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Tischprotokolle (2022), Performance von Billi Thanner in Zusammenarbeit mit Gerhard Fresacher. v.l.n.r., Gerhard Fresacher, Rebecca Rapp, Billi Thanner, Flo Egger, Christoph Griesse, unterm Tisch Patrik Huber und Tibor Taylo. Statist (blauer Helm): Laurenz Szaal. Foto: Sandra PHOTO-ART-DESIGN

Tischprotokolle (2022), Performance von Billi Thanner in Zusammenarbeit mit Gerhard Fresacher. v.l.n.r., Gerhard Fresacher, Rebecca Rapp, Billi Thanner, Flo Egger, Christoph Griesse, unterm Tisch Patrik Huber und Tibor Taylo. Statist (blauer Helm): Laurenz Szaal. Foto: Sandra PHOTO-ART-DESIGN

in ausstellung

Zur Fragilität von Freiraum

Christine Müllervon Christine Müller
16.02.2022

Aktueller denn je, ist das Thema, mit dem sich die Küsterin Billi Thanner in Ihrer Ausstellung „Mein Raum“ befasst. Denn nicht zuletzt die zweijährige schwierige Zeit der Coronaepidemie hat uns gelehrt, wie wichtig ein Bewusstsein des von uns gelebten Raumes für unser Dasein ist. Mit den Bedingungen, der Funktion und Bedeutung von „Freiraum“ für die Einzelne und den Einzelnen in unserem gesellschaftlichen Gefüge befasst sich Thanner in ihren aktuellen Arbeiten und mit der Performance Tischprotokolle, die alle eigens für diese Ausstellung entstanden. 

Mein Raum

Der Künstlerin und Performerin geht es dabei nicht um den „Freiheitsbegriff“ als solches, sondern vielmehr um jene Parameter, die „Freiraum“ erst möglich machen. Und sie befasst sich mit den Potenzialen, die sich für das Individuum und das Kollektiv daraus ergeben: Selbständigkeit, Unabhängigkeit, Souveränität, Kreativität, Eigenständigkeit, Selbstbestimmung, Originalität, Sicherheit, Mündigkeit, Risikobereitschaft, Distanz, Toleranz.
„Mit der Ausstellung Mein Raumkonstatiere ich, dass sich die ‚Muse‘ nur dann frei bewegt, wenn ‚sie‘ den Mut aufbringt, Barrieren niederzureißen,“ so Billi Thanner
Ihre aktuellen Arbeiten – die sich dem Thema aus unterschiedlichen Perspektiven annähert – kreisen um die Erfahrung, das Bedürfnis und die Notwendigkeit persönlichen Freiraums. 
Die Neonlichtinstallation Räume berühren (2022), taucht Billi Thanner den Galerieraum der DISTRICT4Art in blaue Farbe und zieht so die Eintretenden gleichsam förmlich in den Raum.
Mein Raum (2022) ist auch der Titel des Sitzobjekts, das Thanner für diese Einzelpräsentation entworfen hat: Ein Fauteuil aus den 1960er Jahren, den die Künstlerin mit einem Kleiderstoff von Louis Vuitton neu beziehen ließ. Hier kommt auch ihre starke Affinität zur Mode zum Tragen. Dekor wird dabei allerdings nie zum Selbstzweck degradiert, denn Billi Thanner „ummantelt“ die Sitzgelegenheit mit dem Kleiderstoff eines Modelabel und lädt die Besucher:innen ein, sich hinzusetzen und somit sich das Objekt „anzuziehen“, sich darin einzuwickeln. Mit diesem „Akt der Inbesitznahme“ schafft die Künstlerin durch das Publikum ihren eigenen persönlichen Raum. Gleichzeitig visualisiert sie mit ihrer aktuellen Arbeit das reziproke Verhältnis von „mein Raum“ und „dein Raum“ sowie die wechselseitige Wirkung und fließenden Übergänge von Faszination, Reiz, Attraktivität und Verführung und den Stellenwert von Privat- und Intimsphäre.
Ebenfalls zu sehen sind zwei Textilbilder,  courage is the best muse of art (2022) und art is porn with colors(2022). Sie verwendet dabei ihr vertraute und gern eingesetzte Materialen, die sie mit Texten – Gedanken, Überlegungen und Feststellungen zum künstlerischen Akt und zur Kunst als Freiraum ergänzt. Die Botschaften illustriert Thanner durch die Darstellung halbnackter Frauenkörper als eine Art Verweis auf die Anfälligkeit, Zerbrechlichkeit, Empfindlichkeit, Verletzlichkeit und Fragilität von Freiraum.

Billi Thanner: courage is the best muse of art, 2022 Textilbild aus Seide-Baumwollstoff 200 x 170 cm Foto: Sandra PHOTO-ART-DESIGN

Tischprotokolle

Billi Thanner fragt stets nach der Bedingung zur Möglichkeit von Erfahrung. „Sie legt ihre Künstlerschaft als Gesamtkunstwerk an, denn der Raum, den ihr künstlerisches Selbstverständnis umarmt, expandiert längst über den Bilderrahmen, das Atelierfenster, die Landesgrenzen und Diesseitsbegriffe hinaus: Gelebte Freiheit, die uns alle inspirieren vermag!“, schreibt Anton Herzl, Künstler, Dichter, Musiker über Thanner.
Tischprotokolle ist eine weitere Performance, in der Billi Thanner gemeinsam mit Künstlerkolleg:innen, Freund:innen und Publikum begleitend zur Ausstellung Mein Raum die Grenzen von persönlichen und kollektiven Haltungen und Einstellungen verhandelt. 
Plakativ, laut, schrill, still, stumm, ernsthaft, heiter, übertreibend und zurückhaltend zugleich in Szene gesetzt, stets auch mit einem Moment der Überraschung, die Publikum wie Protagon:innen selbst gleichermaßen in Staunen versetzt und somit performativen Parameter neu gewichtet.
Wesentlich dabei ist eine Interaktion auf Augenhöhe. Die Talente der Protagonist:innen – Gerhard Fresacher, Künstler und Rebecca Rapp, Sängerin sowie der Schauspieler, Flo Egger, Christoph Griesser, Patrik Huber und Tibor Taylor – fließen gleichwertig ein,  vernetzen sich mit dem künstlerischen Thema und Billi Thanners ästhetischer Position. Geplantes und Spontanes – auch beim Publikum – bedingen einander und werden in Tischprotokolle zum Thema selbst: Freiraum ist gleich Spielraum.

Billi Thanner hat sich in den künstlerischen Arbeiten der Schönheit verschrieben. Seit den frühen 1990er Jahren ist sie als bildende Künstlerin tätig. Ihr Werk umfasst eine Bandbreite von Genres wie Malerei, Skulptur, plastische Intervention, Rauminstallation, Aktion, und Performance und widmet sich dem Verhältnis Mensch, Natur, Kunst und Gesellschaft. Für ihre Aktionen und Performances, die interdisziplinär konzipiert sind, lädt die Künstlerin regelmäßig Kulturschaffende und Kreative wie u.a. Julius Deutschbauer, Gerhard Fresacher oder Peter Lohmeyer aus verschiedenen Sparten – Theater, Musik, Tanz, Mode und Design –, aber auch Freundinnen und Freunde zum Mitwirken ein. In selbstbewusster, kraftvoller und impulsiver Bildsprache konzentriert sich Billi Thanner auf das Ungleichgewicht zwischen sozialem, ökonomischem und ökologischem Handeln: Oberflächlichkeit, maßloser Konsum und Wegwerfmentalität, Ausbeutung menschlicher Arbeitskraft und der Natur, Umweltverschmutzung und Ressourcenverschwendung. Im Mittelpunkt steht dabei der Mensch. Seit April 2021 strahlt die Himmelsleiter in den Wiener Nächten am Stephansdom. Sie lebt und arbeitet in Wien.

DISTRICT4art wurde von Gisela Weissenbach 2018 initiiert. Die u.a. auf Kunst aus Südafrika spezialisierte Sammlerin und Galeristin zeigt in Einzel- und Gruppenausstellungen etablierter und junger Kunstpositionen aus unterschiedlichen Disziplinen wie Malerei, Fotografie, Video, Objektkunst, Skulptur und Performance Art.

Billi Thanner. Mein Raum.
Ausstellungseröffnung mit Performance Donnerstag, 3. März 2022, 19 Uhr
Ort DISTRICT4art, Wiedner Gürtel 12, 1040 Wien#
Dauer 04. – 31. März 2022
Öffnungszeiten Di, Do, Fr jeweils, 15 – 19 Uhr und nach 
Vereinbarung M +43 660 55 888 05, info@district4art.eu

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