritt, ohne sich aufzudrängen“ – und den historischen Charakter des Hauses zur Geltung bringen, ohne ihn übertrumpfen zu wollen. Vereinzelt werden antiquarische Stücke ergänzend als Kontrapunkte eingesetzt, wobei das wohl temperierte Farbenspiel klassische Elemente aufgreift, mal im Einklang, mal kontrastreich wieder neu zusammenfügt.

Die spürbar im Laufe der Zeit gewachsene Einrichtung mit den zahlreich handverlesenen Büchern sorgt für entspannte Atmosphäre, die sich bis in den im Garten erstreckt. Die grüne Oase inmitten der für Venedig typischen dichten Bebauung, engen Gassen und Kanälen lädt zum Frühstücken ein, zum Lesen, zum geselligen Zusammensein oder einfach nur zum Ausruhen nach ausgiebigen Spaziergängen und Biennale-Besuchen. „Das Einrichtungskonzept entstand aus dem Wunsch heraus, einen Rückzugsort für uns und alle unsere Gäste zu schaffen, an dem Schönheit niemals aufgesetzt wirkt, sondern einfach da ist – so selbstverständlich wie das Wasser, das das Licht an den Wänden reflektiert, wie der Wind, der die Leinenvorhänge bewegt“, sagen Silvia Fernandez und Nicola Padovan, die dieses Haus mit Hingabe und großer Selbstverständlichkeit zu einem wohnlichen Rückzugsort voll stiller Poesie mit großem Feingefühl auch für die historische Substanz ins Leben zurückgeholt haben.
Natürliche Farben, zurückhaltendes Design, viele einladende Ecken zum Entspannen und der paradiesisch abgeschiedene Garten sind jene Elemente, die einen langsam gewachsenen Ort zu einem Platz machen, an dem man gerne auch länger verweilen möchte.






