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Martin Parr: France, Paris, Le Bon Marché, 2015 Foto: Martin Parr / Magnum Photos

Martin Parr: France, Paris, Le Bon Marché, 2015 Foto: Martin Parr / Magnum Photos

in sehenswert

Very British indead!

Redaktionvon Redaktion
15.06.2026

La Gacilly Photo ist 2026 zurück in Baden bei Wien. Das diesjährige Motto des OpenAir-Festivals steht im Zeichen Großbritanniens und blickt auf Umwelt und Natur: Auf zirka 7 Kilometer Länge sind 1.500 Bilder in großem Format in Parks, Gärten und in der Altstadt ausgestellt.

Zum neunten Mal wird Baden bei Wien ganze vier Monate zur Bilderstadt. Bis 11. Oktober kann man von 0-24 Uhr bei freiem Eintritt 33 Ausstellungen besuchen.
Briten sehen die Dinge anders als alle anderen, nicht nur, dass sie links fahren, sie glauben an Geister und lieben ihre Monarchie und sie gelten durchaus als exzentrisch. In jenem Land, in dem einst Oscar Wilde einen Hummer an der Leine führte und in die für ihre strengen Erziehung bekannt ist, pflegt man Extravaganz auch heute noch als Kunstform, was sich auch im Werk vieler britischer Fotografen nachvollziehen lässt, die den Geist ihrer Zeit auf geniale Weise einzufangen wissen.

Peter Dench nimmt die Widersprüche einer traditionsverbundenen Gesellschaft genau unter die Lupe. Foto: Peter Dench

Ein Blick auf England …

Die großen Meister der Fotografie sah das Festival stets im Zentrum seines Programms und so werden diesmal einige der legendären britischen Fotografen großformatig präsent sein. Unter ihnen etwa Sir Don McCullin, den Königin Elizabeth II. zum Ritter schlug und der als Legende gilt. Er prangerte das Elend der Ausgegrenzten ab, verurteilte den Krieg und fingt die Zerbrechlichkeit der englischen Landschaft ein. Martin Parr dokumentiertseit über fünfzig Jahren messerscharf die englische Society, auch im Rahmen seiner Modefotos, die er stets zu überzeichnen neigt und damit die Welt der Massenkonsums, allgegenwärtiger Trends und unsere Wahrnehmung von Schönheit vor seine Linse holt. Auch zusehen sind Arbeiten von Tony Ray-Jones, der als ironischer Beobachter gilt, von Peter Dench, der die Widersprüche einer traditionsverbundenen Gesellschaft genau unter die Lupe nimmt, von Josh Edgoose, derin den Straßen Londons Unerwartetes einfängt oder von Terry O’Neill, dem fotografischen Begleiter der musikalischen „Enfants terribles” Englands wie der Beatles Rolling Stones, David Bowie oder Elton John.

Mary Turner blickt zärtlich rücksichtsvoll auf die marginalisierten Bevölkerungsgruppen des postindustriellen Englands. Im Bild, der siebenjährige Jake vor der in Nebel getauchten Stadtkulisse Easington Colliery im Nord-Osten Englands. Foto: Mary Turner

War es auch Nicéphore Niepce aus Chalon-sur-Saône, der als Erster ein Bild auf eine Metallplatte bannte, so entwickelte bereits 1843 die englische Botanikerin Anna Atkins diese Technik als Erste weiter und wurde zur Pionierin auf dem Gebiet der Cyanotypie und schuf damit Herbarien faszinierender Schönheit. Gina Soden dokumentiert mit verlassenen Herrenhäusern und Villen, stillgelegten Fabriken und verfallenen Krankenhäusern magische Orte, die die Natur zurückerobert hat. Cig Harveys Farbexperimente lassen Sinneserfahrungen und Körper mit der Natur verschmelzen. Und Mary Turner blickt zärtlich rücksichtsvoll auf die marginalisierten Bevölkerungsgruppen des postindustriellen Englands.
Präsent sind u.a. ebenfalls Arbeiten von Christian Skrein, der den Besuch der Beatles in Obertauern zu ihrem Videodreh von Help! und den ablehnenden Empfang der Bewohner:innen mit ihren Transparenten: Beatles Go Home! Dokumentiert. Richard Ladkani setzt Jane Goodall ein fotografisches Denkmal, Esther Haase versuchte Vivian Westwood nachzuspüren.

Ein Kojote verbellt einen Hund, aus der Ferne in einem Hundepark ohne Leinenpflicht in San Francisco, Kalifornien (USA). Foto: Corey Arnold

… und auf die Welt

Neben dem Themenschwerpunkt, der sich dem britischen Empire widmet stehen dieses Jahr auch die Themen Umwelt und Natur im Mittelpunkt und so finden in den fotografischen Arbeiten des Festivals auch die klimatischen Veränderungen auf unserem Planeten ihre unterschiedlichste Berücksichtigung. So etwa sind u.a. die Unterwasseraufnahmen des Meeresbiologen Laurent Ballesta zu sehen, Stéphane Lavoué fotografiert Menschen, die von und mit den Ozeanen leben, der indische Fotograf Supratim Bhattacharjee zeigt den Alltag von Menschen, die mit Klimakatastrophen und steigenden Meeresspiegeln konfrontiert sind. Oder Françoise Huguier, die in Emotive Africa die Seele der Menschen von Mali bis Äthiopien, von Benin bis Mosambik einfängt. Vertreten sind auch Fotokünstler wie Frédéric Noy, Axelle de Russé oder Corey Arnold, die Bären, Kojoten und Waschbären auf der Suche nach Nahrung zeigt, die sich auf der Suche nach Nahrung bis in unsere Städte vorwagen.

Aber das Festival La Gacilly Baden photo hat bis 11. Oktober hat noch so Einiges mehr zu bieten. Einen Überblick über das gesamte Programm findet sich unter https://festival-lagacilly-baden.photo/de

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