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Vienna Design Week, Design für Alle. Foto: Vienna Design Week/Maria Noisternig Kollektiv Fischka

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in design

Wien feiert das Design

Redaktionvon Redaktion
16.09.2026

Wie gewohnt wechselt die Vienna Design Week auch 2026 den Standort ihrer Festivalzentrale und macht auch diesmal wieder in einer zurzeit ungenutzten Immobilie Station, in dem von Harry Glück in den 1970ger Jahren errichteten Bürohochhaus am Hietzinger Kai 101.

Im 20. Jubiläumsjahr des Festivals kommt damit auch der Festivalzentrale eine besondere Bedeutung zu. Denn neben den zahlreichen Ausstellungen, Installationen und Veranstaltungen, die hier vom 25. September bis 4. Oktober 2026 zu erleben sind, erlaubt die Zwischennutzung durch die Vienna Design Week, den Bau zu betreten und sich somit mit der Stadtentwicklung Wiens näher auseinanderzusetzen. 
Zwischen 1974 und 1976 wurde der markante, die umgebende Bebauung überragende Büroturm mit seiner dunklen Fassade als Zentrale der Allianz Versicherungs AG errichtet und eignet sich durch sein großzügiges Raumangebot auch als Ausstellungsfläche. Das Designfestival bezieht hier kurzfristig nicht nur die einstigen Büroräumlichkeiten auf neun Geschoßen, sondern auch die ehemalige Mensa, die großzügige Terrasse sowie die Gartenanlage und jene Flächen einer früher hier angesiedelten Zulassungsstelle, eines Kindergartens sowie einer im Untergeschoß angelegten Kegelbahn. 
Mit der Wahl immer unterschiedlicher und vor allem auch der Öffentlichkeit nicht zugänglicher oft vor dem Abbruch stehender Bauten engagiert sich die Vienna Design Week seit ihrer Gründung auch, eine über die präsentierten Objekte und Projekte hinausgehende Geschichte der Wiener Bestandsarchitektur zu erzählen. Es entsteht Raum für Experimente ebenso wie ein weiteres Anliegendarin besteht, Designer:innen, Vertreter:innen von Handwerk, Wirtschaft und Stadt näher zusammenzuführen. Das kuratierte Festival möchte vor allem auch in seinem Jubiläumsjahr 2026 mit seiner internationalen Ausrichtung anhand eigens beauftragter Projekte und mehrerer Festivalformate eine kulturelle Perspektive auf Design eröffnen.

Zwischen 1974 und 1976 wurde der von Architekt Harry Glück geplante markante, die umgebende Bebauung überragende Büroturm als Zentrale der Allianz Versicherungs AG errichtet und eignet sich durch sein großzügiges Raumangebot auch als Ausstellungsfläche. Foto: Copyright Christoph Wimmer, Vienna Design Week

Design für alle

Schon allein die Wahl jener Orte, an denen die Festivalzentrale bis heute Station machte, sind durchaus bemerkenswert: darunter fanden sich ein herrschaftliches Palais, ein Tanz- und Kinoetablissement, ein Schulaltbau, ein Magistrat der Stadt Wien, Industriehallen, ein Hotel im grünen Prater, das mittlerweile dem städtischen Ikea-Bau gewichene Blaue Haus am Westbahnhof, das ebenfalls bereits abgerissene frühere Sophienspital, Karl Schwanzers Bau über dem Franz-Josefs-Bahnhof, ein gerade erst fertiggestellter Rohbau entlang des Landstraßer Gürtels und zuletzt die geräumigen Werkstätten und Schauräume eines ehemaligen Autohauses in der Wiedner Hauptstraße. Örtlich und terminlich in „Zonen“ gebündelt werden die einzelnen seit der Ausgabe 2025 über die ganze Stadt verteilten Programmpunkte im Festivalprogramm grafisch hervorgehoben und erleichtern so Orientierung und Suche. Auch Events wie Eröffnungen, Cocktails oder Talks werden jeweils innerhalb einer Zone so gebündelt, dass sie problemlos im Rahmen einer Tour besucht werden können.

Die Produktgestaltung ist nur eine Facette des reichen Angebots von Gabriel Roland und seines Festivalteam. Denn es bietet neben Ausstellungen, Interventionen, Workshops, Talks, und Touren auch Beiträge aus den Bereichen Social Design, Handwerk, Kreislaufwirtschaft, Kunst oder Architektur, und veranschaulicht damit, welche wichtige Rolle Designer:innen mit ihrer Arbeit für unser Zusammenleben in der Stadt und weltweit spielen. Mehrere kuratierte Formate sowie entsprechende Vermittlungsangebote, gibt es ebenso wie Gesprächsrunden und ortsspezifische Schwerpunkte und von externen Partner:innen gestaltete Beiträge. Etwa 200 Veranstaltungen an fünfzig über die ganze Stadt verstreuten Locations stehen allen Festivalbesucher:innen 10 Tage lang – größtenteils bei freiem Eintritt – offen.

Das Projekt „A Glass of Waves“ hinterfragt Konventionen der Clubkultur und zielt als Medium transdisziplinärer Stadtforschung darauf ab, die Grenze zwischen Innen und Außen zu verwischen, sodass Raum für den Austausch zwischen der Gehörlosen- und der Elektromusikcommunity entsteht. Foto: Johanna Kalinke, Vienna Design Week

Design ist überall

Einer dieser Programmpunkte, das Format Stadtarbeit, wurde längst zum international beachteten Rahmen für Social Design. Interventionen, viele davon im öffentlichen Raum, werden mit Unterstützung des Sponsoringprogramms der Erste Bank und in Zusammenarbeit mit der Caritas Wien ermöglicht. Eine Fachjury wählte über eine Open Call drei Projekte aus, die sich vor dem Hintergrund der 20-Jahr-Jubiläums des Festivals mit der Rolle des Feierns befassen. In Form von Garagenfesten, Ritualen zur Feier der Dunkelheit, inklusiven Cluberlebnissen und anderen frei zugänglichen Veranstaltungen in Hietzing und in der ganzen Stadt laden die drei ausgewählten Interventionen ein, sich auf eine neue Form kollektiver Glücksgefühle und urbaner Subversion einzulassen.

„Achtung, Tor öffnet automatisch!“ 
bietet Garagenfeste von Hietzing bis Neubau. Inspiriert von ländlichen Bereichen, an denen mit gemeinsamen Festen an unkonventionellen Orten wie einer Garage die Grenze zwischen privatem und öffentlichem Raum fallen und die Nachbarschaft näher zusammenrückt. Der Designer Leon Theodor lädt ein, hinter sonst verschlossene Türen zu blicken. Mithilfe rollbarer Designobjekte startet er ein Experiment, das darauf verweist, den von Subkultur und Hobbys geprägten halböffentlichen Raum zur Straße hin zu erschließen. Design wird zum Werkzeug für neue soziale Vernetzungen und ermutigt, mit dem Übertreten einer Schwelle zwischen öffentlichem Stadtraum und Privatgrundstück eigene Berührungsängste zu überwinden.

„Dark Times“ zur Feier der Dunkelheit
Saliva Collective aktiviert das Potenzial der Dunkelheit und bezieht sich dafür auf Rituale wie das chinesische Mondfest, Erntefeste in Europa und Lichtfeste wie dem indischen Diwali aus einer kosmopolitischen Perspektive. Die Dunkelheit zu feiern bedeutet, sich von Ängsten zu lösen und Anspannung in Licht zu verwandeln. „Dark Times“ aktiviert das Potenzial der Dunkelheit aus einer kosmopolitischen Perspektive und setzt dafür eine Reihe inszenierter Aktivitäten in der Stadt: von Listening Sessions über Crafting Workshops bis zu nächtlichen Mondwanderungen und einem gemeinsamen Abendessen zum Abschluss der Feierlichkeiten.

„A Glass of Waves“ inklusive Cluberlebnisse 
Im begehbaren Glaskubus der Künstlerin Michaela Rotsch schafft das Kollektiv Your Club Is Not My Club mit „A Glass of Water“ einen mobilen Club mit multisensorischen Soundsystem. An frei zugänglichen Orten in der Stadt wird ein laufendes Musikprogramm ebenso geboten wie Workshops, eine Filmvorführung und Experimentiermöglichkeiten, die den sinnlich-forschenden Ansatz des Projekts greifbar und erlebbar machen. Mit dem Hinterfragen von Konventionen der Clubkultur sowie als Medium transdisziplinärer Stadtforschung zielt „A Glass of Waves“ darauf ab, die Grenze zwischen Innen und Außen zu verwischen, wobei ein Raum für den Austausch zwischen der Gehörlosen- und der Elektromusikcommunity entsteht.

Passionswegegefährten sind die bildende Künstlerin Anna Paul und die in Floridsdorf befindliche Seilerei Haanl. Zu sehen ist ihre Installation in der Festivalzentrale am Hietzinger Kai 101. Foto: Anna Paul, Vienna Design Week
Das Passionswege-Duo Designer Christophe de la Fontaine und Traditionsjuwelier A.E. Köchert untersucht Schmuck jenseits von Geschlechterstereotypen. Foto: Christoph Wimmer, Vienna Design Week

Design entsteht gemeinsam

Ein weiterer Höhepunkt der Vienna Design Week ist auch 2026 das Format Passionswege, das internationale sowie österreichische Designschaffende und Wiener Handwerksbetrieben zusammenbringt. Im Rahmen des diesjährigen Jubiläums wird es neben einem speziellen Passionswege-Best-of aus zwei Jahrzehnten auch drei neue Kooperationen geben. Aus diesem Anlass werden gemeinsam entstandene Installationen in den jeweiligen Werkstätten zu sehen sein. So etwa auch das Ergebnis einer Zusammenarbeit des italienischen Designstudios Groovido mit Sitz in den Niederlanden und der Friedhofsgärtnerei Blumen Weisz, gegenüber des Hietzinger Friedhofs, auf dem bedeutende Architekten und Künstler, wie Otto Wagner, Gustav Klimt, Koloman Moser oder Hans Hollein ihre letzte Ruhestätte gefunden haben. Die Zusammenarbeit verbindet zeitgenössisches Design und typische Wiener Blumenkränze und geht Fragen zu Ritualen, Erinnerung und handwerklicher Praxis nach. In der Wiener Innenstadt untersucht das Passionswege-Duo aus dem international renommierten Designer Christophe de la Fontaine aus Luxemburg und dem Traditionsjuwelier A.E. Köchert Schmuck jenseits von Geschlechterstereotypen und Charakteristika wie Ornament, Präzision und zeitloser Handwerkskunst. Die dritten Passionswegegefährten schließlich sind die bildende Künstlerin Anna Paul und die in Floridsdorf befindliche Seilerei Haanl. Sie erforschen nicht nur textile Strukturen, Materialinnovationen und räumliche Anwendungen sondern verknüpfen experimentelle Gestaltung mit der Expertise althergebrachten Handwerks. Zu sehen ist ihre Installation in der Festivalzentrale am Hietzinger Kai 101.

Auch fünf Wiener Traditionsunternehmen, die seit Anbeginn eng mit der Vienna Design Week verbunden sind, werfen einen Blick auf die lange Zusammenarbeit. Die Wiener Silber Manufaktur, Rudolf Scheer & Söhne, Lobmeyr, Wäscheflott sowie die Hutmanufaktur Mühlbauer öffnen ihre Geschäftsräumlichkeiten und Archive, um sich an ausgewählte Projekte aus zwei Jahrzehnten Passionswege zu erinnern. Rückblicke dieser Art unterstreichen die Bedeutung dieses Formats, in dem Designer:innen und Handwerker:innen einander abseits klassischer Auftragsverhältnisse mit großer gegenseitiger Wertschätzung begegnen, ihr Wissen teilen und gemeinsam neue Perspektiven auf Materialien, Techniken und Traditionen entwickeln. Und nicht selten dauern die im Rahmen der Vienna Design Week geknüpften Verbindungen weit über die kurze Festivaldauer hinaus.

www.viennadesignweek.at

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