Im Rahmen der diesjährigen Jubiläumsausgabe der Vienna Design Week von 25. September bis 4. Oktober 2026 gibt es Anlass nicht nur zurückzublicken, sondern auch ein wenig in die Zukunft zu schauen. Die folgenden Programmpunkte der Vienna Design Week sollte man nicht versäumen.
So gibt zum Beispiel das Format Debüt Einblick in die Designausbildung im In- und Ausland und damit auf die Arbeit der nächsten Generation. Aus diesem Anlass wurden Ausbildungsstätten eingeladen, ihre Ziele, Talente und Visionen den Besucher:innen der Vienna Design Week zu präsentieren.

Design und Ausbildung
Gleichzeitig möchte man mit dem Format Debüt eine internationale Vernetzungsplattform ebenso wie ein eigenständiges Versuchslabor für aufstrebendes Design in den Mittelpunkt rücken. So etwa haben die Studierenden des Studiengangs Produktdesign und Kommunikationsdesign der Staatlichen Hochschule für Gestaltung Karlsruhe (HfG), dem Lycée des Arts et Métiers des diesjährigen Gastlandes Luxemburg, dem Regenerative Design Lab der Universität für angewandte Kunst und dem Fachbereich Design der Fachhochschule Potsdam gemeinsam mit ihren Lehrenden eigens für die Vienna Design Week Projekte erarbeitet. Die Ergebnisse reichen von Geburtstagskuchen, Partyständchen und regenerativer Zukunft bis zu Zusammenkünften jenseits des Menschlichen.
Die Student:innen der Hochschule für Gestaltung Karlsruhe befassen sich im Rahmen ihres interaktiven Ausstellungsprojekts unter dem Titel „Ther Will Be Cake“ mit dem mobilen und immateriellen Kulturerbe von Speiserezepten, das Projekt der Studierenden aus Luxemburg „Sound Takes Shape Here“ ist eine interaktive und partizipative Installation, bei der Klänge aus der Umgebung der Festivalzentrale in physische Formen, Rhythmen und Objekte übersetzt werden. Die Student:innen der Fachhochschule Potsdam hingegen schaffen mit „Microbial Futures“ eine experimentelle räumliche Installation, bei der sich alles um die Lebensweise von Algen, Pilzen, Flechten und Mikroben dreht. Und das „Regenerative Design Lab“ des Instituts für Design an der Wiener Universität für angewandte Kunst unter Leitung von Designer und Designtheoretiker Harald Gründl befasst sich im Rahmen der Lehrveranstaltung „Design Revolution Now!“ mit alternativen und regenerativen Formen von Design. Der Beitrag der Wiener Angewandten versammelt Fragmente, Projekte und Artefakte von Student:innen, die in den letzten sieben Semestern entstanden und zeigt außerdem drei Arbeiten von Studierenden aus dem vergangenen Studienjahr, die auch in zwei Talks vertreten sind. Um das Design im Jahr 2100 geht es im acht Minuten langen Filmprojekt XS-2100, das acht einminütige Kurzfilme interdisziplinär tätiger Student;innen bündelt, die sich mit dem Jahr 2100 auseinandergesetzt haben.


Geschichten und Erlebnisse
Platform ist ein Format, das Akteur:innen aller Art einlädt, ein Teil der Vienna Design Week zu werden. Hierbei stellen österreichische und internationale Unternehmen, Museen, Kulturinstitutionen, Hochschulen, Galerien, Architektur- und Designbüros unterschiedlicher Größen eigens für das Festival erarbeitete Beiträge vor. So etwa würdigt das MAK – Museum für Angewandte Kunst den visuellen Auftritt der Vienna Design Week von ihren Anfängen bis heute anhand von deren Plakaten und den hierfür verantwortlichen Designer:innen. Das Image ebenso wie die öffentliche Wahrnehmung des 2006 von Lilli Hollein, Tulga Beyerle und Thomas Geisler gegründeten und mittlerweile international bekannten Festivals wurde in den letzten zwanzig Jahren auch durch die Plakatsujets entscheidend mitgeprägt. Die Präsentation 20 Jahre Vienna Design Week – Eine Stadt voller Plakate des MAK möchte damit aber auch die für die Gestaltung verantwortlichen Designer:innen entsprechend würdigen.
Zum fünften Mal kooperiert die Vienna Design Week auch mit Ikea und zeigt eine raumübergreifende Installation unter Verwendung der bereits ikonischen blauen Ikea-Tasche zu Fragen nach Bewegung, Verstauen und Struktur. Architektur, Möbeldesign und Materialforschung verbindend wird gezeigt, wie Ordnung heute neu gedacht werden kann. Auch ist gemeinsam mit zehn weiteren nominierten Projekten aus dem Open Call ist das Sieger:innenprojekt von Lisa Stolz und Juan Vértiz in der Festivalzentrale zu erleben.

Vermittlung – Design für alle!
Mit ihren Touren, Talks, Workshops und Angeboten für Schulen hat sich die Vienna Design Week zum Ziel gemacht, so viele unterschiedliche Menschen wie möglich zu erreichen. Auf dem Programm der Touren stehen diesmal unter der Leitung von Marion Kuzmany von Arch on Tour Handwerksbetriebe in Hietzing ebenso wie etwa Josef Franks Villa Beer oder sechs Hietzinger Einfamilienhäuser von Adolf Loos. Touren führen auch zur Klimt Villa Wien, zur Wiener Werkbundsiedlung, zum Rietveld-Haus und zur benachbarten Fertigteilsiedlung von Carl Auböck und Roland Rainer. Weiter geht es zur Konzilgedächtniskirche von Josef Lackner, zu Karl Schartelmüllers Superblock als Gartenstadt, zur Sargfabrik sowie schließlich auch zu dem gemeinsam mit Open House zugänglich gemachten 9. Stock der Festivalzentrale sowie zu einem ganz speziellen Sanierungsprojekt in Hietzing, dem Haus Urwalek.
Unter anderem sehenswert sind:

Sabina Durdik Motinnovation Award
In der Festivalzentrale zu sehen ist das Projekt der diesjährigen Preisträgerin des Sabina Durdik Motinnovation Awards. Die visionäre Masterarbeit „Mykoskaya“ von Johanna Schmerold überzeugte die Jury des von Laufen Austria in Zusammenarbeit mit der New Design University ins Leben gerufenen Preises, der die innovativste Masterarbeit im Studiengang Innenarchitektur & Visuelle Kommunikation der NDU würdigen soll. Der Sabina Durdik Motinnovation Award ist einer Frau gewidmet, die unermüdlich Menschen dazu ermutigte Neues zu denken, Neues auszuprobieren und entstehen zu lassen. Die diesjährige Preisträgerin Johanna Schmerold hat für Mykoskaya ein visionäres System für eine urbane Pilzkultivierung mit Produktion, Wissensaustausch und Gemeinschaft auf innovative Weise miteinander verknüpft. Sie denkt ein vom Myzel inspiriertes Projekt, das auf Netzwerk, Symbiose und Fürsorge setzt und dezentral im Stadtraum positioniert wird. Sie möchte damit als Gegenentwurf zur konsumorientierten Stadt, die lokale Ernährungssouveränität, kollektive Verantwortung und Sorgearbeit als sichtbare Praxis fördern. Schmerolds Projekt basiert auf öffentlichen, gemeinschaftlich organisierten Flächen. Sie inspiriert sich in Gestaltung und geplanter Infrastruktur mit der Verwendung von Stickereimotiven, wie dem Kreuzstich, an der slawischen Folklore ebenso wie an der in Osteuropa traditionellen gastronomischen Verwendung von Pilzen. Die Pilzkultivierung hat Johanna Schmerold nicht zuletzt auch wegen deren besonderer Eignung für den Stadtraum gewählt, denn durch vertikale Anbaumethoden benötigen Pilze nur wenig Fläche und können in schmalen, modularen Installationen kultiviert werden.
Talks
Design Revolution Now! Regenerative Design Futures!
Ein Gespräch zur Zukunft der Designausbildung auf der Grundlage der Cumulus Deklaration 2025, herausgegeben vom Dachverband und globalen Netzwerk Cumulus Assoziation fordert die Deklaration eine Designausbildung auf Basis von ökologischer und sozialer Gerechtigkeit und Verantwortung.
Teilnehmer:innen: Ulrike Kuch (Rektorin der Universität für angewandte Kunst Wien), Studierende der Lehrveranstaltung „Design Revolution Now!“, Claudia Banz (Direktorin des Weltmuseums Wien) moderiert von Harald Gründl
Mittwoch, 30.September 2026, 17 Uhr, Festivalzentrale
Regenerative Design Futures in India
Das Institute of Design Research Vienna (IDRV) bringt internationale Perspektiven zum Thema Regeneratives Design ein. Im Zuge der Ausstellung Imagine – Coral Reef. Regenerative Design in Delhi fanden Workshops mit Studierenden der indischen Sushant University in Gurugram statt, die sich mit regenerativen Ansätzen in der Gestaltung auseinandersetzten. Der Talk reflektiert die Ergebnisse dieses Austausches und richtet den Blick auf neue Ansätze für ein zukunftsfähiges Handeln in Design, Herstellung und Lebensstil.
Mit Koshalpreet Kaur (Dekanin der School of Design an der Sushant University), Shailja Sachan (200 Million Artisans), Harald Gründl (Co-Leiter Institute of Design Research Vienna IDRV)
Sonntag, 4.Oktober .2026, 17 Uhr, Festivalzentrale

Do We Really Need Another Chair?
Stefan Diez und Anab Jain, Professor:innen und Leiter:innen der beiden Abteilungen Industrial Design sowie Design Investigations der Angewandten, sprechen über die Zukunft des Designs und ihre Zugänge in der Ausbildung von Design-Studierenden an der Angewandten. Moderation: Jasmin Jouhar
Donnerstag, 1. Oktober 2026, 17:00, Festivalzentrale

Buchpräsentation
Margarete Schütte-Lihotzky – Kinderhaus St. Pölten, Christine Schwaiger (Hrsg.)
Der Kindergarten der Glanzstoff-Fabrik in St. Pölten ist ein bis heute kaum beachtetes Projekt im Werk der österreichischen Architektin Margarete Schütte-Lihotzky (1897–2000). Schütte-Lihotzkys in der der Nachkriegszeit unter sowjetischer Besatzung (1953) erfolgter Umbau einer ehemaligen Direktorenvilla zeigt eindrucksvoll, wie die Architektin und Aktivistin der Frauenbewegung ihre langjährige Erfahrung mit kindgerechter Architektur und Möblierung einsetzte. Mithilfe von Modellen, Diagrammen und Visualisierungen wird die verlorengegangene Innenarchitektur auf Basis detailreicher Pläne aus ihrem Nachlass rekonstruiert. Durch einen Kindersessel im Maßstab 1:1 werden die Entwurfsgedanken zudem unmittelbar erfahrbar.
Mit Eva B. Ottillinger (Mobiliendepot Wien), Christine Schwaiger (New Design University), Gabriel Roland (Vienna Design Week)
Mittwoch, 30. September 2026, 17.30 Uhr, Möbelmuseum Wien, Andreasgasse 7, 1070 Wien
Festivalzentrale: Hietzinger Kai 101, 1130 Wien
Gesamtes Programm unter www.viennadesignweek.at






