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Von oben, wie durch das Velux Flachdach-Fenster, einfallendes Tageslicht verwandelt dieses Kinderzimmer in einen hellen Spielbereich und erlaubt es mit dem Blick in die Sterne einzuschlafen. Copyright: Architekt: Mencke & Vagnby / Foto: Velux / Adam Mørk

Von oben, wie durch das Velux Flachdach-Fenster, einfallendes Tageslicht verwandelt dieses Kinderzimmer in einen hellen Spielbereich und erlaubt es mit dem Blick in die Sterne einzuschlafen. Copyright: Architekt: Mencke & Vagnby / Foto: Velux / Adam Mørk

in Näher Betrachtet

Wie wichtig ist Tageslicht?

Christine Müllervon Christine Müller
17.08.2026

Die Europäische Norm (ÖNorm EN 17037) „empfiehlt“ den Umgang mit Tageslicht bei der Planung von Gebäuden. Die für eine Anwendung dieser Norm notwendige Tageslicht-Simulation ist in digitaler Form bereits gängige Praxis. Ein jüngst analog erschienener Leitfaden hilft bei der Einschätzung der Tageslichtversorgung in der frühen Planungsphase und soll Nutzer:innen die Orientierung erleichtern.


Der im Dezember 2025 vorgestellte Future Home Report von Velux hatte „Wohntrends“ sowie deren mögliche Auswirkungen auf zukünftige Wohnbedürfnisse untersucht. Durchgeführt in Großbritannien, Schweden, Deutschland, der Schweiz, Österreich und Dänemark enthält der Bericht detaillierte Ergebnisse einer marktübergreifenden quantitativen Studie unter Hausbesitzer:innen und Mieter:innen, die auf 9.000 Befragungen von Bewohner:innen zwischen 18 und 80 Jahren basiert.
Auch die Tageslichtsituation wurde abgefragt – mit einem eher ernüchternden Ergebnis: Etwa 40 Prozent der Befragten spüren physisches, 38 Prozent mentales Unwohlsein durch fehlendes Tageslicht, 26 Prozent beklagen eine geringe Produktivität bei der Arbeit von zuhause, 20 Prozent sehen Auswirkungen auf ihren Schlaf.
Natürliches Tageslicht gilt – selbst als Verkaufskriterium auf dem Immobilienmarkt – allgemein durchaus als vorteilhaft, bei wichtigen Entscheidungen beim Thema Wohnen spielt es jedoch selten eine entscheidende Rolle. Am stärksten nehmen jüngere Menschen und jene, die von zu Hause aus arbeiten, fehlendes Tageslicht wahr. Dennoch wird Tageslicht nach wie vor eher als Bereicherung, denn als unverzichtbares Qualitätsmerkmal betrachtet. Dies verdeutlicht eine anhaltende Diskrepanz zwischen Bewusstsein und Priorisierung.

Tageslicht hat Auswirkungen auf körperliche und geistige Gesundheit. Copyright: Daylight Design Center (DDC)

Für mehr Tageslicht

„Erfahrungsgemäß ist die Eigenwahrnehmung beim Tageslicht wesentlich besser oder optimistischer als die tatsächliche Situation, denn das Auge kann viel kompensieren“, sagt Heinz Hackl, Raumklimaexperte bei Velux Österreich und ergänzt „gute Tageslichtversorgung darf kein Zufall sein“. Die OIB-Richtlinie 3 arbeite mit relativen Werten und bilde die tatsächliche Tageslichtqualität im Raum nur begrenzt ab. Wenn auch die Tageslichtnorm EN 17037 hier deutlich besser sei, würde sie dennoch in der Praxis von Planer:innen viel zu selten angewandt, bedauert Hackl. Und die gesetzlichen Rahmenbedingungen in Österreich würden es in vielen Fällen nicht schaffen, ausreichende und der Gesundheit förderliche Tageslichtbedingungen sicherzustellen, äußert er kritisch. 
„Eigentlich sind wir für den Außenraum geschaffen. Und wenn man sich die Zahlen so ansieht, muss man fast zum Schluss einer nicht artgerechten Haltung kommen, in die wir uns noch dazu freiwillig begeben“, ironisiert Heinz Hackl über die eher bedenkliche Situation im Neubau, denn etwa in Gebäuden der Gründerzeit sei es noch besser um die Tageslichtversorgung bestellt. „Man muss sich also fragen, was ist da seither passiert, warum können wir nicht mehr damit umgehen und was braucht es, um dem Tageslicht wieder einen zentralen Stellenwert zu geben?“
Neben dem bereits von Velux entwickelten und zur Verfügung stehenden digitalen Daylight Visualizer soll nun ein von der Lichttechnischen Gesellschaft Österreich herausgegebener und von Österreichs renommierter Tageslichtspezialistin der Architektin Renate Hammer (Institute of Building Research), unter Mitarbeit von Hannes Gerstmann (Geniolux) und Heinz Hackl, recherchierter und verfasster Leitfaden, analog zur Verfügung stehen. 

Der Velux Daylight Visualizer, als wichtiger Ansatz professioneller Tageslichtplanung, steht kostenlos zum Download zur Verfügung. Foto: Velux

Die digitale Simulation 

„Wer gerne gleich in der Entwurfsphase und anhand seiner Planunterlagen nachvollziehen möchte, wie sich der Tageslichteinfall wirklich darstellt, greift zur Planungshilfe in Form einer digitalen Simulation. Etwa zum Velux Daylight Visualizer, als wichtiger Ansatz professioneller Tageslichtplanung“, erklärt Architektin und Velux-Tageslichtexpertin Christina Brunner. Denn digitale Simulationen würden Lichtverhältnisse bereits in der Entwurfsphase sichtbar machen und unterstützten Planer:innen dabei, fundierte Entscheidungen zu Fensterflächen, Raumaufteilung, Orientierung und Nutzung treffen zu können, so Brunner. Außerdem erleichtere dies die Einhaltung fachlicher Vorgaben und unterstütze dabei, die Aufenthaltsqualität in Innenräumen zu verbessern.
„Der Daylight Visualizer ist ein Berechnungstool, um Tageslicht im Innenraum zu evaluieren. Wir verbringen viel zu viel Zeit im Innenraum und es wird tendenziell mehr. Etwa hat eine Studie, das Healthy Building Barometer 2024 ergeben, dass 30 Millionen Europäer angeben, zu wenig Tageslicht in ihrem Wohnraum vorzufinden. Es sind Ergebnisse wie diese, die Velux dazu bewegen, Tools zu entwickeln und zur Verfügung zu stellen“, sagt Brunner. Unter anderem biete der Daylight Visualizer unterschiedliche Simulationen zu ausgewählten Tageszeiten zur Beleuchtungsstärke also zu jener Lichtmenge, die in Lux gemessen, auf einer Oberfläche auftrifft, ebenso könnten Ergebnisse zur Leuchtdichte abgefragt werden, also zur reflektierten Lichtmenge einer Oberfläche. Wie Brunner betont, gehe es dabei auch um den Tageslichtquotient, der im Grundriss das Verhältnis von innen und außen darstelle, gemessen auf einer gewissen Höhe von 0 von 85 cm. Alle Ergebnisse könnten in Form eines Berichts abgespeichert werden. Auch die Normgerechtigkeit nachzuweisen sei hiermit möglich, ob also eine Erfüllung der EN 17037 vorliege. „Nutzer:innen werden Schritt für Schritt durch das Programm geführt, damit nichts übersehen wird“, unterstreicht Brunner. „Man muss keine Glashäuser bauen, um gute Belichtung zu schaffen, vielmehr geht es um die Positionierung der Fenster und um die Festlegung der Nutzung eines Raumes, damit Belichtungsflächen dementsprechend geplant und positioniert werden können“, ergänzt sie und empfiehlt, den Daylight Visualizer, der online kostenlos für Mac oder Windows zur Verfügung steht, einfach auszuprobieren.

Eine neue, analoge Planungshilfe soll die Einschätzung der Tageslichtversorgung in frühen Planungsphasen erleichtern, und auch Nutzer:innen von Gebäuden zur Verfügung stehen. Foto: Semra

Eine Planungshilfe zum Durchblättern

Neben dem digitalen Berechnungstool solle nunmehr auch die analoge Planungshilfe zur ÖNorm EN 17037 mit einem ausgeklügelten Tabellenverfahren dazu beizutragen, dass Tageslicht bewusster und gezielter genutzt und ausgeschöpft wird.„Ganz so wie frische Luft oder Wasser ist Tageslicht grundlegend für die Gesundheit. Umso wichtiger ist es, wissenschaftliche Erkenntnisse in Planung, Baupraxis und Gebäudenutzung zu übersetzen. Denn wenn die Tageslichtversorgung einfach berechnet werden kann, können wir auch ihre Potenziale besser nutzen“, sagt die Wissenschaftlerin Renate Hammer. Die EN 17037 jedenfalls verlange eine Simulation, die in Österreich immer wieder als zu kompliziert kritisiert würde. Wie also unkomplizierter damit umgehen? „Oft bedingen die einfachen Dinge sehr komplexe und umfangreiche Vorgänge, um überhaupt einfach sein zu können. Renate Hammer ist dieser Spagat mit der Schaffung einer analogen Planungshilfe gelungen“, unterstreicht Heinz Hackl.
Der jüngst erschienene Leitfaden bietet eine einfach zu nutzende Orientierung und zeigt, wie sehr man sich etwa bei der Erstellung eines Planungsentwurfs der EN 17030 annähert oder nicht. 

Die Motivation

Für eine sehr vitale und junge Generation österreichischer Planer:innen sei die Thematik und der Umgang mit dem Daylight Visualizer längst nicht mehr problematisch, wie Renate Hammer anmerkt. Hammer, die auch an unterschiedlichen Hochschulen zum Thema Tageslicht und den Umgang mit dem Visualizer lehrt, stellt fest, dass die Thematik im Unterricht heute sehr rasch verstanden würde. 
Es gäbe aber durchaus Personen, die sich nicht an den OIB-Richtlinien, also an der gesetzlichen Grundlage, sondern an der Empfehlung aus der Norm orientierten. Ob für Jurist:innen oder Teilnehmer:innen an einem Bauträgerwettbewerb, die schnell erkennen müssen, ob die EN 17037 erfüllt werde, sei der analoge Leitfaden als Nachschlagewerk durchaus interessant, vor allem wenn die Zeit zur Simulation unterschiedlicher Varianten fehle. Bewohner:innen seien eine weitere potenzielle Nutzer:innengruppe, auch ihnen sollte eine möglichst einfache Orientierungshilfe zur Verfügung stehen. „Die Herausforderung zur Ausarbeitung der Planungshilfe, war es Standards und Baugesetze korrekt und transparent abzubilden sowie eine gewisse wissenschaftliche Grundqualität zu halten, und gleichzeitig dieses komplexe Thema einer Bewertung von Licht leicht verständlich darzustellen“, führt Hammer aus.
Auch würden sich die OIB Richtlinie als gesetzliche Grundlage ebenso wie die normative Empfehlung aktuell lediglich auf die sichtbare Wahrnehmung des Auges beziehen, und dabei meist Arbeitsplatzsituationen und nicht Raumkonfigurationen im Wohnbereich fokussieren. „Wir wollten um den Aspekt der sogenannten melanopischen Wirkungen, die uns die Tageszeit erkennen lassen, ergänzen“, sagt Hammer.

Der Daylight Visualizer, der unterschiedliche Simulationen zum einfallenden Tageslicht zu ausgewählten Tageszeiten ermöglicht, soll Tageslichtplanung vereinfachen und deren Anwendung fördern. Foto: Velux

Tageslicht ist Lebensqualität

Ein besonderes Anliegen war den Verfasser:innen, die Nutzung des Leitfadens zu vereinfachen, wofür man sieben Fragen entwickelte: Wie hoch ist ein Raum? Wie breit ist die Fensterseite? Wie viele Fenster gibt es mit einem Sturz, gibt es ein Parapet? Ist die Aussicht verstellt? Wie sind die Farben in der Umgebung? Verändern sich diese, wenn man das Fenster öffnet oder schließt? Und sind die Oberflächen im Raum hell, mittel oder eher dunkel? Diese Fragen müssten von den Nutzer:innen des Leitfadens vorweg beantwortet werden, und in die Tabelle einfließen, um diese anwenden zu können. Aber, so Hammer weiter, es sei in der Folge leicht, alle relevanten Ergebnisse daraus abzulesen. „Bei genauerer Betrachtung der Tabellen zeigt sich etwa, dass die OIB generell tiefere Räume, als sie die 17037 empfiehlt, erlaubt. Im Rahmen der EN 17037 lassen sich tagesbelichtete Räume gut gestalten. Auch deshalb ist es wichtig, sich dies genauer anzusehen, denn die empfohlenen Mindestwerte von 250 Lux würden nicht selbstverständlich auch erreicht“, ergänzt Hammer. 
Laut Christina Brunner stünden Planer:innen dem Thema Tageslichtevaluierung zwar durchwegs positiv gegen, eine zusätzliche Evaluierung des Tageslichts würde aber nicht honoriert, und dieses Service somit auch meist nicht angeboten. Zumindest befasse man sich in manchen Universitäten bereits mit der Thematik der Tageslichtberechnung – Dänemark sei hier längst Vorreiter. „Wir wollen zum einen die Tageslichtnorm kommunizieren und das Verständnis dafür fördern“, ergänzt Brunner. Denn solange die Tageslichtnorm lediglich einer Empfehlung entspreche, müsse weiterhin Überzeugungsarbeit geleistet werden. Als wichtiger Hebel für eine bessere Gebäudequalität sollte Tageslichtplanung längst fixer Bestandteil eines Nachhaltigkeitskonzeptes sein – im Neubau wie bei der Bestandssanierung. Dessen bewusste Berücksichtigung im Zuge der Planung vor allem in Wohnräumen, Bildungsbauten, Arbeitsumgebungen und Aufenthaltsräumen könne zu besserer Ausnützung des Tageslichts führen und damit auch den Komfort für die Nutzer:innen erhöhen.
Mit beiden Planungshilfen, dem Daylight Visualizer als digitales Tool zur Simulation und das analoge Nachschlagewerk möchte man den Planer:innen Tools zur Verfügung stellen, die Tageslichtplanung vereinfachen und deren Anwendung fördern. „Wir möchten dazu beitragen, dass Tageslicht bewusster und gezielter genutzt wird. Die Werkzeuge dafür sind vorhanden. Entscheidend ist, sie in der Praxis konsequent anzuwenden“ ,sagt Heinz Hackl abschließend.

Die Planungshilfe steht auch in digitaler Form zum Download zur Verfügung.
Der VELUX Daylight Visualizer kann kostenfrei genutzt werden.

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