Im Sommer 2025 bezogen, steht der Wohnbau Eurogate „Stadtregal“ für Vielfalt und nützt nachhaltige Kreisläufe – bis zur Toilette. Denn erstmals im geförderten Wohnbau wurde das vom Designstudio EOOS für Laufen entwickelteUrin-Trenn-WC save! in 40 Wohnungen eingebaut.
Als Siegerprojekt aus einem Bauträgerwettbewerb hervorgegangen widerspiegelt der Bau auf den ehemaligen Aspanggründen im dritten Wiener Gemeindebezirk das Engagement für Nachhaltigkeit und innovative Bautechniken der Bauherr:in Arwag Holding AG.
Nach den Plänen der Architekturbüros Gerner Gerner Plus und studio heri & salli entstanden auf 3.000 Quadratmetern 122 geförderte Mietwohnungen – 12 geförderte Apartments, ein Studentenheim, 14 geförderte Mikrobüros/Ateliers und 4 geförderte Geschäftslokale, die auch von der Volkshilfe genutzt werden. Auf einer Gesamtnutzfläche von etwa 10.500 Quadratmetern werden vielfältige Wohn- und Arbeitsmöglichkeiten für unterschiedliche Bedürfnisse in Form sozialen und leistbaren Wohnraums angeboten. Das Stadtregal umfasst verschiedene Wohnformen, von Starter-Wohnungen bis zu Clusterwohnungen für Alleinerziehende und Senioren entsprechend eines Konzept für soziale Nachhaltigkeit entwickelt von art:phalanx, der Wiener Agentur, die an der Schnittstelle zwischen Kultur- und Raumnutzung tätig ist.

Gemeinschaftliche Nachbarschaft
Die Grünraumgestaltung der Landschaftsplanerin Carla Lo sieht nicht nur eine üppig begrünte Fassade vor, sondern auch Freiräume mit einem hohen Grünanteil, wobei resistente Klimagehölze wie Felsenbirne, chinesische Wildbirne, Lederhülsenbaum und Zieräpfel zum Einsatz kamen. Ein Wäldchen mit Kleingehölzen verwandelt den Hof in einen kühlen Rückzugsort, auf dem Dach sorgt neben schattenspendenden Bereichen ein Wasser-Spiel-Deck für Kinder für Abkühlung. Auch Hochbeete, Bienenstöcke und blühende Insektenweiden bereichern diesen zusätzlichen Gemeinschaftsbereich.
Wohnen darf sich nicht nur auf die eigenen vier Wände beschränken. Das Projekt Stadtregal möchte möglichst vielfältige Querbeziehungen zwischen den Bewohner:innen und den verschiedenen Einrichtungen des Projekts anstoßen. So können sich etwa Studierende bei Vermittlungsangeboten für Kinder engagieren, Schüler:innen können Patenschaften für die Hühner, die am Dach vorgesehen sind, übernehmen. Deren Eier werden – ebenso wie den Bio-Honig vom Dach – von der im Erdgeschoß angesiedelten Lehr-Konditorei genutzt, die auch den Öko-Spielplatz beliefert.
Ein Fassadenabschnitt wurde von der Künstlerin Barbara Kapusta gestaltet. Auf einem über alle Geschoße reichenden Abschnitt der Putzfassade schuf sie aus einem eigens von ihr entwickelten Alphabet den Satz „This ist the space we inhabit as neighbours“. Dieser setzt sich aus 26 Bild-Zeichen zusammen und erstreckt sich über die gesamte Gebäudehöhe. „Es sind Zeichen, zwischen Schrift und Bild, die man von oben nach unten lesen kann, aber nicht entziffern muss“, erläutert Kapusta. Die Künstlerin möchte damit zeigen, dass dieses Haus eine Gemeinschaft darstellt, die durch Unterschiedlichkeiten und nicht nur durch die Gleichheit der Menschen entsteht.

Freiräume mit offener Nutzung
Charakteristisch ist auch die Anordnung der vier unterschiedlich konfigurierten Baukörper rund um einen zentralen Innenhof, wobei zwei Bauten in Holz-Hybridbauweise errichtet wurden, und über alle Geschoße verteilt Freiräume mit offener Nutzung angeboten werden.
Die soziale Gemeinschaft, der mit flexiblen Grundrissen, der Möglichkeit von Urban Gardening oder mit der Errichtung eines Öko-Spielplatzes und vielfältiger Gemeinschaftseinrichtungen entsprechen will, steht ebenso im Mittelpunkt wie eine hohe Lebensqualität der Bewohner:innen. Das Stadtregal im „Village im Dritten“ ist Teil eines größeren Stadtentwicklungskonzepts, das vorsieht, auf 11 Hektar bis 2026 ein lebendiges, autofreies Quartier mit insgesamt 1.900 Wohnungen, zahlreichen Nahversorgern und dem neuen Bildungscampus Aron Menczer fertigzustellen.

Ökologisch wohnen
Den Wohnbereichen wurde das „Regal“ vorgeblendet, eine Struktur die zusätzlichen Frei- und Grünraum schafft, und die gesamte Vielfalt des Wohnensembles nach außen vermitteln möchte: „Das Regal ist sehr bunt, sozial nachhaltig, flexibel in der Nutzung – hier passiert ganz viel, das wollen wir sichtbar machen”, erläutert Architekt Matthias Bresseelers von Gerner Gerner Plus. Das Erdgeschoß ist für Interaktion nach außen offen und bildet mit Öko-Spielplatz, Quartier-Kino, einem Jugendtreff und der Lehr-Konditorei „Kuchenamt“ unter anderem auch für die Nachbarschaft attraktive Grätzel-Angebote. Stimmig dazu wurden auch die Gemeinschaftsräume mit Vintage-Möbeln eingerichtet.
Große Aufmerksamkeit wurde den Themen Klima, Nachhaltigkeit und Umwelt geschenkt und ökologische Kreisläufe berücksichtigt. So soll etwa die Begrünung der Fassaden vor Überhitzung schützen. Die Energieversorgung erfolgt über Abwasserwärmerückgewinnung und eine Photovoltaik-Anlage am Dach. Geheizt und gekühlt wird in erster Linie über Geothermie, Bauteilaktivierung und Abwärmenutzung. Energie, die etwa im Fitnessraum beim Geräte-Training entsteht, kann in Strom umgewandelt und in das hausinterne Stromnetz eingespeist werden.

Für eine bessere Welt
Einen Meilenstein in puncto nachhaltigem Abwassermanagement bedeutet der Einsatz der Urin-Separationsanlage „save!“, die hier erstmalig in größerem Maßstab zum Einsatz kommt. Sie trennt Urin von Fäkalien und verwandelt diese zu wertvollem Dünger, der in den Grünflächen wiederverwertet werden soll.
„Save!“, die erste Separationstoilette der Welt, gelangte durch die Zusammenarbeit von Laufen gemeinsam mit dem österreichischen Designstudio EOOS und der Eawag (Eidgenössische Anstalt für Wasserversorgung, Abwasserreinigung und Gewässerschutz) zur Serienreife. Mit der von EOOS entwickelten „Urin Trap“ als Schlüsselinnovation des Produkts wird der Urin unter Ausnutzung der Oberflächenspannung in einen getrennten Ablauf abgeleitet und es werden dadurch zwei Probleme an der Schnittstelle zur Kanalisation gelöst: die teure und aufwändige Aufbereitung von Urin im WC-Abwasser sowie die Verschwendung wertvoller Ressourcen. Somit kann es gelingen, Küsten, Flüsse und Meere nachhaltig vor dem Stickstoff, der im Urin enthalten ist, zu bewahren. Die damit folgende Algenbildung, die Flussmündungen und Küstengebiete zu „Toten Zonen“ macht, könnte vermindert werden.
Mit „Save!“ öffnet sich daher ein neues Kapitel im nachhaltigen Abwassermanagement: Denn der gesondert gesammelte Urin lässt sich im besten Sinn von Upcycling so extrahieren, dass der gereinigte Rest als wertvoller Dünger in Grünflächen und Landwirtschaft eingesetzt werden kann. „Es ist ein völliger Wahnsinn: Wir nehmen Nährstoffe über die Nahrung auf und einen Großteil scheiden wir dann wieder aus. Dass man diese Nährstoffe wieder zurück in die Landwirtschaft bringt, ist irgendwie total logisch”, meint Harald Gründl von EOOS.

Mit dem „Stadtregal“ ist ein innovatives heterogenes und zukunftsweisendes Wohnensemble im geförderten Wohnbau entstanden, das die Potenziale von Wohnen in der Bildung von Gemeinschaften sieht und dabei soziale wie ökologische Kreisläufe verbindet.
Partner:innen des Projekts Stadtregal
Auftraggeber: ARWAG Living in Town GmbH
Architektur: Gerner Gerner Plus, heri&salli
save!: EOOS Design, Eawag ETH Zürich, LAUFEN
Forschung und Kreislaufwirtschaft: GrünstattGrau Förderung: FFG





